Herzrasen nachts: Panikattacke oder Herzinfarkt im Schlaf
Mein Weg aus der Angst
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Wenn in der Nacht das Herzrasen beginnt: so unterscheidest Du Panikattacke und Herzinfarkt

Du wachst plötzlich mit Herzrasen nachts auf. Atemnot stellt sich ein. Du fühlst Dich, als würdest Du ersticken. Angst beherrscht Deine Gedanken: Hast Du einen Herzinfarkt oder einen Asthmaanfall? Angststörungen machen sich häufig in Panikattacken nachts bemerkbar. Informiere Dich hier über Angstzustände nachts und wie Du sie überwinden kannst.

Panikattacken nachts: Bedrohliche Einsamkeit

Auch wenn das Bild an einen Traum erinnert: Albträume sind in der Regel keine Auslöser einer Panikattacke. Denn Panikattacken treten bevorzugt in anderen Schlafphasen auf.

Die Symptome einer Panikattacke in der Nacht unterscheiden sich nicht im Wesentlichen von Panikattacken tagsüber oder vor dem Einschlafen. Die Symptome (1) sind so individuell wie die Gehirnfunktionen der Menschen. Atemnot und andere Atembeschwerden sind häufig, ebenso Herzrasen, Herzklopfen und ein plötzliches Ansteigen des Blutdrucks. Kopfschmerzen, Sehstörungen und Übelkeit treten ebenfalls oft bei einer Panikattacke auf.

Nachts mit Atemnot aufwachen oder durch Herzrasen und Herzklopfen nachts aus dem Schlaf gerissen zu werden, erscheint vielen Menschen jedoch besonders bedrohlich. Jetzt bist Du alleine. Es gibt niemanden, den Du um Hilfe bitten könntest. Den Partner möchtest Du meist nur ungern aufwecken. Schließlich müssen wir alle im Alltag unsere Pflichten erfüllen.

Angst vorm Schlafen? Panik in der Nacht weit verbreitet

Du erlebst häufig Panikattacken im Schlaf? Damit bist Du nicht allein. Eine US-amerikanische Studie (2) hat bereits 1989 festgestellt, dass fast 70 Prozent aller Patienten mit Angstzuständen mindestens einmal eine Panikattacke nachts aus dem Schlaf gerissen hat. Jeder dritte Betroffene erlebt Panikattacken im Schlaf häufig.

Manche Experten vertreten die Meinung, dass es sich dabei um eine besondere Form von Angststörung handelt (3). Vermeidungsverhalten wird bei Betroffenen weniger beobachtet. Dafür scheinen sie mehr Angst vor Kontrollverlust zu entwickeln. Schlaf wäre in diesem Zusammenhang der ultimative Kontrollverlust, weil das Bewusstsein ausgeschaltet ist.

Eine Störung kommt selten allein

Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass Panikattacken nachts besonders oft gemeinsam mit anderen psychischen Störungen auftreten, etwa mit Depressionen, generalisierter Angststörung (www.meinwegausderangst.de/generalisierte-angststoerung-angstzustaende/) und sozialer Phobie (www.meinwegausderangst.de/soziale-phobie-angst-vor-menschen/) (4). Nicht selten beginnen die Probleme mit der Angst bereits in der Kindheit.

Bei Frauen können für Panikattacken nachts die Wechseljahre verantwortlich sein. Die Hormonumstellung führt häufig bereits in den Jahren vor der eigentlichen Menopause zu Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und verstärkter Angst (5). Wenn Frauen in den Wechseljahren nachts mit Atemnot aufwachen, ist jedoch eine Schlafapnoe wahrscheinlicher als eine regelrechte Panikattacke (6). Ein Mangel an Progesteron und Östrogen begünstigt diese Schlafstörung.

Angstzustände nachts: Was passiert im Körper?

Um die Vorgänge einer Panikattacke nachts im Schlaf zu verdeutlichen, hilft ein Blick auf die Schlafphasen (7). Im Schlaf durchlaufen wir vier verschiedene Phasen. In den drei Phasen ohne Augenbewegungen (NREM) sinken wir zunehmend tiefer in den Schlaf. Daran schließt sich die Traumphase an, während der sich die Augen schnell bewegen, der sogenannte REM-Schlaf (Rapid Eye Movement).

Herzrasen im Schlaf: das vegetative Nervensystem spielt verrückt

Während Albträume im REM-Schlaf auftreten, spielen sich Panikattacken nachts in der späten zweiten Phase und der frühen dritten Phase. Das bedeutet, Träume führen nicht zu einer Panikattacke nachts im Schlaf. Eine kanadische Studie (8) aus dem Jahr 1999 hat unter anderem mit Aufzeichnungen von Herzfrequenzvariabilität gezeigt, dass das vegetative Nervensystem für nächtliche Panikattacken verantwortlich ist. Früher nannte man Fehlsteuerungen des autonomen Nervensystems vegetative Dystonie. Heute hat sich der Begriff autonome Dysregulation eingebürgert.

Allerdings ist nach wie vor unklar, was genau diese fehlgesteuerten Impulse des vegetativen Nervensystems auslöst. Bisher sind Wissenschaftler relativ ratlos. Sicher ist, dass Stress die Herzratenvariabilität beeinflusst (9). Sicher ist auch, dass schlechter Schlaf Angststörungen zusätzlich negativ beeinflusst (10). Aufwachen nachts mit Herzrasen/Herzklopfen und Atemnot kann dazu führen, dass Du Dich in einem Teufelskreis der Angst gefangen fühlst. Angst vor der Angst, Angst vorm Schlafen und Angst vor der nächsten Angstattacke führen dazu, dass Du nicht mehr zur Ruhe kommst.

Ritual zum Einschlafen

Ein nächtliches Ritual hilft, die Angst vor dem Einschlafen zu verringern. Ein Glas Kamillentee, entspannende Musik, eine geführte Meditation oder ein gutes Buch helfen, den Körper auf Schlaf einzustimmen. Wichtig ist auch frische, kühle Luft im Schlafzimmer sowie eine abgedunkelte Umgebung in den Stunden vor dem Schlafengehen. Dämmriges Licht signalisiert dem Körper und dem vegetativen Nervensystem, dass es Schlafenszeit ist. Auf Alkohol und Koffein verzichtest Du dagegen besser. Darüber hinaus kannst Du natürliche Schlafmittel verwenden, die Deinen Körper nicht belasten.

Unterscheiden zwischen Panik, Herzinfarkt und Asthma

Die Angst vor etwas Lebensbedrohlichem wie einem Herzinfarkt kann die Panikattacke verstärken. Deswegen ist es nützlich zu wissen, wie sich die Symptome unterscheiden.

Panikattacken werden oft jahrelang nicht richtig diagnostiziert, weil die Symptome körperlichen Beschwerden so ähnlich sind. Betroffene gehen meist zum Arzt, weil sie Probleme mit dem Herzen oder Asthma vermuten. Tatsächlich kann sich eine Panikattacke wie ein Herzinfarkt oder ein Asthmaanfall anfühlen.

Herzinfarkt oder Angst?

Folgende Unterschiede gibt es zwischen einem Herzinfarkt und einer Panikattacke:

Art des Schmerzes: Bei einem Herzinfarkt zieht sich ein Gefühl von Druck oder Pressen durch den gesamten Brustkorb. Eine Panikattacke macht sich eher durch einen stechenden Schmerz bemerkbar, der in der Mitte der Brust auftritt.

Dauer und Verlauf: Bei einem Herzinfarkt wird der Schmerz stärker und strahlt aus. Nach einigen Minuten zieht er sich bis in die Arme und den Kiefer. Bei Angstzuständen verringert sich der Schmerz jedoch nach wenigen Minuten.

Weitere Symptome: Übelkeit und Erbrechen treten in der Regel eher bei einem Herzinfarkt auf. Bei Panikattacken dagegen ist Herzrasen oft mit Kribbeln und zitternden Händen verbunden.

Unterschied zwischen Panik und Asthma

Besonders schwierig ist es, zwischen einem Asthmaanfall und einer Panikattacke zu unterscheiden. Erschwerend kommt hinzu, dass Asthma durch Atemnot Panik auslösen kann (11) (12). Allerdings gibt es auch hier Unterschiede.

Aufwachen: Hat Dich ein trockener Husten geweckt oder hat Dich Atemnot aus dem Schlaf gerissen? Ein Asthmaanfall kündigt sich meist durch Husten an.

Giemen: Bei Asthma schwellen die Schleimhäute an und die Bronchien verkrampfen sich. Das Atmen verursacht deshalb ein stark pfeifendes Geräusch, das sogenannte Giemen. Bei einer Panikattacke dominiert das Gefühl, nicht atmen zu können.

Schleim: Der Husten führt dazu, dass sich zäher Schleim bildet. Im Rachenraum sammelt sich klares oder leicht gelbliches Sekret an. Bei Angstzuständen fehlt der Schleim.

Eine Panikattacke dauert selten länger als 20 bis 30 Minuten. So lange solltest Du bei einem schweren Asthmaanfall jedoch nicht warten. Du bist so kurzatmig, dass Du nicht mehr sprechen kannst? In diesem Fall brauchst Du sofort Hilfe.

Auch andere Lungenkrankheiten und Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems können Symptome verursachen, die Panikattacken ähneln. Lass Dich deshalb gründlich untersuchen und schließe aus, dass Krankheiten nächtliche Angstzustände verursachen.

Was tun bei Panikattacken nachts?

Auch wenn nachts nicht der richtige Zeitpunkt ist, um an den Ursachen zu arbeiten. Ein paar Tipps können Dir helfen, die Panikattacke gut zu überstehen.

Bei Panikattacken ist Psychotherapie mit geeigneten Medikamenten die beste Methode, die Angst dauerhaft zu überwinden. Aber wenn Dich die Panik nachts aus dem Schlaf reißt, brauchst Du Soforthilfe. Folgende Tipps helfen Dir, die nächtliche Panikattacke zu überwinden:

1. Licht an und Wasser trinken

Bei einer Panikattacke nachts hilft es, sofort das Licht anzumachen. An Schlaf ist im Moment ohnehin nicht zu denken. Hilfreich ist es, die Angst zu akzeptieren. Ein Glas Wasser führt dazu, dass sich die Atmung automatisch verlangsamt. Stehe auf und bewege Dich. Du kannst Dein Gesicht mit kaltem Wasser waschen oder Deinen Nacken mit einem nassen Umschlag kühlen.

2. Bewusst ausatmen

Hyperventilation kannst Du mit bewusstem Atmen entgegenwirken. Wenn Du häufig Panikattacken erlebst, empfiehlt es sich, Atmen unter normalen Umständen zu trainieren. Ziehe die Luft langsam durch die Nase ein und lege Deine Hand auf Deinen Bauch. Er sollte sich mit Luft füllen. Danach atmest Du so lange wie möglich durch den Mund aus.

3. Meditation und Selbst-Hypnose

Eine geführte Meditation für Angstzustände unterstützt Dich dabei, Deine Gefühlslage zu normalisieren. Mittlerweile findest Du zahlreiche Apps fürs Smartphone oder Tablet, die speziell für Panikattacken entwickelt wurden. Manche Apps verwenden Selbst-Hypnose, um Dich aus der Angst herauszuholen.

4. Notiz für den Notfall

Schreibe auf, was Dir bei Panikattacken hilft und bring diese Notiz gut sichtbar in der Nähe Deines Betts an. Du kannst nützliche Links zu entspannender Musik und Videos auch in Deinem Handy abspeichern.

Fazit: Angst in der Nacht besiegen

Oft wünscht man sich nur noch, die Nacht zu überstehen. Am nächsten Morgen sieht die Welt oftmals schon anders aus. Und dann ist auch ein guter Zeitpunkt, etwas zu unternehmen und an den Ursachen zu arbeiten.

Panikattacken in der Nacht können zu einem Teufelskreis der Angst führen. Die Angst vor der Angst und Angst vorm Schlafen zermürben Dich und verstärken eine bestehende Angststörung zusätzlich. Langfristig hilft nur, den Ursachen der Angst mit einer Psychotherapie auf den Grund zu gehen. Medikamente helfen, die Symptome von Angststörungen zu bekämpfen.

Um sanft in Morpheus Arme zu gleiten, kannst Du ein Ritual vor dem Schlafengehen entwickeln. Pflanzliche Schlafmittel helfen zusätzlich bei der Angst vorm Schlafen. Falls Dich eine Panikattacke nachts aus dem Schlaf reißt, hilft Ablenkung durch Wasser trinken, Atemübungen, Meditation und Selbst-Hypnose. Eine Notfall-Notiz erinnert Dich daran, was Dich bisher bei Panikattacken gerettet hat.

Quellenverzeichnis:


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Hattest Du auch schonmal nachts eine Panikattacke erlebt?

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