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Februar 10, 2021

Ein paar Sitzungen in Hypnose und schon sind die Ängste und Panikattacken wie von Geisterhand verschwunden?

Klingt das nicht verlockend? 

Zu schön, um wahr zu sein?

In diesem Artikel möchte ich der Wirksamkeit von Hypnose gegen Angst, Panik und Depressionen und auf den Grund gehen.

Was ist Hypnosetherapie eigentlich?

Doch zunächst schauen wir uns mal an, was Hypnosetherapie eigentlich ist.

Hast Du Hypnose bereits als Hokuspokus oder Zauberei abgespeichert? Denkst Du bei Hypnose zuerst and Leute, die in TV-Shows einer nach dem anderen ins Koma fallen; Menschen, die vergessen wie sie heißen oder in fremde Rollen schlüpfen und peinlichste Dinge tun?

Diese sogenannten Show-Hypnotiseure rücken die Hypnosetherapie in ein schlechtes Licht. Viele denken deswegen bei Hypnose eher an Fake und faulen Zauber – zu Unrecht.

Denn Hypnose kommt bei unterschiedlichsten Zwecken sinnvoll zur Anwendung: von Raucherentwöhnung, Etablierung von gesunden Gewohnheiten, Abnehmen, Entspannen bis hin zur unterstützenden Behandlung von psychischen Erkrankungen.

Hypnose vs. Hypnosetherapie (Hypnotherapie)

2 ähnliche Begriffe, die man dennoch nicht in einen Topf werfen sollte.

Hypnose ist der Vorgang, bei dem Dich der Hypnotiseur in einen Trance-ähnlichen Zustand bringt. Ein Zustand, in dem Du tief entspannt und gleichermaßen fokussiert bist. Das hat erstmal noch nichts mit Hypnosetherapie zu tun.

Hypnotherapie dagegen hat das Ziel, Menschen zu helfen, ihre schlechten Angewohnheiten abzulegen oder gar psychische Erkrankungen zu mildern. Hypnosetherapie greift auf das Werkzeug der Hypnose zurück, um diese Ziele zu erreichen, indem während der Hypnose entsprechende Autosuggestionen eingesetzt werden.

Das passiert während einer seriösen Hypnosesitzung

Während einer Hypnosesitzung begleitet Dich Dein Hypnotherapeut in einen Trance-ähnlichen Zustand, in dem Du Zugang tief in Dein Unterbewusstsein bekommst.

Dein Hypnotiseur bzw. dein Hypnosetherapeut hilft Dir, dich zu entspannen und deinen Geist zu fokussieren. Ziel ist es, Dich ein einen trance-ähnlichen Zustand zu bringen. Dieser Zustand ist ähnlich wie ein leichter Schlaf - doch mit dem Unterschied, dass Du nach wie vor fokussiert und in der Lage bist, Input von außen aufzunehmen.

Dieser Input sind normalerweise die Suggestionen Deines Therapeuten, die dir helfen sollen, Dein Problem (z.B. Deine Ängste) besser bewältigen zu können.

Während dieses entspannten Zustands hast Du einen besonders starken Zugang zu Deinem Unterbewusstsein. Das ermöglicht Dir, in die Tiefen Deines Bewusstseins vorzudringen und die Dinge zu erforschen, die Dich und Dein Leben im Tiefsten beeinflussen.

Hypnose kann dadurch zu folgenden Zwecken eingesetzt werden:

  1. Um Zugang zu verdrängten oder verschütteten Erinnerungen wiederzuerlangen (z.B. sexueller Missbrauch oder andere traumatische Ereignisse)
  2. Um gesunde Gewohnheiten zu etablieren (z.B. im Rahmen einer Ernährungsumstellung mit dem Ziel abzunehmen)
  3. Um die Entspannungsfähigkeit zu fördern und Ängste zu lindern

Ziel des Hypnosetherapeuten ist es, Dich bei diesem Prozess zu begleiten. Er sollte keine Kontrolle über Dich und Deine Gedanken erlangen. Schon gar nicht sollte er diese Möglichkeit missbrauchen, um dich während einer TV-Show bloßzustellen, um nochmals auf das oben erwähnte Beispiel zurückzukommen.

Das passiert bei Hypnose mit unseren Gehirnen

Hypnotherapie, wie man die Therapie mit Hypnose auch bezeichnet, kommt bei Ängsten (leider) nicht so häufig zum Einsatz wie Psychotherapie oder Medikamente (z.B. Antidepressiva).

Trotzdem ist die Wirksamkeit von Hypnose bei psychischen Erkrankungen wie Ängsten, Generalisierter Angststörung, Posttraumatischer Belastungsstörung oder Depressionen gut erforscht.

In einer Studie aus 2016 (1) haben Forscher die Gehirne von Menschen mit einem bildgebenden Verfahren untersucht, während sich die Menschen in Hypnose befanden. Sie stellten dabei folgendes fest:

  1. Die Aufmerksamkeit der Menschen war erhöht.
  2. Die Menschen hatten eine bessere Kontrolle über Körper und Emotionen.
  3. Während der Hypnose-Session war die Selbstwahrnehmung geringer ausgeprägt. Ein Gefühl, wie es auch bei Geübten während einer Meditation eintreten kann.

Einsatz von Hypnose gegen Angst

Nehmen wir beispielsweise mal an, Du leidest unter Flugangst.

Während Du dich in einer Hypnosesitzung in einem Trance-Zustand befindest, kann Dir Dein Therapeut eine sogenannte posthypnotische Suggestion geben. Das ist eine Suggestion, die erst nach der Hypnosesitzung wirksam wird.

Das funktioniert, weil Du in diesem traumähnlichen Zustand der Hypnose empfänglicher für Suggestionen wirst. Das kann sich der Therapeut zu Nutze machen, indem er Dir bzw. Deinem Unterbewusstsein suggeriert, dass Du Dich das nächste Mal in einem Flugzeug pudelwohl, entspannt und sicher fühlen kannst – anstatt ängstlich und panisch zu reagieren.

Dadurch, dass Du Dich in diesem besonderen entspannten Hypnose-Zustand befindest, kannst Du auch Deine Gefühle besser kontrollieren. Somit treten Angstsymptome gar nicht erst auf, wenn Du während der Hypnose das Wort Flugzeug hörst.

Durch das gleiche Prinzip der posthypnotischen Suggestion können viele Ängste und deren Folgen gelindert werden, z.B.:

  • Das Gefühl, das gleich etwas schreckliches passierend wird (drohendes Unheil)
  • Kurzatmigkeit
  • Herzrasen und Herzklopfen
  • Muskelanspannung
  • Verstärkte Reizbarkeit
  • Nervöser Magen, Reizdarm

Die Hypnotherapie kann alleine, aber noch besser als Ergänzung zur Kognitiven Verhaltenstherapie eingesetzt werden.

Die Studienlage zur Wirksamkeit

Studien belegen die Wirksamkeit der Hypnosetherapie.

Studien konnten zeigen, dass Hypnose zur Stressbewältigung und zur Linderung von Ängsten sowie Panikattacken wirksam ist (2).

Auch zur Behandlung von spezifischen Angststörungen, wie z.B. der Agoraphobie, setzt man Hypnose erfolgreich ein (3).

Auch bei Erkrankungen, die in Zusammenhang mit Angst und Panikattacken auftreten, kann Hypnose Erfolge bringen, z.B. bei Depressionen, Posttraumatischer Belastungsstörung oder Reizdarm (4).

Ebenfalls lesenswert: Ärzteblatt - Hypnotherapie bei Ängsten und Schmerzen hocheffizient.

Beispiel COVID

Nehmen wir noch ein weiteres Beispiel.

Angenommen, Du bist sehr verängstigt wegen der aktuellen Corona-Pandemie. Dann könnte Dir Dein Hypnotherapeut suggerieren:

„Wenn Du an Corona denkst, dann wirst Du umgehend mit deinen folgenden Atemzügen immer mehr entspannen.“

Diese Worte dringen während der Hypnose-Session tief in dein Unterbewusstsein ein. Wenn Du das nächste Mal an Corona denkst, wirst Du besser damit umgehen und leichter wieder entspannen können.

FAQ

Gibt es Erfahrungsberichte für Hypnose gegen Angst?

In meiner Facebook-Gruppe sind einige Leute, die gute Erfahrungen mit Hypnose sammeln konnten. Vielleicht können Sie Dir weiterhelfen.

Ich bin übrigens immer auf der Suche nach Erfahrungsberichten. Wenn Du also bereits Erfahrungen mit Hypnose bei Ängsten, Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen sammeln konntest, würde ich mich freuen, wenn Du mich kontaktierst.

Wie hoch sind die Kosten für eine Hypnotherapie?

Das hängt ganz davon ab, wie oft Du kommen musst, wie stark Deine Beschwerden sind und wie gut die Therapie bei Dir anspricht. Pro Sitzung mit einer Länge von 60-90 Minuten kannst Du mit einem Preis ab 90 Euro rechnen.

Fazit

Hypnose kann Dir dabei helfen, Zugang zu Deinem tiefen Unterbewusstsein zu gelangen, welche Dir normalerweise nicht zugänglich sind. Dein Hypnotherapeut kann mit Hilfe von posthypnotischen Suggestionen dein Gehirn „umprogrammieren“ und Dir dabei helfen, schlechte Gewohnheiten bzw. Verhaltensmuster abzulegen und gesunde Gewohnheiten zu etablieren.

So kann Hypnose gegen Angst, Panik und Depressionen – am besten als Ergänzung zu einer Verhaltenstherapie – erfolgreich eingesetzt werden.

Quellen

Selbstmordgedanken?

Falls du akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar.

Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/

Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas Humbert, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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