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Juni 3, 2022

Die Phobophobie, auch bekannt als die Angst vor der Angst selbst, kann für Betroffene eine große Belastung sein. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Spezifische Phobien sind schwere, intensive Panikreaktionen deines Körpers, die durch eine bestimmte Sache, ein Tier, eine Person oder eine Idee ausgelöst werden. Egal ob Mann oder Frau, jung oder alt, eine Phobie kann jeden betreffen.

Eine spezifische Phobie ist die Angst vor der Angst selbst, auch bekannt als Phobophobie. Eine Phobophobie kann dazu führen, dass du einige der Symptome erlebst, die auch andere Phobien auslösen. Einem Arzt oder einer Ärztin zu erklären, dass du Angst vor der Angst hast, kann sich einschüchternd anfühlen. Aber Phobophobie kann genau wie andere Phobien diagnostiziert und erfolgreich behandelt werden.

Wir werfen in diesem Artikel einen Blick darauf, was wir über Phobophobie wissen und was du tun solltest, wenn du glaubst, dass du betroffen sein könntest.

Die Angst vor der Angst vs. Generalisierte Angststörung

Franklin D. Roosevelt sagte in seiner ersten Antrittsrede, dass "das Einzige, was wir zu fürchten haben, die Angst selbst ist", als er die drohende Wirtschaftskrise in den 1930er-Jahren ansprach.

Aber die klinische Angst vor der Angst ist eine sehr reale Phobie, die sich auf die alltäglichen Entscheidungen der Menschen auswirken kann. Angststörungen versetzen den Betroffenen in starke Angstzustände, wenn er sich in Situationen befindet oder mit Dingen konfrontiert wird, die die Angst auslösen. Diese Art von Störung hat dabei immer einen bestimmten Auslöser, bei dessen Sehen, Erleben, Hören oder ähnlichem der Betroffene in Panik gerät oder auch Ekel empfindet, je nach Phobie.

Die Phobophobie dagegen ist nicht so einfach einzuordnen wie andere Phobien, denn du hast Angst vor der Angst selbst. Das Problem ist hier, dass Angst etwas nicht Greifbares ist, da sie ein Gefühl und somit nicht sichtbar ist. Das macht alles, wovor du ohnehin schon Angst hast, noch komplizierter, denn du hast Angst vor der Angst, die du dabei empfindest.

Wenn du schon einmal eine heftige, angstbasierte Reaktion hattest, bei der du dich übergeben oder nach Luft ringen musstest, hattest du anschließend vielleicht die Angst, diese Reaktion erneut auszulösen. Ein typisches Beispiel für phobophobisches Verhalten ist daher das Vermeiden aller möglichen Auslöser, weil du Angst vor der Panikreaktion deines Körpers hast.

Panikattacken und andere Symptome der Phobophobie

Die Symptome der Phobophobie ähneln meist den Symptomen anderer spezifischer Phobien, darunter:

  • Schmerzen oder Engegefühl in der Brust
  • Atembeschwerden
  • Herzrasen
  • Zittern
  • Schwächegefühl oder Schwindelgefühl
  • Übelkeit
  • Aufdringliche Gedanken

Unterschiede zu Panikstörungen und generalisierten Angststörungen

Phobophobie ist nicht dasselbe wie Panikstörungen oder eine Generalisierte Angststörung. Sie gehört zwar ebenfalls zu den Angsterkrankungen, äußert sich aber auf eine andere Art und Weise. Gemeinsam ist jedoch allen diesen Erkrankungen, dass sie die Lebensqualität durch die auftretenden Symptome stark einschränken können.

Menschen mit generalisierter Angst neigen dazu, zu spüren, wie sich ihre ängstlichen Gedanken und körperlichen Symptome langsam aufbauen, was manchmal (aber nicht immer) in einer Panikattacke endet.

Menschen mit einer Panikstörung haben heftige Panikattacken, die ausgelöst werden, weil dein Körper glaubt, dass eine körperliche Gefahr unmittelbar bevorsteht, auch wenn das nicht der Fall ist.

Die Symptome der Phobophobie sind anders. Du weißt vielleicht bewusst, dass es unvernünftig ist, sich extrem vor deiner eigenen Angst zu fürchten, aber du kannst deinen Körper nicht davon abhalten, die entsprechende Angstreaktion zu zeigen. Oft geht das mit einer regelrechten Erwartungsangst einher - du erwartest bereits, dass du in bestimmten Situationen Ängste hast und hast dann wiederum davor Angst und dass du keine Kontrolle über dich und die Situation hast.

Phobophobie kann für sich allein oder auch zusätzlich zu Panikattacken und generalisierten Ängsten auftreten.

Was sind die Ursachen für Phobophobie?

Jeder einzelne Fall von Phobophobie ist einzigartig, da jeder Mensch anders tickt und unterschiedliche Erlebnisse und Prägungen hat.

Natürlich hat jeder ab und an mit Ängsten zu kämpfen und die wenigsten von uns sind völlig frei von Sorgen. Aber Menschen mit einer Angsterkrankung wie der Phobophobie leiden an akuten Ängsten und empfinden Furcht in solchen Momenten in einem extremen Maß. Daher ist es wichtig, hier Ursachenforschung zu betreiben, um dir selbst helfen zu können.

Erfahrungen in der Kindheit und Jugend

Eine Ursache für Phobophobie kann zum Beispiel sein, dass du in einem Haushalt aufgewachsen bist, in dem eine Bezugsperson eine starke Phobie hatte, und dass diese Erfahrung dich so geprägt hat, dass du Angst hast, diese Angst selbst zu erleben.

Genetik und Vererbung

Vielleicht hast du deine Phobophobie auch von deinen Eltern geerbt. Es gibt Forschungsergebnisse aus einer Studie aus dem Jahr 2001, die darauf hindeuten, dass spezifische Phobien eine genetische Komponente haben und innerhalb von Familien weitergegeben werden können, wenn bestimmte Faktoren erfüllt sind.

Andere Angststörungen als Auslöser

Wenn du bereits eine allgemeine oder spezifische Phobie hast oder unter generalisierten Ängsten leidest, kannst du auch zusätzlich eine Phobophobie entwickeln. Du kannst also an mehreren Formen von Ängsten gleichzeitig leiden und den Symptomen, die diese mit sich bringen.

Wenn du einmal eine starke Panikreaktion erlebt hast, kann es auch sein, dass dein Gehirn eine negative Konnotation entwickelt hat, die mit der Erfahrung dieser Gefühle verbunden ist. Dein Körper und dein Gehirn arbeiten dann zusammen, um diese panische Kampf-oder-Flucht-Reaktion zu vermeiden.

Konzentrierst du dich dann darauf, diese Symptome einer Angst oder Phobie zu vermeiden, kann sich daraus dann auch eine Phobophobie entwickeln, bei der du dich so sehr vor der Phobie fürchtest, dass die Angst die Reaktion auslöst, die du eigentlich ja zu vermeiden versuchst.

Wie wird Phobophobie diagnostiziert?

Wenn deine Symptome nicht so schwerwiegend sind, dass sie dein tägliches Leben beeinträchtigen, kannst du auch ohne eine offizielle Diagnose mit deiner Phobophobie leben. Eine Diagnose kann aber sehr hilfreich sein, um einen passenden Behandlungsplan zu erstellen.

Es gibt keinen "offiziellen" Test, mit dem du feststellen kannst, ob du für eine bestimmte Phobie-Diagnose in Frage kommst. Aber die Anxiety and Depression Association of America bietet ein Selbsttest-Tool an, mit dem du eine spezifische Phobiediagnose stellen kannst.

Erstdiagnose durch den Arzt

Wenn du daran interessiert bist, deine Phobophobie zu behandeln, kannst du mit einem Arzt über deine Auslöser und deine Symptome sprechen und ihm deine bisherigen Erfahrungen mit der Phobie schildern.

Dein Arzt wird dir dann wahrscheinlich entsprechende Formen von Therapien empfehlen und dich an einen Spezialisten für psychische Gesundheit, zum Beispiel einen Psychologen, überweisen.

Dieser Spezialist wird dir dann unter anderem Fragen stellen zu:

  • Wie lange du schon unter den Symptomen leidest
  • Deine familiäre Vorgeschichte mit Ängsten und Phobien
  • Andere Fragen zu deiner psychischen Gesundheit

Die Antworten auf diese Fragen bilden die Grundlage für deine Diagnose und für die Behandlung deiner Phobophobie.

Wie wird Phobophobie behandelt?

Ziel der Behandlung einer Phobophobie ist es, deine Beschwerden zu lindern oder sogar beschwerdefrei mit der Phobie zu leben.

Hier sind einige der Behandlungsmöglichkeiten für Phobophobie:

Psychotherapie

Die erste Behandlungsmöglichkeit bei Phobophobie (und allen anderen spezifischen Phobien) ist in der Regel eine Verhaltenstherapie. Vielen Patienten ist diese eine große Hilfe bei der Bewältigung ihrer Phobie.

Die Expositionstherapie konzentriert sich darauf, dass du dich schrittweise der Sache aussetzt, vor der du dich fürchtest. Das kann schwierig sein, wenn das, wovor du dich fürchtest, die Angst selbst ist, aber es ist laut Medizin und Forschung möglich, Strategien für die Expositionstherapie gegen die Angst vor der Angst zu entwickeln.

Eine Fallstudie aus dem Jahr 1983 verwendete außerdem Kohlendioxid-Exposition als Möglichkeit, eine expositionstherapeutische Umgebung zur Behandlung von Phobophobie zu schaffen, weil Kohlendioxid-Exposition dazu beitragen kann, Symptome hervorzurufen und dir in diesem Rahmen zu helfen, sie zu erkennen und konstruktiv darauf zu reagieren.

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) setzt Techniken ein, die kognitive Verzerrungen aufdecken und dir helfen, deine Denkmuster zu ändern, um die Paniksymptome zu bewältigen.

Medikamente

Medikamente werden in der Regel nicht zur langfristigen Behandlung von Phobophobie oder anderen Phobien eingesetzt.

Wenn deine Symptome dein Leben beeinträchtigen, kann es allerdings sein, dass dir ein Betablocker oder ein Beruhigungsmittel verschrieben wird, das du zu Beginn deiner Behandlung einnehmen musst, um akute Symptome zu lindern.

Änderungen des Lebensstils

Veränderungen im Lebensstil können eine Möglichkeit sein, die professionelle Behandlung deiner Phobie zu ergänzen. Probiere eine oder mehrere der folgenden Maßnahmen aus:

  • Aktiv werden
  • Zeit im Freien verbringen
  • Meditation
  • Yoga praktizieren

Mein Fazit

Angst vor der Angst ist eine reale Erkrankung, die dein Leben genauso beeinträchtigen kann wie jede andere Art von Phobie oder Angst. Ängste sind grundsätzlich erstmal kein Grund zur Besorgnis und nichts Ungewöhnliches. Wenn sie dich jedoch einschränken und dir Probleme bereiten, solltest du auf jeden Fall handeln.

Symptome, Diagnose und Behandlung der Phobophobie sind ähnlich wie bei anderen spezifischen Phobien. In diesem Artikel hast du bereits einige Tipps an die Hand bekommen, wie du mit einer Phobophobie umgehen kannst und welche erprobten Maßnahmen es gibt. Natürlich gibt es hier kein allgemeingültiges Rezept für jeden, doch wenn du dir bei deiner Phobie gezielt Hilfe holst, kannst du die Qualität deines Lebens in der Regel spürbar verbessern.

Die Behandlung der Phobophobie kann dabei beispielsweise in Form einer Expositionstherapie oder eine kognitive Verhaltenstherapie erfolgen. In vielen Fällen ist es so möglich, deine Symptome so zu kontrollieren, dass sie dich nicht in deinem Leben behindern.

Quellen


Würdest du gerne persönlich mit mir sprechen? Dann kannst du hier einen Termin mit mir ausmachen, in dem wir unsere Erfahrungen austauschen können.

Schnelle Hilfe?

Falls du Selbstmordgedanken hast und akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar. Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/



Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit meiner Frau, unserer Tochter und unserem Hund im Süden Deutschlands. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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