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September 14, 2021

MAO-Hemmer (Monoaminooxidase-Hemmer) sind eine ältere Generation von Antidepressiva, die heutzutage eher in Ausnahmefällen zum Einsatz kommt. Erfahre hier, warum.

Monoaminoxidase-Hemmer (kurz: MAO-Hemmer) sind eine Antidepressiva-Wirkstoffgruppe, die in den 1950er Jahren entwickelt wurde. Diese Medikamentengruppe ist sehr wirksam bei der Behandlung von Depressionen, Panikstörungen und anderen Angstzuständen wie Phobie(n).

MAO-Hemmer werden heutzutage seltener eingesetzt als die moderneren selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) und andere Antidepressiva, weil man bei der Einnahme bestimmte Vorsichtsmaßnahmen treffen muss und bei der Kombination mit bestimmten Medikamenten ein erhöhtes Risiko an Nebenwirkungen besteht.

Einige gängige Monoaminooxidase-Hemmer sind:

  1. Selegilin: ein MAO B-Hemmer
  2. Marplan (Isocarboxazid):
  3. Nardil (Phenelzin):
  4. Parnate (Tranylcypromin)

Emsam ist ein transdermales (Haut-)Pflaster, das einmal täglich aufgetragen wird. Bei dieser Art der Verabreichung ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass es zu ernährungsbedingten Komplikationen kommt als bei einer oralen Einnahme.

Die Wirkung von MAO-Inhibitoren auf Serotonin, Noradrenalin und Dopamin

Das Gehirn enthält zahlreiche verschiedene Arten von chemischen Botenstoffen (Neurotransmittern), die als Kommunikationsmittel zwischen verschiedenen Gehirnzellen fungieren. Diese Botenstoffe sind molekulare Substanzen, die Stimmung, Appetit, Angst, Schlaf, Herzschlag, Temperatur, Aggression, Angst und viele andere psychologische und körperliche Funktionen beeinflussen können. Monoaminoxidase (MAO) ist ein Enzym, das drei Neurotransmitter abbaut, die mit Stimmung und Angst in Verbindung gebracht werden:

  1. Serotonin: Dieser Neurotransmitter spielt eine Rolle bei der Regulierung von Angstzuständen, Stimmung, Schlaf, Appetit und Sexualität.
  2. Noradrenalin : Auch als Norepinephrin bekannt, beeinflusst Noradrenalin den Schlaf und die Wachsamkeit und es wird angenommen, dass es mit der "Kampf-oder-Flucht"-Stressreaktion zusammenhängt (1)
  3. Dopamin: Es wird angenommen, dass Dopamin nicht nur die Bewegungen des Körpers beeinflusst, sondern auch an der Motivation, Belohnung, Verstärkung und dem Suchtverhalten beteiligt ist. Viele Theorien über Psychosen legen nahe, dass Dopamin bei psychotischen Symptomen eine Rolle spielt (2).

MAO-Hemmer, auch Monoaminoxidase-Inhibitoren oder kurz MAO Inhibitoren-genannt, reduzieren die Aktivität des Enzyms MAO. Weniger MAO führt zu höheren Norepinephrin-, Serotonin- und Dopamin-Werten im Gehirn. Die Vorteile dieser erhöhten Werte sind eine verbesserte Stimmung und eine angstlösende Wirkung.

Selektive MAO-A-Hemmer und selektive MAO-B-Hemmer im Vergleich

Das Kürzel MAO steht für Monoaminoxidasen. Das sind mitochondriale Enzyme und es gibt zwei unterschiedliche Arten davon (9):

  1. Monoaminoxidase A (MAO A) ist die Variante, welche auch bei Pilzen vorkommt,
  2. Monoaminoxidase A (MAO B) ist die Variante, welche ausschließlich bei Säugetieren vorkommt.

Dieses Enzym ist beim Abbau wichtiger Neurotransmitter beteiligt und die Wirkweise bzw. der Wirkmechanismus eines MAO-Hemmers beruht darauf, dass das MAO-Enzym gehemmt bzw. blockiert wird, so dass es seiner Arbeit, dem Abbau von Neurotransmittern, nicht nachgehen kann.

Selektivität

Je nachdem ob die MAO-Wirkstoffe nur zur Hemmung einer einzigen Variante (A oder B) führt oder zur Hemmung beider Varianten (A und B), nennt man sie wie im ersten Falle selektiv oder wie im zweiten Falle nicht-selektiv.

Selektive MAO-B-Hemmer führen also zur Blockade der B-Variante, während ein selektiver MAO-A-Inhibitor nur die B-Variante der Monoaminooxidase hemmen würde.

Reversibilität

Eine weitere Entscheidung, die man bei dieser Medikamentenklasse vornimmt, ist die Reversibilität. Einen MAO-Hemmer nennt man reversibel, wenn seine Wirkung durch die Bindung an die MAO mit dem Abbau des Medikaments nachlässt.

Bei einem irreversiblen MAO-Hemmer bleibt die Hemmung noch weiter bestehen und die Wirkung hält so lange an, bis der Körper das Enzym neu gebildet hat. Das kann einige Wochen dauern und ist der Grund dafür, dass man im Falle eines Medikamentenwechsels (z.B. zu einem Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) bei den betroffenen MAO-Hemmern einige Wochen lang warten muss, bis man ein anderes Antidepressivum oder ein anderes Psychopharmakon einnehmen kann.

Häufige Nebenwirkungen bei der Therapie mit MAO-Hemmern

Die folgende Liste ist nicht vollständig und es können auch andere Nebenwirkungen auftreten, die hier nicht aufgeführt sind. Du solltest alle medikamentenbedingten Nebenwirkungen deinem Arzt melden.

  • Verwirrung
  • Verminderter Schlaf/Schlaflosigkeit (3)
  • Durchfall/Diarrhöe (3)
  • Schwindel
  • Trockener Mund
  • Ödeme (Wassereinlagerungen)
  • Hypertonie (hoher Blutdruck)
  • Hypotension (niedriger Blutdruck) (4)
  • Muskelkrämpfe
  • Übelkeit
  • Sexuelle Dysfunktion (4)
  • Schwäche (5)
  • Gewichtszunahme (4)

Tyramin-induzierte Hypertonie-Krise

Tyramin ist eine Verbindung, die in vielen Lebensmitteln vorkommt. Diese Verbindung wirkt sich auf den Blutdruck aus und wird durch das Enzym MAO reguliert. Wenn das MAO-Enzym gehemmt wird (z. B. wenn du einen MAO-Hemmer einnimmst), dann kann Tyramin gefährlich hohe Werte erreichen, was zu kritisch hohem Blutdruck führt.

Wenn du einen MAO-Hemmer einnimmst, musst du deswegen Lebensmittel und Getränke mit hohem Tyramingehalt meiden, um potenziell tödliche Bluthochdruckspitzen zu vermeiden.

Andere Vorsichtsmaßnahmen und Kontraindikationen

Bevor du eine medikamentöse Therapie mit MAO-Inhibitoren beginnst, solltest du deinen Arzt bzw. deine Ärztin über folgende Krankheiten informieren::

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. früherer Herzinfarkt, Herzkrankheit)
  • Diabetes
  • Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse)
  • Hypertonie (Bluthochdruck) (5)
  • Nierenkrankheit (Nierenerkrankung)
  • Epilepsie

Informiere alle deine behandelnden Ärzte, dass du einen MAO-Hemmer einnimmst. Dazu gehören Ärzte, Arzthelferinnen, Zahnärzte und andere Gesundheitsdienstleister.

Nimm keine Medikamente ohne die Zustimmung deines Arztes ein.

Serotonin-Syndrom durch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Ein gefährlich hoher Serotoninspiegel im Gehirn kann zu einem potenziell lebensbedrohlichen Zustand führen, dem Serotonin-Syndrom. Dieser seltene Zustand ist in der Regel das Ergebnis einer Wechselwirkung von zwei oder mehr Medikamenten, die den Serotoninspiegel im Gehirn beeinflussen. Sogar einige rezeptfreie Nahrungsergänzungsmittel wie Johanniskraut oder 5-HTP können ein Serotoninsyndrom auslösen, wenn ihre Einnahme mit MAO-Hemmern kombiniert wird.

Um das Risiko eines Serotonin-Syndroms zu verringern, sollten ein MAO-Medikament auch niemals zusammen mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRIs), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRIs) oder trizyklischen Antidepressiva eingenommen werden (6 ). Es wird empfohlen, eine medikamentöse Therapie mit anderen Antidepressiva erst 10 bis 14 Tage nach dem Absetzen eines des MAO-Hemmers zu beginnen.

Schwangerschaft

Die Forschung zu Schwangerschaft und Therapie mit MAO-Hemmern ist begrenzt. Im Allgemeinen wird empfohlen, keine Monoaminooxidase-Hemmer während der Schwangerschaft einzunehmen (7). Wenn du stillst oder schwanger bist, solltest du die Risiken und Vorteile einer Therapie mit MAO-Hemmern mit deinem Arzt besprechen.

Absetzsyndrom

Manche Menschen haben über entzugsähnliche Symptome berichtet, wenn sie ihre MAO-Hemmer (MAO-Inhibitoren) absetzen oder beenden. Es wird vermutet, dass diese Symptome darauf zurückzuführen sind, dass das Gehirn versucht, den Serotonin- und Noradrenalinspiegel nach einer abrupten Veränderung zu stabilisieren.

Zu den Symptomen, die beim Absetzen von MAO-Hemmern auftreten können, gehören:

  • Schwindelgefühle (5)
  • Stromschlagähnliche Empfindungen im Nacken und Kopf
  • Kopfschmerzen
  • Muskelbeschwerden
  • Übelkeit (5)

Obwohl keines dieser Symptome als gefährlich gilt, können sie ziemlich beunruhigend sein. Reduziere oder setze deine MAO-Hemmer daher nicht ohne Rücksprache mit deinem Arzt ab.

Selbstmordrisiko

Der Zusammenhang zwischen vermehrten Selbstmordgedanken und der Behandlung mit Antidepressiva, insbesondere bei Jugendlichen, hat in den letzten Jahren für hohe Aufmerksamkeit und Kontroversen gesorgt.

Als Reaktion auf die Befürchtungen, die in einigen Untersuchungen geäußert wurden, hat die US-Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration im Jahr 2007 eine Erklärung abgegeben (8). Sie verlangt von den Herstellern aller Antidepressiva, dass sie auf ihren Produkten eine Warnung über ein mögliches erhöhtes Risiko von Selbstmordgedanken und -verhalten bei jungen Menschen bis 24 Jahren, insbesondere während der ersten Behandlung, anbringen.

Bislang haben Forscher keine endgültige Antwort auf den Zusammenhang zwischen Antidepressiva und Selbstmord gefunden. Bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen verringern Antidepressiva Depressionen und die damit einhergehende Suizidalität und lindern die Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit von Patienten, die deren tägliches Leben bestimmen.

Aber bei einem sehr kleinen Prozentsatz der Menschen, die Antidepressiva einnehmen, ist das möglicherweise nicht der Fall. Wenn du dir diesbezüglich Sorgen machst, sprich offen mit deinem Arzt oder deiner Ärztin und scheue dich nicht, Fragen zu stellen.

Quellen

  1.  Yamamoto K, Shinba T, Yoshii M. Psychiatric symptoms of noradrenergic dysfunction: a pathophysiological viewPsychiatry Clin Neurosci. 2014;68(1):1-20. doi:10.1111/pcn.12126
  2. Cassidy CM, Balsam PD, Weinstein JJ, et al. A Perceptual Inference Mechanism for Hallucinations Linked to Striatal DopamineCurr Biol. 2018;28(4):503-514.e4. doi:10.1016/j.cub.2017.12.059
  3. US Food & Drug Administration. Highlights of prescribing information: Emsam. Updated July 2017. 
  4. US Food & Drug Administration. NARDIL® (Phenelzine Sulfate Tablets, USP).
  5. US Food & Drug Administration. Highlights of prescribing information: Parnate. Updated January 2018.
  6. Dunner DL. Combining antidepressantsShanghai Arch Psychiatry. 2014;26(6):363-4. doi:10.11919/j.issn.1002-0829.214177
  7. Norris MM. Use of antidepressants during pregnancy and lactationMental Health Clinician. 2013;(2)2:58-60. doi:10.9740/mhc.n163520
  8. U.S. Food and Drug Administration.  Antidepressant use in children, adolescents, and adults. revisions to product labeling. May 2007.
  9. https://de.wikipedia.org/wiki/Monoaminooxidase-Hemmer
  10. https://www.verywellmind.com/monoamine-oxidase-inhibitors-maois-2584303
Selbstmordgedanken?

Falls du akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar.

Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/

Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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