Tavor, Escitalopram und Promethazin: meine Erfahrungen
Mein Weg aus der Angst
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Meine Erfahrung mit Tavor, Escitalopram und Promethazin

In diesem Artikel möchte ich meine persönlichen Erfahrungen mit Tavor, Escitalopram und Promethazin schildern. Du wirst die zwei Seiten des Angstlösers Tavor kennenlernen, aber auch inwiefern und in welchen Situationen mir das Antidepressivum Es(-citalopram) und das schwache Neuroleptikum Promethazin geholfen hatten. Außerdem erfährst Du, wie es mir heute geht und ob ich diese Medikamente noch benötige.

Ich hoffe, mein Bericht ist gleichermaßen persönlich und informativ ...

Medikamente sind in vielen Fällen keine Dauerlösung, aber in schwerwiegenden Fällen manchmal alternativlos. Besondere Vorsicht ist bei Tavor angesagt, das schnell abhängig machen kann.

Über mich

Hallo, leidest Du auch unter Angstzuständen, innerer Unruhe oder sogar Panikattacken?

Ich kann das sehr gut nachvollziehen, denn ich litt selbst jahrelang unter einer Generalisierten Angststörung (meine Ärzte kürzen das mit ICD F41.1 ab), Panikattacken, Depressionen und Zwangsverhalten.

Auf meinem Blog berichte ich über meine persönlichen Erfahrungen meiner (mittlerweile überwundenen) Erkrankungen. Du findest hier aber auch gut recherchierte objektive Artikel zu den Themen Angst und Unruhe, Panik und Depression

Meine erste Begegnung mit Tavor

Das erste Mal, das ich Bekanntschaft mit Tavor machte, war im Sommer 2011. Mir ging es zu diesem Zeitpunkt schon seit Anfang des Jahres, also ungefähr ein halbes Jahr lang, psychisch sehr schlecht.

Nach einer „Herzattacke“, die sich später als Panikattacke herausgestellt hatte, und anschließendem Verdacht auf Herzmuskelentzündung, war es, als hätte ich den Boden unter den Füßen verloren. Ich hatte immer für mein Leben gerne Sport gemacht und gleichzeitig war der Sport auch mein Ventil, jeglichen Stress abzubauen. Aufgrund des Verdachtes auf eine Herzmuskelentzündung bekam ich jedoch von meinem Kardiologen ein mehrmonatiges Sportverbot.

Was gesundheitliche Dinge bzw. Krankheiten anbelangt, war ich schon immer sehr sensibel gewesen  - schon von Kindheit an. Jetzt hatte ich also diese Diagnose „Herzmuskelentzündung“ und mein offensichtlich einzig wirkungsvolles Mittel zur Stressbewältigung, mein Sport, war nicht mehr verfügbar. Dadurch fiel ich buchstäblich in ein tiefes Loch.

Das Antidepressivum Venlafaxin war ein Fehlschlag

Ich hatte etwa im März einen Versuch mit Antidepressiva (Venlafaxin), den ich aber nach zwei Tagen abbrechen musste. Durch das Medikament waren meine Augen geschwollen und es hatte mich so geschwächt, dass ich mich kräftemäßig kaum aufrecht halten konnte. Deswegen habe ich den Versuch, das Antidepressivum einzuschleichen, abgebrochen und wollte es nochmals ohne versuchen.

Ich ging zu einem Heilpraktiker in Behandlung und wollte es auf die alternative Art versuchen. Anfänglich ging mir es dadurch ein bisschen besser. Ich fühlte mich gut aufgehoben und hatte wieder Zuversicht. Diese Hoffnung auf Besserung schwand aber wieder, als ich nach etwa zwei Monaten immer noch keine Besserung eingestellt hatte. Ich litt nach wie vor unter starken Unruhe- und Angstzuständen, Heulkrämpfen, Panikattacken und Schlafproblemen. Das Leben kam mir sinnlos vor.

Tavor half mir, Citalopram einzuschleichen

An einem Wochenende war es so schlimm gewesen, dass mich meine Frau mit dem Auto in die Notfallambulanz gefahren hatte. Dort konnte mich ein Arzt davon überzeugen, es nochmals mit einen Antidepressivum zu versuchen. Denn längst nicht alle Antidepressiva haben auf den Einzelnen die gleichen Nebenwirkungen. Der Arzt aus der Notfallambulanz empfahl mir Citalopram (das war der Vorgänger des heutigen Escitalopram), was im Allgemeinen sehr gut verträglich sei. Er informierte mich aber auch darüber, dass es gerade am Anfang, wenn man mit der Einnahme des Medikaments beginnt, zu verstärkter Symptomatik inklusive erhöhter Suizidalität, also Selbstmordneigung) kommen könnte. Deswegen verschrieb er mir zusätzlich noch Tavor-Plättchen. Das ist Tavor in Form von Plättchen, die sich direkt im Mund auflösen, so dass sie direkt von der Mundschleimhaut aufgenommen werden können. Diese Tavor-Form ist besonders schnell wirksam.

Ich muss sagen, dass ich im Nachhinein die Entscheidung, das Citalopram einzunehmen, nicht bereut hatte. Im Gegenteil, vielleicht wäre es geschickter gewesen, ich hätte die Citalopram schon früher genommen. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Bis ich die ersten Besserungen durch die Einnahme von Citalopram bemerkte, vergingen etwa zwei Wochen. In dieser Zeit musste ich aufgrund von verstärkter Unruhe etc. ca. 1-2 von den Tavor-Plättchen einnehmen. So gesehen waren sie eine echte Hilfe,  die mir das Einschleichen von Citalopram erleichterten. Außerdem konnte ich nach diesen zwei Wochen auf das Tavor problemlos verzichten. Es hatte sich also glücklicherweise keine Abhängigkeit eingestellt.

Das Citalopram vertrug ich insgesamt ganz gut. Die schlimmsten Nebenwirkungen waren die starke Müdigkeit und die extreme Kraftlosigkeit, die ich vor allem in den ersten zwei bis drei Wochen verspürte. Außerdem hatte ich anfangs kaum Appetit, einen trockenen Mund und eher weichen Stuhlgang. Das alles hatte sich gelegt. Was jedoch blieb, war eine verminderte Libido und Probleme mit der Ejakulation. Es ging zwar beides, es war aber schwieriger, zum Höhepunkt zu kommen.

Was ist Tavor eigentlich? 

Hierzu habe ich separat einen ausführlichen Artikel verfasst, der keine Fragen offen lassen sollte:

Tavor: ein Medikament mit Suchtpotential – ob Tavor Tabletten oder Tavor Expidet (Schmelztabletten)
Dein Arzt hat Dir das Medikament Tavor verschrieben. Nach der Einnahme fühlst Du Dich, als hätte eine kleine Tablette eine[...]

Meine zweite Begegnung mit Tavor

Es vergingen dann fast 4  Jahre, genauer gesagt bis zum Mai 2015, bis ich wieder von Tavor Gebrauch machen sollte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt mein Antidepressivum, also das Citalopram, bereits ein halbes Jahr lang abgesetzt gehabt.

Stress als Auslöser von Depression

Im Frühjahr 2015 kam es wieder mal zu einer sehr stressigen Phase. Einerseits war ich seit März in Elternzeit gewesen, da meine Frau ihre Berufstätigkeit nach 12 Monaten Elternzeit wieder aufgenommen hatte, andererseits sind wir im April umgezogen.

In der neuen Wohnung bzw. in unserer neuen Doppelhaushälfte, hatte ich – bedingt durch den ganzen Stress von Umzug und der Überforderung mit der Betreuung meiner Tochter, starke Schlafprobleme bekommen. Hinzu kam, dass ich in unserem neuen Schlafzimmer sehr stark die Geräusche von draußen wahrgenommen hatte. Im Nachhinein wusste ich, dass dies bereits die Anzeichen der kommenden Depression waren.

Heutzutage achte ich übrigens enorm auf mein Stresslevel. Neben regelmäßigen Achtsamkeitsübungen messe ich auch täglich meine Herzratenvariabilität, die ein sehr guter Indikator für das persönliche Stressniveau ist. Möchtest Du mehr über Herzratenvariabilität (kurz HRV), findest Du mehr Infos in meinem ausführlichen Artikel hierzu.

Die Depression war zurück

Durch die Kombination von Stress und Schlafmangel stellten sich wieder die Symptome einer Depression ein. Meine Depression war also zurück.

Ich spürte, dass ich unbedingt etwas unternehmen musste und mir fiel nichts Besseres ein, als wieder die Citalopram einzunehmen. Ich hatte noch Reste aus einer Packung übrig, die ich dann auf eigene Faust (also ohne Absprache mit einem Arzt) begann einzunehmen. Sehr schnell merkte ich, dass mich die Nebenwirkungen der Antidepressiva, vor allem das Gefühl der Schwäche und Kraftlosigkeit, diesmal nur noch weiter herunterzogen.

Ich brauchte Tavor

Relativ schnell – nach ein paar Tagen - erinnerte ich mich daran, was mir damals vor vier Jahren geholfen hatte, die Antidepressiva einzuschleichen, nämlich Tavor. Deswegen ging ich zur Notaufnahme und verlangte dort explizit nach Tavor. Ich schilderte dort meine Problematik und die Tatsache, dass mir damals das Tavor geholfen hatte. Nach einigen argwöhnischen und misstrauischen Blicken des Arztes dort verschrieb er mir die Tavor – und ich war erstmal „glücklich“.

Leider stellte sich heraus, dass mein Zustand insgesamt deutlich schlechter war also damals vor vier Jahren, als ich zum ersten Mal die AD benötigte. Mir ging es einfach noch mieser als damals. Schließlich musste ich sogar in die psychische Notfallklinik (d.h. im Klartext geschlossene Station) aufgrund von Selbstmord-Gedanken. Dort wurde ich auf Escitalopram (dem Nachfolger von Citalopram) und Mirtazapin eingestellt. Die Tavor hatte ich während meines Klinikaufenthaltes noch weiter bekommen.

Zu der Wirkung von Citalopram/Escitalopram hatte ich ja oben schon was geschrieben. Mirtazapin hat bei mir kurz gesagt so gewirkt: gut eingeschlafen, anfangs wilde Träume, danach aber gut geschlafen. Morgens ein sogenannter "Hangover", d.h. man kommt nicht raus, sprich man ist todmüde (zumindest war ich es) bis in den späten Vormittag. Und es führte relativ schnell zur Gewichtszunahme (ist ein bekanntes Phänomen). Ob das daran liegt, dass man mehr ist oder dass der Stoffwechsel anders arbeitet, kann ich jetzt gar nicht so sagen. Mein Psychiater meinte aber, es läge nicht am Stoffwechsel.

Insgesamt halfen die Antidepressiva ein bisschen, wirkten aber bei weitem nicht so gut wie vormals vor vier Jahren. Deswegen versuchte ich, meine Hausärztin davon zu überzeugen, mir weiterhin Tavor zu verschreiben. Dies war mir auch gelungen. Erst nachträglich fand ich heraus, dass es auch andere wirksame angstlösende Medikamente bzw. sogar pflanzliche Mittel gab, welche weniger Suchtpotential bzw. Nebenwirkungen hatten.

Ich brauchte mehr Tavor

So kam es, dass sich meine Dosis langsam und schleichend von 1-2 Tabletten pro Tag auf 3-4, bis zu 5 Tabletten pro Tag steigerte. Ich versuchte zwar, die Dosis konstant zu halten oder ein bisschen zu reduzieren, was mir aber sehr schwer fiel. Ich bekam dann Heulkrämpfe und regelrechte – ich weiß gar nicht, wie man das beschreiben kann – Anfälle und Ausbrüche. Ich wurde aggressiv und zappelte auf dem Boden herum wie ein kleines zorniges Kind. Nach Einnahme einer weiteren Tavor war der Spuk nach etwa 15 Minuten wieder vorbei. Der Kopf war ruhig, die Unruhe und die Angst wie weggeblasen. Alle Probleme schienen sich wie in Luft aufgelöst zu haben – zumindest solange die Wirkung des Tavor anhielt. Doch mir wurde klar, dass es so nicht weitergehen konnte.

Ich spürte, wie ich langsam immer mehr Tavor benötigte, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Das sind die typischen Symptome von Abhängigkeit und Medikamentenmissbrauch bzw. Sucht.

Entzug in der Klinik

Es wurde relativ schnell klar, dass ich einen Entzug nur in der Klinik machen konnte. In den wenigen Versuchen, in denen ich selbst versucht hatte, die Dosis von Tavor zu reduzieren, war ich so aggressiv gewesen und hatte rumgeschrien, zappelnd auf dem Boden gelegen, dass ich das meiner Familie, sprich meiner Frau und natürlich meiner Tochter nicht zumuten konnte.

Glücklicherweise bekam ich relativ schnell einen Termin in der Klinik, in der ich mich – im Gegensatz zu meinem ersten Aufenthalt, in dem ich auf Escitalopram und Mirtazapin eingestellt wurde und weiterhin Tavor bekamm  - auch trotz der gegebenen Umstände ganz gut aufgehoben fühlte. Ich spürte das Verständnis der Ärzte und auch der Krankenschwestern für meine Situation. Das macht schon viel aus.

Das konnte ich von meinem ersten Klinik-Aufenthalt nämlich gar nicht sagen. Denn die Ärzte, insbesondere der Chefarzt dort, waren mir äußerst unsympathisch, und auch die meisten Pfleger mit Ausnahme des Typen, der meistens die Nachtschicht übernahm, waren tendenziell eher unfreundlich und schroff gewesen.

Promethazin als Tavor-Ersatz

In der neuen Klinik bekam ich schließlich Promethazin als Ersatz für Tavor. Das Tavor wurde also schrittweise reduziert und durch Promethazin ersetzt. Promethazin zählt zu den Neuroleptika, ist aber unter den Neuroleptika ein relativ schwaches, wenn nicht das schwächste. Es hat also im Vergleich zu den sonstigen Neuroleptika relativ wenig Nebenwirkungen, es macht eigentlich nur müde. Das war der Preis, den ich im Entzug zahlen musste. Im Gegensatz zu dem Tavor, das (zumindest mich) gar nicht müde machte, hat mich das Promethazin mit jedem Tropfen müder gemacht. Aber ehrlich gesagt: soviel verpasst man in der Klinik nun auch wieder nicht, wenn man die Tage verschläft.

Ich würde im Nachhinein sagen, dass ich absolut abhängig von Tavor gewesen bin, dass sich der Entzug dann aber dank des Promethazin doch einigermaßen erträglich erwiesen hat. Ich bin also, wenn man so will, mit einem (oder eher zwei) blauen Augen davon gekommen.

Das gute an dem Promethazin finde ich auch, dass es Tropfen sind, die man sehr gut und genau dosieren kann. Ich habe das Promethazin noch einige Zeit nach dem Klinikaufenthalt genommen und habe die Dosis selbständig meiner Symptomatik angepasst. Später gelang es mir sogar, das Promethazin durch ein pflanzliches Mittel zu ersetzen.

Mein Fazit

Tavor hat durchaus seine Daseinsberechtigung, vor allem kurzfristig als Notfallmedikament. Man sollte aber nicht den Fehler machen und einfach nur Tavor einnehmen, ohne an seinen „Problemen“ zu arbeiten. Wie das „an seinen Problemen arbeiten“ aussieht, ist natürlich ganz individuell. Der eine muss vielleicht mit dem richtigen Antidepressiva eingestellt werden, der andere muss den den passenden Psychotherapeut finden. Bei einem Dritten ist es vielleicht der Job oder auch die Beziehung, die einen krank macht. Oder der Perfektionismus, durch den man sich selbst immer wieder überfordert. Und nicht selten auch traumatische Kindheitsereignisse.

In der Praxis ist es aber meist eine Kombination unterschiedlicher Gegebenheiten, die man im Laufe der Zeit erstmal (selbst) für sich herausfinden muss. Manche schaffen das alleine, aber eine Psychotherapie ist bei länger dauernden psychischen Problemen immer empfehlenswert und hierbei auch hilfreich. Genauso wichtig wie die richtige Therapieform (Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie Therapie, Psychoanalyse) ist meiner Meinung nach auch der Therapeut. Hier muss einfach auch die Chemie stimmen. Den richtigen Therapeuten zu finden, wird jedoch leider nicht gerade erleichtert dadurch, dass man schon Schwierigkeiten hat, überhaupt zeitnah einen zu finden. Deswegen sollte man sich möglichst frühzeitig auf die Suche nach einem Therapeuten begeben.

Mir persönlich hat CBD-Öl schließlich enorm gut dabei geholfen, von dem Promethazin loszukommen und sogar mein Antidepressivum (bis jetzt) stark zu redzuzieren. Momentan nehme ich nur noch 5 mg Escitalopram, was sehr wenig ist (im Vergleich zur Ausgangsdosis von 20 mg). Ich bin zuversichtig, langfristig ohne Escitalopram auszukommen, dennoch möchte ich nicht den Fehler machen, zu schnell abzusetzen. Denn das langsame Ausschleichen über Monate bis hin zu einem Jahr finde ich extrem wichtig. Schließlich kommt es, wenn man das Zeugs jahrelang genommen hat, auf ein paar Monate auch nicht drauf an. Das CBD-Öl wirkt bei mir extrem entspannend und angstlösend. Außerdem hilft es beim Schlafen (vermutlich durch die stressreduzierende Wirkung), jedoch ohne tagsüber besonders müde zu machen. Falls du es auch mal ausprobieren kannst, kann ich dir das CBD-Öl von CBD Vital (Produktlink)empfehlen, das ich seit Langem verwende. Es ist einigermaßen angenehm im Geschmack, wirkt gut und preislich vollkommen in Ordnung. Falls Du noch mehr darüber erfahren möchtest, wir mir das CBD-Öl geholfen hat, kannst Du auch hier meine komplette Geschichte nachlesen.

Ich hatte dann auch wieder die Kraft und die Energie, mir eine gute Psychotherapeutin zu suchen. Ja, falls Du schonmal auf der Suche nach einem Psychotherapeuten warst, dann weißt du wahrscheinlich, dass das nicht ganz einfach ist und tatsächlich eine Menge Energie kosten kann. Ich möchte demnächst einen separaten Artikel darüber schreiben, wie Du hierbei am besten vorgehst. Den werde ich dann hier verlinken.

Wie geht es mir heute?

Mir geht es heute gut, ich habe keine Angstzustände oder gar Panikattacken mehr, und auch die Depression habe ich überwunden (hängt eh alles zusammen und kann man schwer voneinander trennen). Ich muss aber nach wie vor aufpassen und aufmerksam sein (heute nennt man das Achtsamkeit ?).

Konkret bedeutet das bei mir, dass ich auf meinen Perfektionismus achten muss, dass der nicht Oberhand gewinnt. Und dass ich Enttäuschungen nicht versuche dadurch auszugleichen, dass ich immer mehr und mehr arbeite. Sondern einfach die Enttäuschung auch mal zulasse und nach einer Zeit der Erholung meine „Probleme“ wieder aktiv angehe. Dies ist meine persönliche Herausforderung, auf die ich wahrscheinlich mein Leben lang achten muss. Aber wie gesagt, es geht mir gut und ich kann mein Leben wieder genießen.


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20 Kommentare
Robert Wesch sagt

Hallo Andreas, Dein Erfahrungsbericht war für mich sehr hilfreich. Ich leide unter starken Ängsten , Unruhe und bin oft sehr verzweifelt
vor allem weil ich immer mehr an Gewicht verliere trotz regelmäßigem essen. Eigentlich hatte ich vor eine ambulante Psychotherapie zu beginnen da ich sehr ungern in eine Klinik möchte. Seit einiger Zeit versuche ich mein Gewicht zu stabilisieren aber ohne Erfolg.
Ich nehme seit einigen Wochen Johanniskraut und hoffte dadurch zuzunehmen. Aber das ist wohl zu schwach obwohl es die Unruhe schon
etwas dämpft. VG Robert

Antworten
    Andreas sagt

    Hallo Robert,

    Vielen Dank für Deine Rückmeldung!

    Hast Du schon einen Therapeuten? Ich habe gerade einen Artikel geschrieben, wie Du bei der Suche am besten vorgehst:
    https://meinwegausderangst.de/psychotherapie-psychotherapeut-finden/

    Liebe Grüße und Alles Gute,

    Andreas

    Antworten
Joschua sagt

Hallo Andreas,

deine Erfahrungsberichte motivieren mich in meiner Zuversicht, darauf zu vertrauen, dass nach den Tiefen auch wieder die Höhen kommen. Seit ca. 10 Monaten bin ich arbeitsunfähig, wegen schweren Depressiven Episoden. Seit einem halben Jahr mache ich eine fundierte Tiefenpsychologische Therapie. Seit 2 Monaten nehme ich in Absprache mit einem Psychiater 10mg Escitalopram. Leider hat sich bisher, bisauf unangenehme Träume und eine leichte Stabilität nichts mehr eingeschlichen. Problem ist nun, dass der Psychiater in den nächsten Wochen keinen Termin frei hat. Ist die Erhöhung auf 20mg selbstständig zu riskant? Ich hoffe auf eine Antwort und wünsche dir und deiner Familie, alles Gute! Viele Grüße, Joschua

Antworten
    Andreas sagt

    Hallo Joschua,

    zu deiner Medikation darf ich dir leider nichts sagen.

    Das mit den Terminen beim Psychiater ist leider wirklich ein Drama. Ich muss auch ewig warten auf einen Termin.

    Ich rate Dir, es wenigstens mit deinem Hausarzt abzusprechen. Vielleicht kann der auch eine Eilüberweisung ausstellen.

    Alles Gute und Liebe Grüße,

    Andreas

    P.S. Tut mir Leid für meine späte Antwort, dein Kommentar war leider – zusammen mit vielen anderen Kommentaren – aus unbekannten Gründen im Spam-Ordner gelandet!?

    Antworten
Kim sagt

Hallo Andreas,

vielen Dank für deine ausführlichen Schilderungen! Nachdem ich deine und andere Erfahrungsberichte gelesen habe, habe ich mich nun entschieden auch CBD Öl auszuprobieren. Ich nehme aktuell aber auch 20mg Escitalopram (ich habe oben gelesen, dass das bei dir auch der Fall war, als du mit CBD angefangen hast) – und wollte fragen, ob es da bei dir irgendwelche Komplikationen zwischen den beiden gab? Ich habe schon versucht zu recherchieren, bin aber nicht auf viel gestoßen.

Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft!!
Kim

Antworten
Beate Pruß sagt

Hallo Andreas Deine Geschichte hat mich sehr berührt.
Vieles trifft bei mir auch zu. ich hatte 2017 eine schwere Depression. Ursache nicht richtig rausgefunden . Ich musste auch escitalpram 1ü mg und dann 5 mg einnehmen. hat mir geholfen.
2019 im März wurde es abgesetzt und seit Pfingsten 2019 kam die Depression zurück.
Ich bin zu meiner Psychaterin und sie sagte ich soll erstmal was pflanzliches nehmen. da es nicht so eine schlimme
Depression ist und zwar Pascoflair 3 x1 Tbl.
hoffentlich hilft mir das.
bei mir waren die Symptome nach der Einnahme von Escitalopram sehr stark eigentlich nicht auszuhalten.
deshalb wollte ich erstmal was pflanzliches probieren.oder hast Du noch was Anderes was Du mir empfehlen kannst

LG Beate

Hallo Andreas. Deine Geschichte hat mich sehr berührt, da ich auch solche Symptome
e hätte und

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    Andreas sagt

    Hallo Beate,

    hat Dir das Pascoflair/Passionsblumenkraut geholfen?

    Auf meiner Seite https://www.meinwegausderangst.de/pflanzliche-stimmungsaufheller/ habe ich einige andere pflanzliche Alternativen beschrieben. Ich persönlich nehme das CBD-Öl.

    LG, Andreas

    Antworten
Kolja Schnöller sagt

Hallo Andreas,
ein toller Bericht in dem ich mich in so vielen Sachen wiederfinde. Auch ich leide leider momentan wieder nach 2003 ,2011, 2015 erneut an krankheitsbezogenen Ängsten und einer depressiven Episode. Auch habe Tavor bisher immer nur als absolutes Nottfallmedikament genommen. Leider seit knapp 3 Monaten doch sehr regelmäßig wobei nur 1x 1mg am Tag. Ich habe auch Atosil als Ersatz von meiner Hausärztin auf meinen Wunsch bekommen. Leider habe ich erst in knapp 4 Wochen einen Termin beim Psychologen. Möchte aber nicht solange warten und würde gerne schon anfangen Tavor wieder auszuschleichen. Ich habe gelesen das du das damit ganz gut geschafft hast…kannst du mir vielleicht sagen wie oft du es täglich genommen hast und/oder nur nach Bedarf und in welchen Abständen Tavor reduziert wurde? Nehme außerdem seit 4 Jahren Fluoxetin und schon seit 2003 Mirtazapin. Vielleicht sollte ich es ja auch mal mit Citalopram probieren, möchte das aber gerne mit einem Facharzt alles besprechen. Wir gesagt leider erst in 4 Wochen….auf jeden Fall hat mir dein Bericht wieder Mut gemacht das man es doch wieder schaffen kann aus dem Loch rauszukommen. In eine Klknik möchte ich auf jeden nicht mehr. War jetzt schon 4x in eine und muss sagen die letzten beiden Aufenthalte waren die schlimmste Zeit meines Lebens. Würde mich freuen wenn du antwortest und vielleicht hast du ja noch den ein oder anderen Tipp für mich. Viele Grüße Kolja

Antworten
    Andreas sagt

    Hallo Kolja,

    die größte Tavor-Reduktion fand bei mir in einer Klinik statt.
    Ich kann aber absolut verstehen, dass Du da nach schlechten Erfahrungen nicht mehr hinmöchtest.

    Die Umstellung einer (langjährigen) Medikation ist in der Tat nicht ohne und sollte unbedingt mit dem Psychiater abgesprochen werden.

    Ob Du Tavor jetzt schon reduzieren kannst. Ich würde sagen, dass hängt schon auch davon ab, wie gut es Dir momentan geht und wie stabil du schon bist.
    Meiner Erfahrung nach möchten viele das Tavor relativ schnell absetzen, wenn Sie erfahren, dass es abhängig/süchtig machen kann.
    Vergessen oder unterschätzen dabei aber, wie schwierig es sein kann. Da ich dich nicht kenne und ja auch kein Fachmann bin, kann ich Dir hier leider keinen konkreten Rat geben.

    Schreib Dir aber am besten alles auf, was Du mit dem Psychiater besprechen möchtest, damit Du nichts vergisst.

    Ansonsten: bist Du in Therapie, hast Du eine(n) Therapeuten/-in, bei demd/der Du dich gut aufgehoben fühlst?

    Ich kann Dir auch raten, mal die EFT Technik auszuprobieren (https://www.meinwegausderangst.de/eft-tapping-klopftherapie/) und die Maßnahmen zum Stressabbau (https://www.meinwegausderangst.de/stressabbau-kortisol-senken/) und die Übungen zum Aktivieren des Vagusnervs (https://www.meinwegausderangst.de/vagusnerv-stimulation-uebungen/).

    Ich wünsch Dir Alles Gute!

    LG, Andreas

    Antworten
Thomas123 sagt

Hallo Andreas, Respekt und vielen Dank für deinen Artikel!! Ich finde es immer schwer solche Zustände greifbar zu machen und von der Stärke und dem Ausmaß zu bewerten. Ich bin ein extremer Kopf- und Zahlenmensch, analysiere alles. Ich leide ebenfalls an einer Angststörung, bin perfektionitisch veranlagt, setzte mich selber unter Stress und das schlimmste ist: Ich wache jeden morgen mit Angst auf ohne dass ich dieses Gefühl zuordnen kann. Wo ist das Gefühl morgens im Bett: Endlich ausschlafen und alles ist schön. Ja es ist der Job, die Angst Fehler zu machen, Zukunftsängste, Druck. Durch die Krankschreibung wurde alles schlimmer, da man noch mehr Angst gekommt zum Job zurückzugehen. Jetzt bin ich Vater geworden und die ersten 2 Wochen nach der Geburt war die Angst wie weg geblasen, konnte alles stemmen und jetzt: Ich sehen jeden Tag den Kleinen dem ich Mitleid statt Freude geben kann. Das Würmchen tut mir, so hilflos er ist, leid. Das fehlende Vertrauen kommt bei mir wie auch bei meiner Schwester (war 4J in Therapie) daher, dass man uns ständig als Baby schreien lies, uns Entscheidungen immer ab- oder sogar weggenommen hat und wir ständig den Willen der Mutter aufgedrängt bekamen. Was nützt mir die Erkenntnis? Ich nehme jetzt seit 4 Tagen Escitapram und ich muss sagen, es ist morgens die Hölle. Ich hatte noch nie solche Panikattacken, unbegreiflich, warum?! Ab 9Uhr ist dann alles wie weggeblasen. Bewegung hilft. Ich habe eigentlich nie tagsüber Angst oder vor irgendwas direktes was dann vor einem steht. Es ist eigentlich nur Kopfkino. Ich frage mich wann und ob Escitalpram nach der Eingewöhnung hilft wenigstens das Angstgefühl wegzubekommen. Ich hatte vor 4J. schon mal Paroextin bekommen und dann wieder ausgeschlichen, da alles o.k. war oder ich es zumindest glaubte. Für mich sind die Psycholgengespräche immer eine unbegreifliche Art und Weise und helfen meines Erachtens nicht so richtig weiter, da man nichts greifbares an die Hand bekommt. Ich bin zu sehr Kopf, aber mein Gefühl ist krank und wittert hin allem Verschwörung. Natürlich muss ich dieses Gefühl abschalten, aber um das zu erreichen muss ich es verstehen, warum ich jetzt IMMER nur morgens das Gefühl habe. Kannst du dies nachvollziehen oder hatte jemand anders auch dieses Gefühl? Vielen Dank für Eure Feedback.

Antworten
    Andreas sagt

    Hallo Thomas,

    Vielen Dank für Deinen Beitrag!

    Es ist traurig, was wir in unserer Kindheit manchmal “als Päckchen” mitbekommen.

    Zu deiner Frage: kommen die Panikattacken, nachdem Du morgens Escitalopram eingenommen hast?

    Das könnte ich mir gut vorstellen: denn es gehört zu den Nebenwirkungen,dass Escitalopram gerade in der Anfangsphase unruhig machen kann.
    Das geht ja hin bis zu erhöhtem Risiko an Suiziden.

    Deswegen bekam ich, als ich das erste Mal Escitalopram kam, gleich ein paar Tavor Schmelztabletten mit, um eben diese Phasen erhöhter Angst, falls Sie denn auftreten sollten, gut zu “überstehen”.

    Ich denke aber, das geht bald vorbei, vlt. schon nach einer Woche, spätestens nach zwei Wochen.

    Vielleicht kannst Du auch Rücksprache mit deinem behandelnden Arzt halten.
    Ich finde, es gehört einfach dazu, dass man, wenn man als Arzt ein Medikament verschreibt, dann auch für eine kurzfristige Betreuung sorgen muss, wenn es zu Problem durch die Medikamenteneinnahme kommt.

    Alles Gute und Liebe Grüße,

    Andreas

    Antworten
Peter sagt

Hallo Andreas,
ich bin gerade auch in einer schlechten verfassung mit generalisierten Angstzuständen und Panikattacken.Ich nehme seit zwei Wochen unregelmäßig ein Neuroleptikum (Pipamperon) aber sobald ich das 1,5 Tage absetze bekomme ich extreme Zustände mit extremer innerer Unruhe brennenden Armen usw.
Ich habe das CBD öl in Kapselform probiert wärend der Absetzfase aber leider habe ich keinen Unterschied oder verbesserung festgestellt.
Nun nehme ich seit zwei Tagen in einem für mich erneuten Versuch ein Psychopharmaka (Escitalopram).
Hier noch die Frage :Hast du der Zeit in der du Escitalopram nahmsd auch schon CBD Öl genommen und was hast du hier für eine Erfahrung gemacht.
Grüße Peter

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Pascal sagt

Vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht. Man fühlt sich oftmals mit seiner Krankengeschichte sehr allein, was einen zusätzlichen Leidensdruck erzeugt. Zu Lesen, dass andere genau die gleichen Probleme habe, hilft mir persönlich sehr.
Also nochmals herzlichen Dank und viele Grüße

Antworten
    Andreas sagt

    Danke für dein Feedback!

    LG, Andreas

    Antworten
Niko sagt

WOW! Mal EIN Bericht, der wie die Faust aufs Auge zu meinen Problemen passt!
Hab einen ähnlichen Verlauf wie du, jedoch mit dem Vorteil dass ich ggü abhängig machenden Medikamenten extern vorsichtig bin. Drum habe ich heute dieses Promethazin besorgt und lese mich dazu gerade durchs Internet 🙂
Des mit dem hanföl wollte ich auch ausprobieren, habe aber überhaupt keine Wirkung verspürt…obwohl ich schon viel gelesen habe was das für ein Wundermittel sein soll.
Ich würde mich seeehr freuen, diesbezüglich irgendwie mit dir in Kontakt treten zu können zwecks Tipps zur Einnahme…GLG & alles gute weiterhin, niko

Antworten
    Andreas sagt

    Hi Niko,

    klar schreib mir einfach ne Mail, steht im Impressum.

    LG, Andreas

    Antworten
Haag sagt

Hallo
Hat mich beeindruckt werde das meiner Frau alles erzählen und hoffe daß sie ihre Nutzen ziehen kann!

Antworten
Patrick sagt

Hallo Andreas, es gibt leider zu wenige Blogs zu diesem Thema. Dein Mut und deine Ehrlichkeit sind lebendig erfrischend. Vor allen Dingen die Einsicht und Entscheidung zum Entzug und einer kompletten Neuorientierung sind für andere bestimmt motivierend. Psychotherapie, unterstützt durch Medikamente falls nötig, ist der einzige aussichtsreiche Weg. Nach 30 Jahren fand ich erst zur Entgiftung und Entzug was natürlich entsprechend heftig aber dennoch ausfiel. Seitdem leide ich unter Derealisationserleben außer den eigentlich stets vorhandenen Angstsymptomen und Depressionen Depressionen. Trotzdem ist es ein begehbarer Weg der immer glatter wird. Jeder der auch unwissentlich Komplize des Medikamentenmissbrauchs geworden ist muss schnellstmöglich aktiv Hilfe suchen. Und jedem kann geholfen werden. Jedem! Grüße Patrick

Antworten
Patrick sagt

Hallo Andrea, Dein Mut und deine Ehrlichkeit sind lebendig erfrischend. Vor allen Dingen die Einsicht und Entscheidung zum Entzug und einer kompletten Neuorientierung sind für andere bestimmt motivierend. Psychotherapie, unterstützt durch Medikamente falls nötig, ist der einzige aussichtsreiche Weg. Nach 30 Jahren fand ich erst zur Entgiftung und Entzug was natürlich entsprechend heftig aber dennoch ausfiel. Seitdem leide ich unter Derealisationserleben außer den eigentlich stets vorhandenen Angstsymptomen und Depressionen Depressionen. Trotzdem ist es ein begehbarer Weg der immer glatter wird. Jeder der auch unwissentlich Komplize des Medikamentenmissbrauchs geworden ist muss schnellstmöglich aktiv Hilfe suchen. Und jedem kann geholfen werden. Jedem! Grüße Patrick

Antworten
    Andreas sagt

    Vielen Dank für dein Feedback, Patrick. Stimme Dir voll zu.

    LG, Andreas

    Antworten
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