Auf dem Planeten Erde gibt es kein Licht ohne Schatten. Ein Beispiel für diese Binsenweisheit sind Benzodiazepine.

Valium, Tavor, Xanax: Tag für Tag nehmen Millionen von Menschen Benzodiazepine ein. Ursprünglich dachten Mediziner und Patienten, diese Medikamente hätten kaum Nebenwirkungen. Heute wissen wir, dass dies nicht stimmt.

Bei Benzodiazepinen handelt es sich um zweischneidige Schwerter, die auf beiden Seiten abstumpfen können. Auf der einen Seite gewöhnt sich der Körper schnell an die Medikamente und braucht höhere Dosierungen. Auf der anderen Seite führen Benzodiazepine nach wenigen Tagen in die Sucht.

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Über mich

Hallo,

mein Name ist Andreas und ich bin 44 Jahre alt. Ich litt jahrelang unter einer Angststörung mit Panikattacken, Depressionen und Zwangsverhalten.

Falls Du mehr über mich erfahren möchtest und was mir persönlich am meisten geholfen hat, kannst Du das hier nachlesen.

Was sind Benzodiazepine?

Benzodiazepine erhielten ihren Namen von ihrer chemischen Struktur: Sie bestehen aus einem siebengliedrigen Ring mit zwei Stickstoffatomen, der Diazepin genannt wird. Damit verbunden ist ein Benzolring.

Gefühle vernebeln: Ausflug in die Geschichte

Benzodiazepine befriedigen ein uraltes Bedürfnis der Menschheit: Schwierige Gefühle wie Angst und Schrecken sowie Schlafstörungen kurieren wir gerne mit Tabletten oder Tropfen. Das Verlangen nach Rauschzuständen und das große Vergessen ist so alt wie die Menschheit selbst. Im Grunde handelt es sich bei Alkohol, einem der ältesten Rauschmittel, bereits um einen Tranquilizer. Er wirkt ähnlich wie verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel auf verschiedene Signalwege von Botenstoffen (Neurotransmittern), unter anderem GABA, Glutamat und Dopamin (1).

Benzodiazepine sind jedoch ein Produkt der modernen Pharmaindustrie, die  sich über Jahrhunderte hinweg entwickelte. Im Zuge der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert verbanden immer mehr Menschen Rationalismus und Empirismus. Logisch erlangte Konzepte bestätigte man mit Experimenten.

Pionier der Pharmaindustrie: Merck in Darmstadt

Bis dieses Konzept das Gebiet der menschlichen Gesundheit erreichte, verging etwas Zeit. Die deutsche Firma Merck gehörte zu den Pionieren der Pharmaindustrie. Sie wurde bereits 1668 in Darmstadt gegründet und begann 1827 damit, Alkaloide in großem Umfang herzustellen (2).

Laudanum (Opiumtinktur) und Morphin waren im 19. Und 20. Jahrhundert beliebte Schlaf- und Beruhigungsmittel. Allerdings war auch die Sucht nach ihnen weit verbreitet. Sogar Sherlock Holmes outete sich als morphinsüchtig.

Im Lauf des 19. Jahrhunderts entwickelten Wissenschaftler einige Medikamente, die als Schlafmittel und bei einer Angststörung eingesetzt werden konnten. Dazu zählten neben Brom Barbiturate und Sulfonal. Allerdings hatten diese Arzneimittel gravierende Nebenwirkungen.

Ein Wendepunkt in der Geschichte der Pharmakologie war die Sulfanilamid-Katastrophe von 1937 in den USA. Nachdem über 100 Menschen an dem Erkältungssaft gestorben waren, erließ die US-Regierung ein strenges Gesetz zur Regulierung von Medikamenten und Kosmetik. Dieses Gesetz hatte weltweit Vorbildfunktion.

Aufbruchsstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Durchbruch bei der schwierigen Herstellung von Penizillin, widmeten sich Pharmakonzerne in den 50er und 60er Jahren mit Hochdruck der Herstellung neuer Arzneien. Damals herrschte regelrechte Aufbruchsstimmung auf dem Pharmamarkt (3). Sie führte zu einer Revolution der Psychopharmaka, die mit den Benzodiazepinen begann (4).

Als Hoffmann LaRoche 1960 Librium auf den Markt brachte, wurde es mit offenen Armen begrüßt. Der begabte Pharmakologe Leo Sternbach hatte das erste Benzodiazepin entwickelt. Bereits drei Jahre später stellte das Unternehmen Valium mit dem Wirkstoff Diazepam vor, das Sternbach ebenfalls  auf den Weg brachte (5). Von 1968 bis 1982 war Valium das meist verkaufte Arzneimittel in den USA. Im Spitzenjahr 1978 wurden 2,3 Milliarden Valium-Tabletten verkauft.

Mittlerweile gibt es fast zwanzig verschiedene Benzodiazepine, die in unterschiedlichen Medikamenten verkauft werden. Zu den bekanntesten dürften neben Valium (Diazepam) und Xanax (Alprazolam) auch Tavor (Diazepam) und Rohypnol gehören.

Wirkung der Benzodiazepine

Diese Medikamente gehören nach wie vor zu den am meisten verschriebenen Arzneimitteln. Sie können eine Angststörung lindern und sind zuverlässige Schlaftabletten. Auch als Beruhigungstabletten werden sie häufig eingesetzt. Allerdings funktioniert die Wirkung jeweils nur für kurze Dauer. Gewöhnung tritt in der Regel sehr schnell ein, sodass die Wirkung abflacht. Außerdem ist das Suchtpotenzial aller Benzodiazepine enorm.

Benzodiazepine erzielen ihre Wirkung, indem sie GABA-Rezeptoren vom Typ A beeinflussen (6). Ihr Wirkmechanismus wird als allestorische Modulation bezeichnet. Wenn sich Benzodiazepine mit dem Rezeptor verbinden, verändert er seine Gestalt. Das führt dazu, dass Chlorid-Ionen verstärkt in die Nervenzelle einströmen können. Auf diese Weise lässt sie sich nicht mehr so schnell erregen.

GABA ist ein Botenstoff mit beruhigender Wirkung, die Benzodiazepine auf die beschriebene Weise verstärken. Die Rezeptoren dafür sind im gesamten Körper vertreten. Besonders viele befinden sich im Kleinhirn, im Thalamus und in der Großhirnrinde (7). Viele der Rezeptoren agieren in Bereichen, die mit Erinnerung zu tun haben. Das erklärt, warum Benzodiazepine das Erinnerungsvermögen empfindlich stören können (8).

Darüber hinaus greifen Benzodiazepine auch in die Funktion der Amygdala ein (9). Die Mandelkerne sind die Auslöser für den Kampf-oder-Flucht-Reflex, der Panikattacken auslösen kann.

Unterscheidung nach der Wirkdauer

Benzodiazepine werden gemäß ihrer Halbwertszeit (HWZ) eingeteilt. Die sogenannte Eliminationshalbwertszeit gibt die Zeitspanne an, die der Körper braucht, um die Hälfte des Wirkstoffs auszuscheiden. Die Konzentration einer Substanz wird dafür im Blutplasma gemessen. In der Regel beträgt die Zeit bis zur kompletten Elimination fünf Mal die Halbwertszeit.

Die vollständige Ausscheidung beendet jedoch nicht die Zeit der Nachweisbarkeit. Benzodiazepine lassen sich wie andere Drogen längere Zeit in Haaren nachweisen (10).

Kurzwirksame Benzodiazepine

Sie haben eine HWZ von 1 bis 12 Stunden. Beispiele sind Midazolam und Triazolam. Sie werden vor einer Narkose verabreicht oder um Einschlafstörungen zu lindern.

Mittelwirksame Benzodiazepine

Sie dienen zur Behandlung von Durchschlafstörungen und Angstzuständen. In diese Gruppe mit einer HWZ von 12 bis 40 Stunden fallen Alprazolam (Xanax), Oxazepam, Flunitrazepam, Temazepam und Lormetazepam.

Langwirksame Benzodiazepine

Am größten sind die Anwendungsgebiete von langwirksamen Benzodiazepinen, deren Halbwertszeit von 40 bis 250 Stunden betragen kann. Sie dienen als Beruhigungsmittel bei Angst- und Panikstörungen, zur Muskelentspannung bei Epilepsie und für die Behandlung von Spannungszuständen und akuten paranoiden Episoden. In diese Kategorie fallen Lorazepam (Tavor), Diazepam (Valium), Clonazepam, Bromazepam und Chlordiazepoxid.

Darüber hinaus unterscheidet man Benzodiazepine auch nach der Stärke ihrer Wirkung. Die ersten Benzodiazepine, beispielsweise Librium mit dem langwirksamen Chlordiazepoxid, wurden in erster Linie bei Schlaflosigkeit und Angstzuständen verschrieben. Stärkere ‚Benzos’ wie Xanax und Tavor bewährten sich bei der Behandlung von Panikstörungen und akuten psychotischen Zuständen wie Manie (11). Je stärker die Wirksamkeit, desto größer ist jedoch auch die Gefahr der Nebenwirkungen.

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Andreas

Die große Gefahr der ‚Benzos’: Nebenwirkungen

Bei der Verschreibungspraxis von Benzodiazepinen liegt weltweit vieles im Argen, auch in der Bundesrepublik Deutschland. Deutsche Wissenschaftler veröffentlichten 2015 eine Studie über die Probleme (12). Demnach verschreiben deutsche Ärzte im Jahr rund 230 Millionen Tagesdosen von Benzodiazepinen. Allerdings stellen sie jede zweite Verschreibung als Privatrezept aus. Deshalb lässt sich die Abhängigkeit von Benzodiazepinen nur schwer schätzen.

Die Autoren der Studie geben die Zahlen der Abhängigen in Deutschland mit 128.000 bis 1,6 Millionen an – obwohl der Missbrauch und das Suchtpotenzial seit 40 Jahren ein bekanntes Problem ist (13). Dieser Verschreibungspraxis stellen die Autoren ein geradezu vernichtendes Urteil aus. Bei über 20 Prozent, das ist ungefähr jeder fünfte Patient, sei die Verschreibung problematisch.

Ruhigstellen im Alter

Besonders groß sei die Zahl der fragwürdigen Rezepte bei der Einnahme im Alter (14). Viele Menschen im Alter von über 80 Jahren bekommen Benzodiazepine regelmäßig, unter anderem für die Diagnose von Demenz, Schlafstörungen oder Depressionen.

Häufig verschreiben Ärzte bei Angststörungen mit gleichzeitiger Depression auch Serotonin- oder Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer mit Benzodiazepinen – obwohl die Risiken dieser Kombination bisher nicht genügend erforscht sind (15). Die Idee dahinter ist gut nachvollziehbar. Die Wiederaufnahmehemmer brauchen einige Wochen, um ihre Wirkung zu entfalten. Benzodiazepine sollen helfen, diese Wartezeit zu überbrücken.

Generell empfehlen Psychiater heute Wiederaufnahmehemmer als Medikamente bei allen Arten von psychischen Störungen, zusätzlich zu einer geeigneten Psychotherapie (16). Benzodiazepine gelten heute als Arzneimittel, die Angststörungen kurzfristig gut behandeln können, weil sie so rasch wirken. Als bedenklich gilt jedoch das hohe Suchtpotenzial (17).

Wichtig: Bei bestimmten Phobien wie Flugangst und posttraumatischer Belastungsstörung ist wissenschaftlich belegt, dass Benzodiazepine die Probleme verstärken können (18) (19).

Die Bedeutung der Diagnose

Depressionen begleiten viele psychische Störungen, vor allem Angststörungen. Auch bei Schlafstörungen ist Depression eine häufige Begleiterscheinung. Benzodiazepine eignen sich jedoch nicht für die Behandlung einer Depression. Auch bei bipolarer Störung schaden sie mehr, als sie nutzen. Der Grund: Benzodiazepine können Selbstmordgedanken verstärken und erhöhen somit das Risiko für Selbstmord beträchtlich (20).

Unerwünschte Effekte unter der Lupe

Das Problem mit Benzodiazepinen ist ihr Wirkmechanismus. GABA ist einer der häufigsten Botenstoffe im menschlichen Körper. Deshalb dämpfen Benzodiazepine das gesamte zentrale Nervensystem mit weit reichenden Folgen. Besonders problematisch ist die Dauereinnahme bei älteren Menschen. Benzodiazepine brauchen Enzyme der Cytochrom-P450-Familie, damit die Leber sie verarbeiten kann (21). Bei Senioren sind die Leberfunktionen jedoch häufig geschwächt, sodass sich Benzodiazepine im Körper anreichern können.

Zu den häufigen Nebenwirkungen gehören Müdigkeit und Benommenheit sowie verminderte Konzentration- und Leistungsfähigkeit. Auch Schwindel ist nicht selten.

Die Langzeitfolgen von Benzodiazepinen für Dein Gehirn sind beträchtlich. Sie vermindern die visuelle Aufnahmefähigkeit und verlangsamen Deinen Gedankenfluss. Verbales Lernen beeinträchtigen diese Medikamente ebenso wie das Erinnerungsvermögen. Nach dem Absetzen von Benzodiazepinen kehren diese Fähigkeiten nur teilweise zurück (22).

Autofahren, Alkohol und Benzodiazepine? Nein!

Benzodiazepine dämpfen und setzen die Reaktionsfähigkeit stark herab. Deshalb gilt bei allen Benzodiazepinen: Setz Dich auf keinen Fall ans Steuer. Alkohol verstärkt die Wirkung dieser Medikamente. Deshalb verzichtest Du bei der Einnahme besser darauf.

Ein Hauptproblem bei Benzodiazepinen ist, dass sich Dein Körper sehr rasch an die Substanzen gewöhnt (23). Der Fachausdruck dafür heißt Toleranzentwicklung. Sie ist manchmal bereits nach wenigen Tagen zu spüren. Während die Benzodiazepine ihre beruhigende Wirkung verlieren und viele Patienten deshalb eigenmächtig die Dosierung erhöhen, wird die Gefahr der Nebenwirkungen durch Toleranzentwicklung leider nicht kleiner.

Besonders bedenklich ist, dass Benzodiazepine die Gehirnfunktionen beeinträchtigen, die bei psychisch Kranken ohnehin schon in Mitleidenschaft gezogen sind. Außerdem scheinen Benzodiazepine Angstzustände mit der Zeit sogar zu verstärken. Ein Grund dafür könnte die verminderte Lernfähigkeit des Gehirns sein. Darüber hinaus können Benzodiazepine aggressives Verhalten fördern (24).

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Der menschliche Stoffwechsel braucht Cytochrom-Enzyme für zahlreiche Medikamente. Deshalb kommt es bei der Einnahme von Benzodiazepinen mit vielen Arzneimitteln zu Wechselwirkungen. Sprich deshalb Deinen Arzt unbedingt auf dieses Thema an, wenn er Dir Benzodiazepine verschreibt.

Folgende Medikamente lösen Wechselwirkungen aus:

  • Antiepileptika
  • Antipsychotika
  • Neuroleptika
  • Schlafmittel aller Art, auch beruhigende Antihistaminika
  • Beruhigungsmittel

Tödliche Überdosis?

Viele Menschen versuchen, sich mit Benzodiazepinen umzubringen. Doch es ist nicht so ganz einfach, Mengen für eine tödliche Dosierung zu bestimmen. Bei Selbstmordversuchen wird häufig Alkohol mit Benzodiazepinen kombiniert. Allerdings ist ein fataler Ausgang dabei eher selten. Nur wenige Selbstmordkandidaten sterben, nachdem sie ins Krankenhaus eingeliefert wurden (25).

Bei vielen Prominenten wie Whitney Houston führt häufig eine Überdosierung von verschreibungspflichtigen Medikamenten zum Tod. Allerdings sind dabei meist mehrere Medikamente im Spiel sowie in der Regel andere Drogen wie Kokain oder Alkohol.

Welcher Arzt verschreibt Benzodiazepine?

Im Prinzip darf jeder niedergelassene Arzt Benzodiazepine wie Tavor, Valium, Xanax etc. verschreiben. In den meisten Fällen wird der Arzt ein Privatrezept ausstellen, so hatte das auch meine Hausärztin gemacht. So muss sie sich gegenüber der Krankenkasse nicht rechtfertigen.

In der Praxis wird meistens der Hausarzt oder der Psychiater ein Rezept für ein Benzodiazepin ausstellen. Doch nicht alle Ärzte verschreiben gerne Benzodiazepine, zu Recht. Denn sie haben ein enormes Abhängigkeitspotential. Daher wäre es meiner Meinung nach besser, wenn – falls überhaupt – nur der Psychiater Benzos verschreiben würden. Aber da die allermeisten Psychiater hoffnungslos ausgebucht sind, sehen sich wohl auch einige Hausärzte unter Zugzwang.

Benzodiazepine und Schwangerschaft

Schwangere Frauen sollten auf Benzodiazepine unbedingt verzichten. Diese Medikamente können zu Frühgeburten, niedrigem Geburtsgewicht und zahlreichen Fehlbildungen führen, inklusive Floppy-Baby-Syndrom (26).

Die Einnahme bei stillenden Müttern ist umstritten. Es gibt eine kanadische Studie, die keine nachteiligen Folgen feststellen konnte (27). Allerdings nahmen an dieser Studie nur 124 Frauen mit ihren Säuglingen teil.

Ich denke, Du solltest während der Schwangerschaft und beim Stillen kein Risiko eingehen. Benzodiazepine sind hoch potente Medikamente, die das gesamte zentrale Nervensystem beeinflussen. Das birgt meiner Ansicht nach Risiken für schwangere und stillende Mütter.

Entzug von Benzodiazepinen

Cold Turkey – kalter Truthahn: In diesem Lied aus dem Jahr 1969 beschreibt John Lennon den plötzlichen Entzug von Heroin. Gemeinsam mit Yoko Ono versuchte er, seine Sucht von einem Tag auf den anderen zu beenden.

Viele Menschen rutschen in die Abhängigkeit von Benzodiazepinen per Rezept hinein. Nach zwei bis vier Wochen täglicher Einnahme ist ein Patient normalerweise körperlich abhängig. In diesem Fall solltest Du die Medikamente auf jeden Fall ausschleichen, um Entzugserscheinungen zu vermeiden. Abruptes Absetzen kann zu schweren Entzugssymptomen führen.

Dazu gehören:

  • Angstzustände
  • Unruhe
  • Herzrasen
  • Schweißausbrüche
  • Unkontrolliertes Zittern

Du kannst im Internet zahlreiche Erfahrungsberichte finden, die Entzugserscheinungen beschreiben.

Ich empfehle Dir, beim Entzug von  Benzodiazepinen aller Art die Dosierung langsam zu verringern. Am besten wendest Du Dich dafür an einen Arzt, der damit Erfahrung hat. Es gibt auch zahlreiche Kliniken in Deutschland, die den Entzug von Benzodiazepinen anbieten.

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Alternative zu Benzodiazepinen

Du kannst Deinen Arzt beim Entzug von Benzodiazepinen auch nach Ersatz fragen. Promethazin, ein Antihistaminikum der ersten Generation, eignet sich beispielsweise dazu, Tavor zu ersetzen. In der Regel wird jedoch ein kurzwirksames mit einem langwirksamen Benzodiazepin ersetzt, dessen Dosierung dann im Verlauf vieler Wochen langsam reduziert wird (28). Hier findest du weitere wirksame Alternativen zu Benzodiazepinen (Benzos) und Alternativen zu Tavor.

Benzodiazepine: Liste nach Stärke mit Umrechnungstabelle

Um Benzodiazepine auszuschleichen, ist die sogenannte Äquivalenzdosis wichtig. In einer Umrechnungstabelle kannst Du sehen, wie Du verschiedene Medikamente gegeneinander austauschst. Am ausführlichsten beschreibt das die Website über Benzodiazepine, die das Institut für Neurowissenschaft der Universität Newcastle betreibt. Die Umrechnungstabellen für Benzodiazepine (link zu https://benzo.org.uk/german/bzsched.htm) sind auch in deutscher Sprache zu sehen.

Die folgende Tabelle gibt Dir eine Übersicht über die Umrechnung einzelner Wirkstoffe. 10 mg Diazepam sind dabei die Einheit für die Umrechnung:

Benzodiazepine: Paradebeispiel für zweischneidiges Schwert
WirkstoffHWZ in StundenMenge in mg für 10 mg Diazepam
Triazolam20,5
Ketazolam215 bis 30
Oxazepam4 bis 1520
Chlordiazepoxid5 bis 3025
Loprazolam6 bis 121 bis 2
Alprazolam6 bis 120,5
Temazepam8 bis 2220
Lormetazepam10 bis 121 bis 2
Bromazepam10 bis 205 bis 6
Lorazepam10 bis 201
Estazolam10 bis 241 bis 2
Clobazam12 bis 6020
Nitrazepam15 bis 3810
Clonazepam18 bis 500,5
Diazepam20 bis 10010
Quazepam25 bis 10020
Halazepam30 bis 10020
Medazepam36 bis 20010
Nordazepam36 bis 20010
Clorazepate36 bis 20015
Prazepam36 bis 20010 bis 20
Flurazepam40 bis 25015 bis 30

Hier findest du noch eine größere Liste der stärksten Benzodiazepine mit Umrechnungstabelle.

Übrigens: Es gibt keinen Spitzenreiter bei der Stärke der Benzodiazepine. Als stärkste Vertreter dieser Gruppe gelten Alprazolam (Xanax), Clonazepam (Rivotril) und Lorazepam (Tavor), die sich alle durch eine lange Halbwertszeit auszeichnen.

Benzodiazepine rezeptfrei bestellen?

Das Internet macht’s möglich: Du kannst heutzutage Benzodiazepine in etwas fragwürdigen Online-Apotheken ohne Rezept bestellen. Du spielst mit dem Gedanken, Benzodiazepine auf diese Weise zu kaufen? In diesem Fall solltest Du Dir über zwei Dinge im Klaren sein:

  1. Die Benzodiazepine werden Dich eine Stange Geld kosten.
  2. Du hast ein Problem mit Sucht.

Wenn Du an Angstzuständen oder anderen psychischen Störungen leidest, sind Benzodiazepine auf Dauer keine Lösung. Ebenso unbefriedigend sind sie als Droge bei ständiger Einnahme: Der Körper gewöhnt sich einfach zu schnell an sie, sodass der gewünschte Effekt nach wenigen Wochen bereits ausbleibt.

Fazit: Benzodiazepine – gelegentlich ja, immer nein!

Seit über 40 Jahren wissen Ärzte und Patienten, dass Benzodiazepine relativ schnell in die Sucht führen und dass sich der Körper rasch an sie gewöhnt. Dennoch verschreiben Ärzte diese Medikamente millionenfach. Sie haben sich als Schlaf- und Beruhigungsmittel bewährt und können Angstzustände ebenfalls bekämpfen.

Allerdings lässt der gewünschte Effekt meist nach kurzer Zeit nach. Regelrecht gefährlich sind Benzodiazepine, wenn psychische Störungen gemeinsam mit Depressionen auftreten. In diesem Fall können sie Selbstmordgedanken verstärken. Ich rate Dir deshalb bei allen Benzodiazepinen zur Vorsicht. Gelegentlich können sie helfen, aber die ständige Einnahme ist einfach zu risikoreich.

Quellen:

  1. Stevenson GW, Fox MA. The neuropharmacology of the age-old sedative/hypnotic, ethanol. Front Neurosci. 2013 Jul 15;7:122. doi: 10.3389/fnins.2013.00122. PubMed
  2. A History of the Pharmaceutical Industry
  3. Dollery CT. Clinical pharmacology – the first 75 years and a view of the future. Br J Clin Pharmacol. 2006 Jun;61(6):650–65. doi: 10.1111/j.1365-2125.2006.02672.x. PubMed
  4. Calcaterra NE, Barrow JC. Classics in chemical neuroscience: diazepam (valium). ACS Chem Neurosci. 2014 Apr 16;5(4):253-60. doi: 10.1021/cn5000056. PubMed
  5. Sternbach LH. The benzodiazepine story. J Med Chem. 1979 Jan;22(1):1-7. PubMed
  6. Campo-Soria C, Chang Y, Weiss DS. Mechanism of action of benzodiazepines on GABAA receptors. Br J Pharmacol. 2006 Aug;148(7):984-90. doi: 10.1038/sj.bjp.0706796. PubMed
  7. Rudolph U, Crestani F, Benke D, Brünig I, Benson JA, Fritschy JM, Martin JR, Bluethmann H, Möhler H. Benzodiazepine actions mediated by specific gamma-aminobutyric acid(A) receptor subtypes. Nature. 1999 Oct 21;401(6755):796-800. PubMed
  8. Crestani F, Löw K, Keist R, Mandelli M, Möhler H, Rudolph U. Molecular targets for the myorelaxant action of diazepam. Mol Pharmacol. 2001 Mar;59(3):442-5. PubMed
  9. Griessner J, Pasieka M, Böhm V, Groessl F, Kaczanowska J, Pliota P, Kargl D, Werner B, Kaouane N, Strobelt S, Kreitz S, Hess A, Haubensak W. Central amygdala circuit dynamics underlying the benzodiazepine anxiolytic effect. Mol Psychiatry. 2018 Nov;23(11):2246-2259. doi: 10.1038/s41380-018-0310-3. ResearchGate
  10. Miller E, Wylie F, Oliver J. Detection of benzodiazepines in hair using Elisa and Lc-Esi-Ms-Ms. J Anal Toxicol. 2006 Oct;30(7):441-8. doi: 10.1093/jat/30.7.441. ResearchGate
  11. Chouinard G, Annable L, Fontaine R, Solyom L. Alprazolam in the treatment of generalized anxiety and panic disorders: a double-blind placebo-controlled study. Psychopharmacology (Berl). 1982;77(3):229-33. PubMed
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  15. Guina J, Merrill B. Benzodiazepines I: Upping the Care on Downers: The Evidence of Risks, Benefits and Alternatives. J Clin Med. 2018 Jan 30;7(2):17. doi: 10.3390/jcm7020017. PubMed
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