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Juni 5, 2022

Was ist ein Alkoholproblem? Wie erkennt man, ob jemand unter Alkoholproblemen leidet? Und vor allem was kann man dagegen tun? Das erfährst du in diesem Artikel.

Es gibt viele Begriffe für das, was man umgangssprachlich als Alkoholproblem bezeichnet:

Zu jemandem, der offensichtlich Alkoholprobleme hat, sagt man auch

  • der leidet unter einer Abhängigkeit von Alkohol, also einer Alkoholsucht;
  • der ist ein Alkoholiker;

In der medizinischen Fachsprache hatte man einmal zwischen schädlichem Alkoholgebrauch (Alkoholmissbrauch) und einer echten Abhängigkeit mit Suchtverhalten, der Alkoholkrankheit, unterschieden. Mittlerweile hat man erkannt, dass die Grenzen so fließend sind, dass man heutzutage von einer Alkoholmissbrauchsstörung spricht.

Wie auch immer man die ganze Sache auch bezeichnet, sowohl die Betroffenen selbst, aber auch Angehörige leiden sehr stark unter dieser Erkrankung. Nicht zuletzt kann die Erkrankung auch tödlich enden: entweder durch eine Alkoholvergiftung oder durch die Langzeitschäden des Alkohols.

Deswegen ist es wichtig, dass sich Betroffene, die nicht damit aufhören kann, zu viel Alkohol zu trinken, Hilfe holen. Eine Beratungsstelle wäre hier der erste Schritt.

In diesem Artikel erfährst du,

  • wie man bei Betroffenen ein Alkoholproblem anhand der Symptome erkennen kann,
  • was die Ursachen und Risikofaktoren für Alkoholprobleme sind,
  • wie man Betroffenen, aber auch Angehörigen helfen kann,
  • wie die Aussichten sind, dass jemand sein Alkoholproblem in den Griff bekommt
  • und was man präventiv tun kann, um einem Entstehen eines Alkoholproblems vorzubeugen.

Was ist ein Alkoholproblem bzw. eine Alkoholmissbrauchsstörung?

Alkoholprobleme waren früher unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt, darunter Alkoholismus, Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit. Heute wird er als Alkoholmissbrauchsstörung bezeichnet.

Sie tritt auf, wenn du so viel trinkst, dass dein Körper irgendwann vom Alkohol abhängig oder süchtig danach wird. Wenn das passiert, wird der Alkohol zum wichtigsten Bestandteil deines Lebens - und alles dreht sich nur noch um die Suche, Nutzung bzw. den Konsum von Alkohol. Der Alkohol ist zur Droge geworden und der Suchtdruck hat die Oberhand über das Leben der Alkoholkranken übernommen.

Negative Auswirkungen

Menschen mit einer Alkoholmissbrauchsstörung trinken auch dann weiter, wenn der Alkoholkonsum negative Folgen hat,

  • z. B. den Verlust des Arbeitsplatzes
  • oder die Zerstörung von Beziehungen zu Freunden und anderen Menschen, die sie lieben.

Sie wissen zwar, dass sich ihr Alkoholkonsum negativ auf ihr Leben auswirkt, aber das reicht oft nicht aus, um sie zum Aufhören zu bewegen.

Manche Menschen trinken so viel Alkohol, dass es Probleme verursacht, aber sie sind nicht körperlich abhängig von Alkohol. Dies wurde früher als Alkoholmissbrauch bezeichnet.

Was ist die Ursache von Alkoholproblemen?

Eine genaue Ursache der Alkoholmissbrauchsstörung ist nicht unbekannt, und möglicherweise gibt es auch keine. Eine Alkoholmissbrauchsstörung entsteht, wenn du so viel trinkst, dass chemische Veränderungen im Gehirn auftreten. Diese Veränderungen verstärken die Glücksgefühle, die du beim Alkoholkonsum empfindest. Das führt dazu, dass du immer öfter trinken willst, auch wenn es dir und deiner Gesundheit schadet.

Irgendwann verschwinden die angenehmen Gefühle, die mit dem Alkoholkonsum verbunden sind, und die Person mit der Alkoholmissbrauchsstörung beginnt zu trinken, um Entzugserscheinungen zu vermeiden. Diese Entzugserscheinungen können sehr unangenehm und sogar gefährlich sein.

Eine Alkoholkrankheit entwickelt sich in der Regel allmählich im Laufe der Zeit. Es ist auch bekannt, dass sie in bestimmten Familien gehäuft vorkommt.

Was sind die Risikofaktoren?

Obwohl die genaue Ursache der Alkoholkrankheit nicht bekannt ist, gibt es bestimmte Faktoren, die dein Risiko für die Entwicklung dieser Krankheit erhöhen können.

Bekannte Risikofaktoren sind unter anderem das Trinkverhalten und das soziale Umfeld:

  • mehr als 15 Getränke (Standardgläser) pro Woche, wenn du männlich bist
  • mehr als 12 Drinks pro Woche, wenn du eine Frau bist
  • mindestens einmal pro Woche mehr als 5 Drinks pro Tag (Binge Drinking)
  • ein Elternteil mit Alkoholproblemen
  • ein psychisches Problem, wie Depression, Angstzustände oder Schizophrenie

Du könntest auch ein höheres Risiko für eine Alkoholabhängigkeit haben, wenn du:

  • ein junger Erwachsener (Jugendliche) bist, der unter Gruppenzwang (durch Freunde) steht
  • ein geringes Selbstwertgefühl hast
  • ein hohes Maß an Stress erlebst
  • in einer Familie oder Kultur lebst, in der Alkoholkonsum üblich und akzeptiert ist
  • einen nahen Verwandten hast, der an einer Alkoholkrankheit leidet.

Was sind die Symptome?

Die Symptome der Alkoholkrankheit basieren auf den Verhaltensweisen und körperlichen Auswirkungen, die als Folge der Alkoholabhängigkeit auftreten.

Verhaltensauffälligkeiten

Alkoholabhängige bzw. Menschen mit Alkoholmissbrauchsstörung können folgende Verhaltensweisen an den Tag legen:

  • alleine trinken
  • mehr trinken, um die Wirkung von Alkohol zu spüren (eine hohe Toleranz haben)
  • gewalttätig oder wütend werden, wenn sie auf ihre Trinkgewohnheiten angesprochen werden
  • nicht oder nur schlecht essen
  • Vernachlässigung der Körperpflege
  • Arbeit oder Schule wegen des Alkoholkonsums versäumen
  • den Alkoholkonsum nicht kontrollieren können (Kontrollverlust, Suchtdruck)
  • Ausreden erfinden, um Alkohol trinken zu können
  • weiter zu trinken, auch wenn rechtliche, soziale oder wirtschaftliche Probleme auftreten
  • Aufgeben wichtiger sozialer, beruflicher oder freizeitlicher Aktivitäten aufgrund des Alkoholkonsums

Körperliche Symptome

Menschen mit Alkoholmissbrauchsstörung können auch folgende körperliche Symptome aufweisen:

  • Heißhunger auf Alkohol
  • Entzugserscheinungen, wenn man nicht trinkt, wie Zittern, Übelkeit und Erbrechen
  • Zittern (unwillkürliches Schütteln) am Morgen nach dem Trinken
  • Gedächtnislücken (Blackout) nach einer durchzechten Nacht
  • Krankheiten, wie z. B. alkoholische Ketoazidose (mit dehydrierungsähnlichen Symptomen) oder Leberzirrhose

Selbsttest: Missbrauche ich Alkohol?

Manchmal kann es schwer sein, die Grenze zwischen sicherem Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch zu ziehen. Die Mayo Clinic vermutet, dass du Alkohol missbrauchst, wenn du einige der folgenden Fragen mit "ja" beantwortest:

  1. Musst du mehr trinken, um die Wirkung von Alkohol zu spüren?
  2. Fühlst du dich schuldig, wenn du trinkst?
  3. Wirst du reizbar oder gewalttätig, wenn du trinkst?
  4. Hast du wegen deines Alkoholkonsums Probleme in der Schule oder bei der Arbeit?
  5. Denkst du, dass es besser wäre, wenn du deinen Alkoholkonsum einschränken würdest?

Professionelle Diagnose

Dein Arzt oder deine Ärztin kann eine Alkoholmissbrauchsstörung diagnostizieren. Er wird dich körperlich untersuchen und dir Fragen zu deinen Trinkgewohnheiten stellen.

Dein Arzt kann dich fragen, ob du:

  • betrunken Auto fährst
  • wegen deines Alkoholkonsums nicht zur Arbeit erschienen bist oder deinen Job verloren hast
  • mehr Alkohol brauchst, um dich "betrunken" zu fühlen, wenn du trinkst
  • als Folge deines Alkoholkonsums einen Blackout hattest
  • versucht hast, deinen Alkoholkonsum einzuschränken, es aber nicht geschafft hast

Dein Arzt oder deine Ärztin kann auch einen Fragebogen zur Beurteilung der Alkoholabhängigkeit verwenden, um deine Krankheit zu diagnostizieren.

Test der Leberfunktion

Für die Diagnose einer Alkoholmissbrauchsstörung sind in der Regel keine weiteren diagnostischen Tests erforderlich. Es kann sein, dass dein Arzt eine Blutuntersuchung anordnet, um deine Leberfunktion zu überprüfen, wenn du Anzeichen oder Symptome einer Lebererkrankung zeigst.

Eine Alkoholkrankheit kann deine Leber ernsthaft und dauerhaft schädigen. Deine Leber ist dafür verantwortlich, Giftstoffe aus deinem Blut zu entfernen. Wenn du zu viel trinkst, fällt es deiner Leber schwerer, den Alkohol und andere Giftstoffe aus deinem Blutkreislauf zu filtern. Das kann zu einer Lebererkrankung und anderen Komplikationen führen.

Wie werden Alkoholprobleme behandelt?

Die Behandlung der Alkoholkrankheit in der Psychiatrie ist unterschiedlich, aber jede Methode soll dir helfen, mit dem Trinken ganz aufzuhören. Das nennt man Abstinenz.

Das A und O - die Abstinenz

Die Behandlung erfolgt in mehreren Schritten und kann Folgendes umfassen:

  1. Entgiftung oder Alkoholentzug, um deinen Körper vom Alkohol zu befreien
  2. Rehabilitation, um neue Bewältigungsstrategien und Verhaltensweisen zu erlernen
  3. Beratung durch Suchtberatungsstellen, um emotionale Probleme anzugehen, die dich zum Trinken verleiten können
  4. Selbsthilfegruppen, einschließlich 12-Schritte-Programmen wie den Anonymen Alkoholikern (AA)
  5. medizinische Behandlung bei gesundheitlichen Problemen, die mit dem Alkoholkonsum zusammenhängen
  6. Auch Medikamente können von Ärzten zur Kontrolle der Sucht verschrieben werden

Medikamente

Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die bei einer Alkoholabhängigkeit zur Unterstützung verschrieben werden und helfen können:

  • Naltrexon (ReVia) wird erst eingesetzt, nachdem jemand vom Alkohol entgiftet wurde. Diese Art von Medikament wirkt, indem es bestimmte Rezeptoren im Gehirn blockiert, die mit dem alkoholischen "High" in Verbindung gebracht werden. In Kombination mit einer Beratung kann diese Art von Medikament dazu beitragen, das Verlangen nach Alkohol zu verringern.
  • Acamprosat ist ein Medikament, das dazu beitragen kann, den ursprünglichen chemischen Zustand des Gehirns vor der Alkoholabhängigkeit wiederherzustellen. Auch dieses Medikament sollte mit einer Therapie kombiniert werden.
  • Disulfiram (Antabuse) ist ein Medikament, das bei jedem Alkoholkonsum körperliche Beschwerden (wie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen) verursacht.

Wenn du schwer alkoholabhängig bist, musst du dich vielleicht in einer stationären Einrichtung behandeln lassen. In diesen Einrichtungen wirst du rund um die Uhr betreut, während du dich vom Alkohol entwöhnst und dich von deiner Sucht erholst. Wenn du wieder gesund bist, musst du dich ambulant - z.B. im Rahmen einer Psychotherapie - weiterbehandeln lassen.

Wie sind die Aussichten für eine Person mit Alkoholproblemen?

Sich von einer Alkoholkrankheit zu erholen, ist schwierig. Deine Aussichten hängen von deiner Fähigkeit ab, mit dem Trinken aufzuhören. Viele Menschen, die sich in Behandlung begeben, schaffen es, die Sucht zu überwinden. Ein starkes Unterstützungssystem ist hilfreich, um eine vollständige Genesung zu erreichen.

Deine Aussichten hängen auch von den gesundheitlichen Komplikationen ab, die sich aufgrund deines Alkoholkonsums entwickelt haben.

Mögliche Komplikationen als Folge des langzeitigen Alkoholmissbrauchs

Eine Alkoholabhängigkeit kann deine Leber schwer schädigen. Sie kann auch zu anderen gesundheitlichen Komplikationen führen, z. B:

  • Blutungen im Magen-Darm-Trakt (GI)
  • Schädigung von Gehirnzellen
  • Krebs im Magen-Darm-Trakt
  • Demenz
  • Depression
  • Bluthochdruck
  • Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse)
  • Nervenschäden
  • Veränderungen des geistigen Zustands, einschließlich des Wernicke-Korsakoff-Syndroms (eine Hirnerkrankung, die Symptome wie Verwirrung, Sehstörungen oder Gedächtnisverlust verursacht)

Wie kannst du einer Alkoholkrankheit vorbeugen?

Du kannst einer Alkoholmissbrauchsstörung vorbeugen, indem du deinen Alkoholkonsum einschränkst. Laut einer Studie des National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism sollten Frauen nicht mehr als ein Getränk pro Tag und Männer nicht mehr als zwei Getränke pro Tag trinken.

Geh zu deinem Arzt oder deiner Ärztin, wenn du anfängst, Verhaltensweisen an den Tag zu legen, die auf eine Alkoholabhängigkeit hindeuten, oder wenn du glaubst, dass du ein Problem mit Alkohol hast, z.B. weil sich deine Gedanken nur noch um das nächste Glas Wein kreisen. Du solltest auch in Erwägung ziehen, ein örtliches Treffen bei den Anonymen Alkoholikern zu besuchen oder an einem anderen Selbsthilfeprogramm teilzunehmen.

Im Internet findest du weitere Gesundheitsinformationen und Beratungsstellen für Erwachsene und Jugendliche, die eigentlich meist von der Krankenkasse bezahlt werden.

Quellen


Würdest du gerne persönlich mit mir sprechen? Dann kannst du hier einen Termin mit mir ausmachen, in dem wir unsere Erfahrungen austauschen können.

Schnelle Hilfe?

Falls du Selbstmordgedanken hast und akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar. Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/



Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit meiner Frau, unserer Tochter und unserem Hund im Süden Deutschlands. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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