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Dezember 1, 2021

Logophobie (logos: Wort, phóbos : Phobie) ist keine gefährliche Krankheit und auch kein chronischer Zustand. Es ist der medizinische Begriff für die Angst, in der Öffentlichkeit zu sprechen. Er wird auch mit anderen Begriffen wie Sprechangst, Redehemmung, Redestörung oder im weiteren Sinne Publikumsangst bezeichnet. Bis zu vier von zehn Personen sind von dieser Redeangst, die mehr als reines Lampenfieber/Kanonenfieber ist, betroffen.

Für die Betroffenen kann die Sprechsituation vor einer Gruppe Gefühle von Unbehagen und Angst auslösen. Das kann mit unkontrollierbarem Zittern, Schwitzen und Herzrasen einhergehen. Möglicherweise verspürst du auch einen überwältigenden Drang, aus dem Raum oder der Situation, die dir Stress bereitet, wegzulaufen.

Logophobie ist eine soziale Phobie oder eine soziale Angststörung. Angststörungen gehen über gelegentliches Grübeln oder Nervosität hinaus. Sie verursachen starke Ängste, die in keinem Verhältnis zu dem stehen, was du gerade erlebst oder woran du denkst.

Angststörungen werden mit der Zeit oft schlimmer. Und sie können deine Fähigkeit, unter bestimmten Umständen zu funktionieren, beeinträchtigen.

In diesem Artikel auf meiner Seite erfährst du,

  • was Logophobie ist,
  • wie die Angstreaktion zustande kommt,
  • was die Ursachen sind,
  • und natürlich was du gegen dieses Störungsbild unternehmen kannst.

Wie fühlt sich Logophobie an?

Wenn Menschen eine Präsentation halten müssen, erleben viele die klassische Kampf-oder-Flucht-Reaktion. So bereitet sich der Körper eigentlich auf eine reale Gefahr oder Bedrohung vor, um sich dagegen zu verteidigen. Diese Reaktionen schlagen aber auch bei eigentlich ungefährlichen Situationen (in diesem Falle die Sprechsituationen) an.

Wenn du bedroht wirst (oder falls dein Gehirn meint, das wäre so, warum auch immer), schüttet dein Gehirn Adrenalin und Steroide aus. Dadurch steigt dein Blutzuckerspiegel, also dein Energielevel, an. Außerdem steigen dein Blutdruck und deine Herzfrequenz, wodurch mehr Blut in deine Muskeln fließt.

Häufige Symptome der Kampf-oder-Flucht-Situation sind:

  • schneller Herzschlag
  • Zittern
  • Schwitzen
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Kurzatmigkeit oder Hyperventilieren (hohe Atemfrequenz)
  • Schwindel
  • Muskelverspannung
  • Drang zu fliehen

Während der Sprechangst (Logophobie) kommt es oft zu einer Störung des Redefluss, einem zu hohen oder niedrigen Sprechtempo und zu Sprechblockaden.

Oftmals führt die Logophobie auch zu einem Vermeidungsverhalten. Das bedeutet in diesem Falle, die Betroffenen scheuen es, den anstehenden Termin für die Präsentation wahrzunehmen. Schüler und Studenten schwänzen Referate, die sie halten müssten; Arbeitgeber lassen sich krank schreiben, um eine Präsentation nicht halten zu müssen. In den allermeisten Fällen verursacht ein solches Vermeidungsverhalten nur noch mehr Stress und die Probleme werden größer.

Ursachen der Logophobie

Obwohl die Kampf-oder-Flucht-Reaktion gut funktioniert hat, als Menschen feindliche Angriffe und wilde Tiere fürchten mussten, ist sie in einem Besprechungsraum nicht effektiv. Wenn du den Ursachen deiner Angst auf den Grund gehst, kannst du wirksame Schritte unternehmen, um sie zu bewältigen.

Viele Menschen, die starke Angst vor öffentlichen Auftritten haben, fürchten sich davor, beurteilt (Leistungsangst), beschämt oder abgelehnt zu werden. Vielleicht haben sie eine unangenehme Erfahrung in ähnlichen Situationen gemacht, z. B. einen Bericht in der Klasse gehalten, der nicht gut gelaufen ist. Oder sie wurden aufgefordert, ohne Vorbereitung einen Vortrag zu halten.

Aber auch Schüchternheit, Sozialangst, Stimmstörungen wie Stottern und Mutismus (wenn es einem in manchen Situationen die Sprache verschlägt) und verwandte Erkrankungen, welche die Stimme bzw. das Sprechen betreffen, tragen zum Entstehen einer Logophobie bei.

Obwohl soziale Phobien oft in der Familie gehäuft vorkommen, ist sich die Wissenschaft dahinter nicht einig. Eine Studie aus dem Jahr 2002 berichtete, dass die Zucht von Mäusen, die weniger Angst und Furcht zeigen, zu weniger ängstlichen Nachkommen führt. Es sind jedoch noch weitere Untersuchungen nötig, um festzustellen, ob soziale Phobien vererbbar sind.

Untersuchungen des National Institute of Mental Health ergaben, dass die Gehirne von Menschen mit sozialen Ängsten verstärkt reagieren, wenn ihnen negative Kommentare vorgelesen werden. Betroffen waren die Bereiche, die für die Selbsteinschätzung und die emotionale Verarbeitung zuständig sind. Diese verstärkte Reaktion wurde bei Menschen ohne diese Störung nicht beobachtet.

Wie wird Logophobie behandelt?

Wenn deine Angst vor öffentlichen Auftritten, auch unter der Bezeichnung Kommunikationsangst bekannt, schwerwiegend ist oder dich im Alltag beeinträchtigt, solltest du deinen Arzt aufsuchen. Er kann gemeinsam mit dir zur Hilfe einen gezielten Behandlungsplan erstellen. Zu den möglichen Optionen zählen in der Medizin:

Psychotherapie

Vielen Menschen gelingt es, ihre Logophobie mit einer kognitiven Verhaltenstherapie zu überwinden. Die Zusammenarbeit mit einem Psychotherapeuten kann dir helfen, die Ursache deiner Angst zu erkennen. Du könntest zum Beispiel herausfinden, dass du eher Angst vor Spott als vor dem Sprechen hast, weil du als Kind verspottet wurdest.

Gemeinsam mit deinem Therapeuten erkundest du deine Ängste und die negativen Gedanken, die damit einhergehen. Dein Therapeut kann dir auch zeigen, wie du die negativen Gedanken umgestalten kannst.

Beispiele dafür könnten sein:

  • Anstatt zu denken: "Ich kann keine Fehler machen", akzeptiere, dass alle Menschen bei der Präsentation mal Fehler machen oder etwas auslassen. Das ist in Ordnung. Meistens sind sie den Zuhörern gar nicht aufgefallen.
  • Anstatt zu denken: "Alle werden mich für inkompetent halten", konzentriere dich auf die Tatsache, dass das Publikum will, dass du Erfolg hast. In diesem Fall besinne dich auf deine Fähigkeiten und erinnere dich daran, dass du dein Material sehr gut vorbereitet hast und du das Thema beherrschst.

Sobald du deine Ängste erkannt hast, übe das Präsentieren vor einer kleinen Gruppe, die aus dir wohlgesonnenen Menschen besteht. Wenn dein Selbstvertrauen wächst, kannst du dich auf ein größeres Publikum einstellen.

Eine Alternative zur klassischen Psychotherapie ist die Hypnotherapie (Hypnosetherapie), von der auch viele Menschen profitieren.

Medikamente

Wenn eine Therapie deine Symptome nicht lindert, kann dir dein Arzt eines der verschiedenen Medikamente verschreiben, die zur Behandlung von Angststörungen eingesetzt werden.

  • Betablocker werden normalerweise zur Behandlung von Bluthochdruck und einigen Herzerkrankungen eingesetzt. Sie können aber auch hilfreich sein, um die körperlichen Symptome der Logophobie zu kontrollieren.
  • Antidepressiva werden zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, aber sie können auch bei sozialen Ängsten wirksam sein.
  • Wenn deine Ängste sehr schwerwiegend sind und dein tägliches Leben beeinträchtigen, kann dir dein Arzt auch Benzodiazepine wie Tavor oder Xanax für den Notfall verschreiben, die du aber auf keinen Fall regelmäßig einnehmen darfst, da sie sehr schnell abhängig machen.

Andere Strategien zur Überwindung der Sprechangst

Es gibt einige Strategien, die du in Kombination mit der traditionellen Behandlung oder alleine anwenden kannst.

Zum Beispiel kann es hilfreich sein, einen Kurs oder Workshop zum Thema öffentliches Reden zu besuchen. Viele davon sind speziell für Menschen mit Logophobie entwickelt worden. Vielleicht möchtest du dich auch bei Toastmasters International anmelden, einer Organisation, die Menschen in öffentlichem Sprechen schult.

Hier sind einige weitere Tipps, die dir helfen, in öffentlichen Redesituationen zurechtzukommen:

Zur Vorbereitung

  • Kenne dein Präsentationsmaterial. Das heißt nicht, dass du deine Präsentation auswendig lernen sollst, aber du solltest wissen, was du sagen willst und einen Überblick über die wichtigsten Punkte haben. Konzentriere dich besonders auf die Einleitung, denn hier bist du wahrscheinlich am nervösesten.
  • Schreibe deine Präsentation auf. Übe sie so lange, bis du sie im Griff hast. Dann wirf das Skript weg.
  • Übe mehrmals. Du solltest so lange üben, bis du dich mit dem, was du sagen willst, wohl fühlst. Dann übe noch mehr. Dein Selbstvertrauen wird wachsen, wenn du merkst, dass du weißt, was du sagen wirst.
  • Nimm deine Präsentation auf Video auf. So kannst du notieren, ob Änderungen nötig sind. Und du wirst vielleicht angenehm überrascht sein, wie souverän du aussiehst und klingst.
  • Baue eine oder mehrere Frage(n) des Publikums in deine Routine ein. Notiere dir eine Liste mit Fragen, die dir gestellt werden könnten, und sei darauf vorbereitet, sie zu beantworten. Wenn es angebracht ist, beziehe das Publikum in deine Präsentation mit ein, indem du selbst von dir aus Fragen ans Publikum stellst.

Kurz vor deiner Präsentation

Wenn möglich, solltest du dein Material ein letztes Mal üben, bevor du dich auf den Weg machst, um deine Präsentation zu halten. Außerdem solltest du vor deinem Vortrag weder essen noch koffeinhaltige Getränke zu dir nehmen.

Wenn du an deinem Vortragsort angekommen bist, mach dich mit dem Raum vertraut. Wenn du Geräte wie einen Laptop oder einen Projektor verwendest, vergewissere dich, dass alles funktioniert.

Während deines Vortrags

Denke daran, dass 40 Prozent der Zuhörer/innen ebenfalls Angst davor haben, vor Publikum zu sprechen. Es gibt keinen Grund, sich für deine Nervosität zu entschuldigen. Akzeptiere stattdessen, dass Stress normal ist und nutze ihn, um wacher und energiegeladener zu sein.

Lächle und nimm Augenkontakt mit allen Zuhörern auf, denen du begegnest. Nutze jede Gelegenheit, um ein paar Minuten mit ihnen zu plaudern. Achte darauf, mehrere langsame, tiefe Atemzüge zu machen, um dich bei Bedarf zu beruhigen.

Mark Twain sagte:

"Es gibt zwei Arten von Rednern. Diejenigen, die nervös werden, und die, die lügen."

Ein bisschen nervös zu sein, ist normal. Und du kannst die Logophobie überwinden. Mit ein bisschen Übung wirst du sogar lernen, öffentlich souverän zu sprechen.

Quellen

  1.  https://www.healthline.com/health/glossophobia
Selbstmordgedanken?

Falls du akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar.

Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/

Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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