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September 12, 2021

Beruhigungsmittel sind wirksame Medikamente gegen Spannungszustände, Angstzustände und Schlafstörungen - doch sind es die Risiken für eine Abhängigkeit wert?

Beruhigungsmittel (Sedativa) sind eine Art von verschreibungspflichtigen Medikamenten, welche beim Menschen die Gehirnaktivität reduzieren. Diese Medikamente, welche zur Klasse der Psychopharmaka zählen, werden in der Regel eingesetzt, damit sich die Patienten entspannter fühlen.

Ärzte verschreiben Beruhigungsmittel in der Regel zur Behandlung von Angstzuständen und Schlafstörungen, aber auch bei massivem Stress und starker innerer Unruhe. Sie werden außerdem als Anästhetika eingesetzt.

Beruhigungsmittel gehören zu den kontrollierten Substanzen. Das bedeutet, ihre Herstellung und ihr Verkauf sind geregelt und ein Verstoß gegen diese Vorschriften ist eine Straftat.

Beruhigungsmittel sind unter anderem deshalb so streng reguliert, weil sie stark und schnell süchtig machen können. Sie können dazu führen, dass Menschen bei unkontrollierter Einnahme von ihnen abhängig werden.

Es ist deswegen wichtig, bei der Einnahme dieser Medikamente vorsichtig zu sein, um Abhängigkeit und Sucht zu vermeiden. Nimm diese Medikamente daher nur dann ein, wenn sie dir ein Arzt verschrieben hat und halte dich genau an die Dosierungen.

Im Folgenden erfährst du mehr darüber,

  • wie Beruhigungsmittel wirken,
  • welche Vorsichtsmaßnahmen du bei der Einnahme treffen solltest
  • und welche weniger schädlichen Alternativen du stattdessen ausprobieren könntest.

Einnahme bei Unruhe, Angstzuständen, Schlafstörungen

Beruhigungsmittel wirken, indem sie bestimmte Nervenkommunikationen in deinem zentralen Nervensystem (ZNS), deinem Gehirn, verändern. In diesem Fall führen sie in deinem Körper zu Entspannung, indem sie die Gehirnaktivität herabsetzen.

Im Konkreten bewirken Beruhigungsmittel, dass der Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure (GABA) Überstunden macht. GABA ist für die Beruhigung des Gehirns verantwortlich. Indem sie die Aktivität von GABA im ZNS erhöhen, ermöglichen Beruhigungsmittel eine viel stärkere Wirkung auf die Gehirnaktivität.

Benzodiazepine und weitere Arten von Beruhigungsmitteln mit Beispielen

Hier eine kurze Übersicht über die gängigen Arten von Beruhigungsmitteln. Sie zählen alle zu den bereits erläuterten kontrollierten Substanzen.

Benzodiazepine (Tranquilizer)

Beispiele für Benzodiazepine:

Indikationen von Benzodiazepinen:

  • Angstzustände
  • Panikstörungen
  • Schlafstörungen

Barbiturate

Beispiele für Barbiturate:

  • Pentobarbital-Natrium (Nembutal)
  • Phenobarbital (Luminal)

Einsatz von Barbituraten:

  • Einsatz in der Anästhesie

Hypnotika (Nicht-Benzodiazepine, Z-Substanzen)

Beispiele für Hypnotika:

  • Zolpidem (Ambien)

Einsatz von Hypnotika:

  • Schlafstörungen

Opioide (Narkotika)

Beispiele für Opioide:

  • Hydrocodon/Acetaminophen (Vicodin)
  • Oxycodon (OxyContin)
  • Oxycodon/Acetaminophen (Percocet)

Einsatz von Opioiden:

  • Schmerzen

Nebenwirkungen beim Menschen: Müdigkeit, Schwindel und Co

Beruhigungsmittel können sowohl kurz- als auch langfristige Nebenwirkungen aufweisen.

Einige der unmittelbaren Nebenwirkungen, die du möglicherweise bemerkst, sind:

  • Schläfrigkeit
  • Schwindelgefühl
  • verschwommenes Sehen
  • Beeinträchtigung der Tiefen- und Entfernungswahrnehmung (Wahrnehmungsstörung)
  • verlangsamte Reaktionszeit auf Dinge um dich herum (beeinträchtigte Reflexe)
  • verlangsamte Atmung
  • weniger Schmerzempfinden als sonst (manchmal nicht einmal scharfe oder intensive Schmerzen)
  • Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren oder zu denken (Beeinträchtigung der Kognition)
  • langsameres Sprechen oder undeutliches Sprechen

Langfristige Einnahme von Beruhigungsmitteln kann zu folgenden Nebenwirkungen führen:

  • häufiges Vergessen oder Verlust des Gedächtnisses (Amnesie)
  • Symptome einer Depression, wie Müdigkeit, Gefühle der Hoffnungslosigkeit oder Selbstmordgedanken
  • Psychische Erkrankungen, wie z. B. Angstzustände
  • Leberfunktionsstörungen oder Leberversagen aufgrund von Gewebeschäden oder Überdosierung
  • Entwicklung einer Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln, die zu irreversiblen Wirkungen oder Entzugserscheinungen führen kann, insbesondere wenn du die Einnahme abrupt beendest

Abhängigkeit und Sucht

Eine Abhängigkeit entsteht, wenn du körperlich von dem Beruhigungs- oder Schlafmittel abhängig wirst und ohne dieses nicht mehr normal funktionieren kannst.

Anzeichen einer Abhängigkeit

Eine Abhängigkeit kann entstehen, wenn du die Medikamente regelmäßig einnimmst und das Gefühl hast, dass du nicht mehr aufhören kannst, sie einzunehmen. Dies kann sich darin äußern, dass du die verschriebene Dosis oder eine sichere Menge überschreitest.

Eine Abhängigkeit zeigt sich auch, wenn du eine höhere Dosis benötigst, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Das bedeutet, dass sich dein Körper an das Medikament gewöhnt hat und du nun mehr davon brauchst, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Entzugssymptome beim Absetzen: Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Co

Die Abhängigkeit wird in der Regel am deutlichsten, wenn Entzugserscheinungen auftreten. Dies ist der Fall, wenn dein Körper auf das Fehlen der Beruhigungsmittel mit unangenehmen oder schmerzhaften körperlichen und psychischen Symptomen reagiert.

Zu den häufigen Entzugserscheinungen gehören:

  • verstärktes Auftreten von Angst- und Spannungszuständen
  • (starke) Reizbarkeit
  • Schlaflosigkeit

In einigen Fällen kann es auch zu psychischen Erkrankungen oder Krampfanfällen kommen, wenn dein Körper an hohe Mengen des Beruhigungsmittels gewöhnt ist und du einen kalten Entzug machst, ohne das Medikament langsam auszuschleichen.

Die Entwicklung einer Abhängigkeit hängt von der Toleranz deines Körpers gegenüber dem Medikament ab. Sie kann sich über mehrere Monate oder innerhalb weniger Wochen oder noch weniger entwickeln.

Ältere Erwachsene können anfälliger für bestimmte Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine sein als jüngere Menschen.

Erkennen von Abhängigkeit und Entzugssymptomen

Eine Abhängigkeit kann schwer zu erkennen sein. Das deutlichste Symptom ist, dass du nicht aufhören kannst, an die Einnahme der Droge zu denken.

Einige dieser Symptome, insbesondere Stimmungsschwankungen, können sehr schnell auftreten.

Andere Symptome deuten auf einen Entzug hin. Diese Symptome können mehrere Tage oder Wochen nach Beendigung des Konsums auftreten. Zu den Entzugssymptomen können gehören:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Bewusstseinsverlust

Vorsicht bei Opioiden

Neben den Benzodiazepinen sind Opioide besonders anfällig dafür, süchtig zu machen und schädliche Symptome hervorzurufen, die zu einer Überdosierung führen können. Zu diesen Symptomen gehören:

  • verlangsamte oder ausbleibende Atmung
  • verlangsamte Herzfrequenz
  • extreme Müdigkeit
  • kleine Pupillen

Rufe den Notdienst an, wenn du oder ein dir nahestehender Mensch bei der Einnahme von Opioiden eines dieser Symptome aufweist. Eine Überdosierung von Opioiden birgt ein hohes Sterberisiko.

Spreche immer mit deinem Arzt, bevor du ein Opioid einnimmst, um mögliche schädliche oder tödliche Symptome von Opioid-Abhängigkeit und Überdosierung zu vermeiden.

Weitere Vorsichtsmaßnahmen

Auch wenn du Beruhigungsmittel in geringen Dosen einnimmst, wie es dir dein Arzt verschrieben hat, so kannst du doch noch weitere Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um deine Sicherheit zu gewährleisten:

  1. Vermeide Alkohol. Alkohol wirkt ebenfalls wie ein Beruhigungsmittel. Wenn du also gleichzeitig trinkst und ein Beruhigungsmittel einnimmst, kann dies die Wirkung verstärken und zu gefährlichen, lebensbedrohlichen Symptomen führen, wie z. B. Bewusstlosigkeit oder Atemstillstand.
  2. Mische Beruhigungsmittel nicht miteinander oder mit anderen Medikamenten, die ähnliche Wirkungen haben. Die gleichzeitige Einnahme von Beruhigungsmitteln oder anderen Medikamenten, die Schläfrigkeit verursachen, wie z. B. Antihistaminika, kann zu schädlichen Nebenwirkungen bis hin zur Überdosierung führen.
  3. Nimm während der Schwangerschaft nie Beruhigungsmittel ein, ohne einen Arzt zu konsultieren. Beruhigungsmittel in hohen Dosen können dem Fötus schaden, es sei denn, sie werden in einer kontrollierten medizinischen Umgebung eingenommen.
  4. Rauche kein Marihuana. Der Konsum von Marihuana kann die Wirkung von Beruhigungsmitteln, insbesondere von solchen, die für die Anästhesie verwendet werden, tatsächlich verringern. Eine Studie aus dem Jahr 2019 ergab, dass Marihuana-Konsumenten eine höhere Dosis an Beruhigungsmitteln benötigten, um die gleiche Wirkung zu erzielen wie eine normale Dosis für jemanden, der kein Marihuana konsumiert.

Alternativen zu Beruhigungsmitteln

Wenn du befürchtest, eine Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln zu entwickeln, dann solltest du unbedingt mit deinem Arzt über mögliche Alternativen sprechen.

Rezeptfreie Beruhigungsmittel

Antidepressiva wie SSRIs können bei der Behandlung von Angst- oder Panikstörungen auch helfen, oftmals reichen auch schon pflanzliche Beruhigungsmittel aus, z.B. eines der 5 besten Beruhigungsmittel. Für Anhänger der Homöopathie gibt es auch homöopathische Beruhigungsmittel in Form von Globuli. 

Hier noch ein paar Beispiele für pflanzliche und homöopathische Arzneimittel zur Beruhigung:

  1. Lasea
  2. Neurexan
  3. Kytta Sedativum
  4. Neurodoron von Weleda

Techniken zur Stressreduktion

Auch Techniken zur Stressreduzierung sind sehr effizient, wie z. B:

  • Bewegung
  • Meditation
  • Aromatherapie mit ätherischen Ölen (insbesondere Lavendel)

Alternativ zur Einnahme von Schlafmitteln ist auch eine gute Schlafhygiene eine gute Maßnahme, um Schlafprobleme in den Griff zu bekommen. Gehe zur gleichen Zeit schlafen und wachen Sie zur gleichen Zeit auf (auch an Ihren freien Tagen), und verzichten auf elektronische Geräte kurz vor dem Schlafengehen.

Wenn die Änderungen in deinem Lebensstil nicht zu besserem Schlaf führen, spreche mit deinem Arzt über die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, wie z. B. Melatonin oder Baldrianwurzel, bevor du zu Schlaf- und Beruhigungsmittel greifst.

Wann du einen Arzt aufsuchen solltest

Spreche mit deinem Arzt, wenn du das Gefühl hast, dass du nicht aufhören kannst, Beruhigungsmittel einzunehmen.

Eine Sucht ist eine ernstzunehmende Störung des Gehirns, eine Suchterkrankung. Habe nicht das Gefühl, dass mit dir oder einem Angehörigen, der an einer Sucht leidet, etwas nicht stimmt.

Dein Arzt kann dir vielleicht auch einen Suchtberater, einen Therapeuten oder ein Behandlungszentrum empfehlen, das sowohl die medizinischen als auch die psychiatrischen Auswirkungen der Sucht behandeln kann.

Wenn du Bedenken bezüglich eines von Ihrem Arzt verschriebenen Beruhigungsmittels hast, dann stelle deinem Arzt oder Apotheker folgende Fragen:

  • Macht es süchtig?
  • Wie viel ist eine zu hohe Dosis bzw. Dosierung?
  • Gibt es schädliche Nebenwirkungen?

Ein offenes, ehrliches Gespräch mit einem Experten kann dazu beitragen, dass du dich bei der Einnahme von Beruhigungsmitteln wohler fühlst.

Fazit

Beruhigungsmittel sind sehr wirksam. Sie senken die Gehirnaktivität und entspannen den Geist.

Sie können eine wirksame Behandlung für Zustände darstellen, bei denen du dich übermäßig aufgeregt, ängstlich, unruhig oder müde fühlst, wie z. B. bei Angstzuständen oder Schlafstörungen - oder auch Beruhigungsmittel in Prüfungssituationen. Aber sie können auch süchtig machen, besonders wenn sie missbraucht werden.

Sprechen daher mit deinem Arzt, bevor du mit der Einnahme von Beruhigungsmitteln beginnst, und halte dich unbedingt an seine Anweisungen.

Wenn du dir Sorgen über eine Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln machst, gibt es viele Hilfsangebote. Zögere nicht, diese Hilfe anzunehmen.

Selbstmordgedanken?

Falls du akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar.

Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/

Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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