Wenn alles zu viel wird - kann Mirtazapin eine Hilfe sein?
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Mirtazapin: Wenn alles zu viel wird

Du leidest unter Depressionen und denkst darüber nach, Dich vom Leben zu verabschieden?

Mirtazapin gehört zu den verschreibungspflichtigen Antidepressiva, die Dir in Phasen der Verzweiflung helfen können. Doch dieses Medikament hat zahlreiche Nebenwirkungen, die sich auf Deinen Alltag auswirken – unter anderem Müdigkeit und Gewichtszunahme. 

Informiere Dich hier umfassend über Mirtazapin.

Über mich

Hallo,
mein Name ist Andreas und ich bin 38 Jahre alt. Ich litt jahrelang unter einer Angststörung mit Panikattacken, Depressionen und Zwangsverhalten


Auf meinem Blog berichte ich über meine persönlichen Erfahrungen meiner (mittlerweile überwundenen) Erkrankungen. Du findest hier aber auch gut recherchierte objektive Artikel zu den Themen Angst und Unruhe, Panik und Depression.


Falls Du mehr über mich erfahren möchtest und was mir persönlich am meisten geholfen hat, kannst Du das hier nachlesen.

Wie wirkt Mirtazapin?

Bei Mirtazapin handelt es sich um ein sogenanntes tetrazyklisches Antidepressivum. Diese Gruppe von Medikamenten sind Nachfolger der trizyklischen Antidepressiva. Der Name stammt von der Form der Moleküle, die bei tetrazyklischen Antidepressiva aus vier und bei trizyklischen Antidepressiva aus drei Ringen bestehen. Mehr Infos über tetrazyklische Antidepressiva findes Du hier.

Mirtazapin wirkt besonders schnell und wird offiziell für die Behandlung von depressiven Episoden verschrieben (1) – zum Beispiel, wenn die Gefahr von Suizid besteht. Weil es so umfassend und rasch angstlösend beruhigt, eignet es sich auch zur Behandlung von einer Angststörung oder Schlafstörung (2). Weil es den Appetit steigert, wird Mirtazapin manchmal auch zur Behandlung von Magersucht eingesetzt (3).

Wofür? Wirkung von Mirtazapin in Kürze


Mirtazapin wirkt

  • Stimmungsaufhellend
  • Schlafanstossend
  • Angstlösend

Allerdings ist Mirtazapin in Deutschland nur für die Behandlung depressiver Episoden zugelassen. Grundsätzlich haben Ärzte jedoch die Freiheit, nach eigenem Gutdünken über die Anwendungsgebiete zu entscheiden. Sie können Patienten aus verschiedenen Gründen ein Rezept für Mirtazapin ausstellen. Der sogenannte Off-Label-Use kann allerdings dazu führen, dass gesetzliche Krankenkassen die Kosten des Medikaments nicht erstatten (4).

Mirtazapin und Rezeptoren für Botenstoffe

Die Wirkung von Mirtazapin erfolgt, indem das Medikament zahlreiche Rezeptoren im zentralen Nervensystem blockiert (5). So dockt Mirtazapin an den 5-HT2- und 5-HT3-Rezeptoren für Serotonin an und verhindert, dass Serotonin dort wirksam wird. 5-HT2-Rezeptoren (6) sind in allen Organen anzutreffen und beeinflussen unter anderem den Blutdruck, Ess- und Sexualverhalten. Die Hemmung dieser Rezeptoren hat unter anderem eine angstlösende Wirkung.

Die 5-HT-3-Rezeptoren sind anders strukturiert als die übrigen Rezeptoren für Serotonin. Sie funktionieren nicht mit Proteinen, sondern mit ligandengesteuerten Ionenkanälen (7) und sind nur in Nervenzellen zu finden. Durch die elektrische Ladung der Ionen sind diese Rezeptoren in der Lage, das Potenzial der Zellmembran zu manipulieren. Sie bewirken quasi einen Kurzschluss in der Zelle. Das hat den Vorteil, dass sie ihre Wirkung sehr schnell ausüben können.

Verstärkte Aktivität von Serotonin

Den 5-HT1-Rezeptor von Serotonin beeinflusst Mirtazapin dagegen nicht. Durch die Blockierung der 5-HT-2- und 5-HT3-Rezeptoren konzentriert sich das Serotonin im Körper deshalb auf die 5-HT-1-Rezeptoren. Sie sind an Lernprozessen sowie an der Regulierung des Blutdrucks und der Körpertemperatur beteiligt. Wenn 5-HT1-Rezeptoren nur wenig aktiv sind, kann das Symptome von Depressionen und Angststörungen verstärken (8).

Paradoxer Effekt von Noradrenalin

Neben den Serotonin-Rezeptoren blockiert Mirtazapin auch den A2-Adrenozeptor. Theoretisch führt das dazu, dass sich der Noradrenalinspiegel im Körper erhöht. Noradrenalin ist ein Botenstoff, der den Sympathikusnerv stimuliert und damit den Körper in erhöhte Leistungsbereitschaft versetzt. Dem widerspricht die allgemein beruhigende Wirkung von Mirtazapin, die nach der Einnahme häufig innerhalb kurzer Zeit zum Einschlafen führt.

Dieses Paradox ist Fachleuten bekannt (9). Allerdings ist noch nicht geklärt, welche Mechanismen dahinterstecken. Interessanterweise führt die Blockierung der A2-Adrenozeptoren auch dazu, dass verstärkt Dopamin im präfrontalen Cortex aktiv wird (10).

Wirkung: Viele offene Fragen

Fest steht, dass Noradrenalin bei Depressionen und anderen psychischen Störungen wie Panikattacken und sozialen Phobien eine Rolle spielt (11). Sicher ist auch, dass die Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin die Stimmung enorm beeinflussen (12). Allerdings gibt es bei der Funktion von Rezeptoren für Botenstoffe noch viele offene Fragen.

So gibt zum Beispiel die paradoxe Wirkungsweise von Lithium auf die Serotoninrezeptoren, ein oft verschriebenes Medikament bei Schizophrenie, Forschern noch viele Rätsel auf (13). Auch die Wirkung von Medikamenten auf die Rezeptoren bietet Wissenschaftler reichlich Stoff für Forschung (14) – obwohl die Pharma Industrie aus eigenem Interesse mit Nachdruck diese komplexen Prozesse erforscht.

Blockade von Histamin-Rezeptoren

Weniger komplex scheinen die Wirkungen von Mirtazapin auf die H1-Rezeptoren für Histamin zu sein. Diese Rezeptoren aktivieren das körpereigene Hormon Histamin, das bei allergischen Reaktionen und anderen Funktionen des Immunsystems eine wichtige Rolle spielt. Die Hemmung dieser Rezeptoren bewirkt eine allgemeine Beruhigung und fördert den Appetit (15).

Antagonisten dieser Rezeptoren wie Mirtapazin werden auch bei der Behandlung von Schlafstörungen, Übelkeit und Erbrechen eingesetzt. Histamin beeinflusst auch den Schlaf-Wach-Rhythmus. Deshalb könnte die Hemmung der Rezeptoren durch Mirtazapin für die starke, lang andauernde Müdigkeit und Schläfrigkeit verantwortlich sein, die eine häufige Nebenwirkung dieses Medikaments ist.

Anwendungsgebiete beleuchtet

Depressionen sind der Hauptgrund für die Verordnung von Mirtazapin. Darüber hinaus gibt es jedoch zahlreiche Anwendungsgebiete für dieses Medikament, den sogenannten Off-Label-Use. Hier siehst Du genau, bei welchen Störungen Dir Mirtazapin helfen kann.

Depressionen sind so verschieden wie Menschen

Es gibt viele verschiedene Arten von Depressionen, die gut auf Mirtazapin ansprechen (16). Eine depressive Episode trägt in der ICD-10, der Internationalen statistischen Klassifikation von Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen, den Code F32 (17). Sie wird in leichte, mittelgradige oder schwere Episode unterschieden. Häufig sind Depressionen auch mit Angststörungen verbunden.

Demnach leiden Patienten unter vermindertem Antrieb und gedrückter Stimmung. Nach jeder Anstrengung fühlen sie sich müde. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind verringert. Gedanken über die eigene Wertlosigkeit und Schuldgefühle dominieren. Den psychischen Zustand begleiten körperliche Symptome wie Schlafstörungen sowie Verlust von Appetit und Libido. Wird die Depression nicht behandelt, führt sie nicht selten zum Suizid.

Depression nach Herzinfarkt und Schlaganfall

Neben Depressionen ohne klar erkennbaren Grund können jedoch auch verschiedene Krankheiten Depressionen auslösen. So kann ein Herzinfarkt zu einer depressiven Episode führen. In diesem Fall ist eine Behandlung mit Antidepressiva wie Mirtazapin angebracht (18). Auf keinen Fall solltest Du gedrückte Stimmung nach einem Herzinfarkt auf die leichte Schulter nehmen. Eine niederländische Studie (19) hat 2007 gezeigt, dass unbehandelte Depressionen das Risiko für einen erneuten Herzinfarkt erhöhen.

Auch Schlaganfälle verursachen häufig depressive Episoden. In diesem Fall verhindert die vorbeugende Einnahme von Mirtazapin in vielen Fällen das Stimmungstief. Auch bei der Behandlung einer Depression nach einem Schlaganfall zeigt Mirtazapin gute Erfolgsquoten (20).

Wenn Krankheit und Alter in die Depression führt

Menschen mit Epilepsie entwickeln oft Depressionen, die gut auf Mirtazapin ansprechen. Dieser Wirkstoff erhöht die Zahl der Anfälle nicht und es bestehen keine Wechselwirkungen mit anderen Epilepsie-Medikamenten. Allerdings brachen Patienten in einer Vergleichsstudie (21) verschiedener Antidepressiva die Behandlung mit Mirtazapin ungewöhnlich oft ab.

Gute Dienste leistet Mirtazapin bei älteren Menschen, die zusätzlich zu Krankheiten Depressionen entwickeln. Durch die Behandlung schlafen sie besser und ihre Lebensqualität bessert sich insgesamt (22). Die Tabletten eignen sich auch für Personen, die aufgrund der Alzheimer Krankheit übererregt sind. Eine 2008 veröffentlichte Studie von türkischen Wissenschaftlern zeigte, dass sich die Patienten beruhigten und gut schliefen, ohne dass die mentalen Fähigkeiten beeinträchtigt wurden (23).

Effektiv bei Angststörungen aller Art

Angststörungen sind häufig eine Folge von Depression, sie können aber jeden Menschen treffen – vom Kleinkind bis ins hohe Alter. Wie bei depressiven Episoden, so nehmen Angststörungen zahlreiche Formen an. Sie reichen von Panikattacken über generalisierte Angststörung und soziale Phobien bis zur posttraumatischen Belastungsstörung.

Zahlreiche Studien belegen, dass Mirtazapin bei Angstzuständen gut wirkt. Allerdings zeigen die Studien auch, dass dieses Medikament dafür einige Zeit braucht. Die Erfolgsquoten verbessern sich deutlich, je länger die Behandlung dauert. So verringert Mirtazapin die Zahl von Panikattacken deutlich, wenn die Behandlung mehrere Wochen dauert (24).

Eine italienische Studie (25) aus dem Jahr 2003 untersuchte Patienten mit Panikattacken, von denen manche zusätzlich an Agoraphobie und Depressionen litten. Nach zwei Wochen lag die Erfolgsquote bei 41 Prozent, nach 12 Wochen jedoch bei 91 Prozent.

Ähnlich sehen die Zahlen bei generalisierter Angststörung aus (26). Etwas weniger effektiv ist Mirtazapin bei der Linderung der Symptome von sozialer Phobie (27). Posttraumatische Belastungsstörungen können ebenfalls mit Mirtazapin behandelt werden (28). Bei Zwangsstörungen scheint Mirtazapin zu wirken, obwohl Menschen mit dieser Krankheit nicht auf Serotonin-Wiederaufnahmehemmer reagieren (29).

Schnell einschlafen dank Mirtazapin

Schlafstörungen sind ein weiteres Anwendungsgebiet von Mirtazapin. Mehrere Studien bestätigen, dass dieses Medikament Schlaf schnell fördert. Bei einer Vergleichsstudie mit Fluoxetin zeigte sich, dass Mirtazapin im Gegensatz zum Serotonin-Wiederaufnahmehemmer die REM-Phase des Schlafs nicht unterdrückt (30).

Hilfreich bei Bewegungsstörungen

Bei essentiellem Tremor spielt das Nervensystem verrückt. Die Ursache für das unkontrollierte Zittern von einzelnen Gliedmaßen ist unbekannt. Mirtapazin hat sich als hilfreich erwiesen, das Zittern zu kontrollieren. Eine italienische Studie (31) aus dem Jahr 2006 zeigte, dass Mirtazapin gut verträglich war und mit den anderen Medikamenten der Patienten keine Wechselwirkungen zeigte.

Lindert Schmerzen

Interessanterweise lässt sich dieses Medikament auch zur Schmerzlinderung aus den verschiedensten Gründen einsetzen. So kann Mirtazapin zur Vorbeugung bei Spannungskopfschmerzen verwendet werden (32).  Besonders effektiv ist die Kombination von geringen Dosen Mirtazapin mit Ibuprofen (33). Bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs lindert das Medikament zahlreiche Symptome, neben Schmerzen auch Übelkeit, Appetitverlust und Schlaflosigkeit (34). Fibromyalgie ist eine weitere Krankheit, bei der Mirtapazin gute Wirkung zeigt (35).

Mirtazapin bei Alkoholsucht

Alkohol- und Methamphetaminsüchtige profitieren ebenfalls von Mirtazapin. Nach dem Entzug verstärkt das Medikament die Wirkung von Psychotherapie, indem es Angstzuständen und depressiver Stimmung entgegenwirkt (36).

Fördert Appetit

Patienten mit Mukoviszidose und Krebskranke während Chemotherapie profitieren von der Appetit fördernden Wirkung von Mirtazapin (37). Auch bei Menschen mit Magersucht führt Mirtazapin zu Gewichtszunahme (38).

Nebenwirkungen von Mirtazapin

Die offizielle Information der Pharmaindustrie und der Tenor in vielen Studien ist, dass Mirtazapin generell gut vertragen wird. Du musst Dir jedoch darüber im Klaren sein, dass es sich bei diesem Wirkstoff um ein starkes Medikament handelt. Wenn Du Erfahrungsberichte im Internet studierst, bekommst Du einen Eindruck von den vielen Nebenwirkungen.

Großes Problem: Somnolenz

Viele Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass sie mit Mirtazapin sehr schnell einschlafen können. Das Problem scheint jedoch zu sein, wieder richtig wach zu werden. Die Schläfrigkeit hält meist auch noch am folgenden Tag an und macht sich in dem Gefühl eines sogenannten Hangover bemerkbar. Das bestätigt auch eine US-amerikanische Studie (39) aus dem Jahr 1998. Demnach ist Somnolenz die häufigste unerwünschte Nebenwirkung von Mirtazapin.

Während der Beipackzettel des Medikaments schlicht Schläfrigkeit oder Müdigkeit nennt, handelt es sich bei Somnolenz um eine ausgesprochen lang anhaltende Antriebslosigkeit und Benommenheit. Du hast das Gefühl, kaum wach zu werden und keinerlei Lust, irgend etwas zu unternehmen. Interessanterweise lässt die Somnolenz bei höheren Dosen von Mirtazapin etwas nach.

Zusätzliche Pölsterchen

Verstärkter Appetit und Gewichtszunahme sind weitere Nebenwirkungen, die sich sehr häufig einstellen. Sehr häufig bedeutet bei Beipackzetteln: Mehr als ein Patient von zehn macht diese Erfahrung. Wenn Du Mirtazapin einnimmst, kannst Du mit einigen Pfund mehr auf den Rippen rechnen. Außerdem ist es wahrscheinlich, dass Dich ein geregelter Arbeitsalltag überfordert.

Zum Teil paradoxe Nebenwirkungen

Die Vielfalt unerwünschter Wirkungen lässt sich damit erklären, dass Mirtazapin auf verschiedene Rezeptoren im ganzen Körper einwirkt. Die Wirkung dieses Antidepressivums ist enorm komplex. Ebenso vielschichtig sind die Nebenwirkungen, die paradoxen Charakter annehmen können. Bei manchen Menschen bekämpft Mirtazapin die Effekte, die sich bei anderen Patienten als unerwünschte Begleiterscheinungen bemerkbar machen.

Hier ist eine Liste der möglichen Nebenwirkungen, die jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

  • Schwindelgefühl und Zittern
  • Ohnmacht beim Aufstehen durch niedrigen Blutdruck
  • Übelkeit, Durchfall und Erbrechen
  • Verlust der Libido
  • Schwellungen durch Wassereinlagerung, vor allem an Knöcheln und Füßen
  • Gelenk-, Muskel- und Rückenschmerzen
  • Verwirrtheit und Angst
  • Lebhafte Träume und Alpträume
  • Schlafstörungen
  • Unruhe und Bewegungsdrang
  • Taubheitsgefühle und anomale Gefühle in der Haut wie Brennen oder Kribbeln
  • Haarausfall

Interessanterweise scheint sich Mirtazapin weniger ungünstig auf das Sexualleben auszuwirken als andere Antidepressiva. Bei einer kleinen Studie US-amerikanischer Wissenschaftler aus dem Jahr 1999 hat sich sogar gezeigt, dass Mirtazapin bei depressiven Patienten die Libido steigert (40).

Alkohol verstärkt die Wirkung von Mirtazapin. Autofahren solltest Du vermeiden, wenn Du dieses Medikament einnimmst.

Mirtazapin Nebenwirkungen: Wie lange?

So unvorhersehbar wie die Nebenwirkungen, so unmöglich lässt sich eine generelle Antwort auf die Frage nach der Dauer der Begleiterscheinungen geben. Durch die lange Halbwertszeit von bis zu 40 Stunden kann es bis zu acht Tage dauern, bis Dein Körper Mirtazapin nach dem Absetzen vollkommen ausgeschieden hat.

Allerdings ist es möglich, dass die Nebenwirkungen trotzdem noch andauern. Manche Menschen berichten, dass sie nach dem Absetzen noch mehrere Monate oder sogar ein Jahr lang unter Nebenwirkungen litten.

Mirtazapin in der Schwangerschaft?

Es gibt Studien über die Einnahme von Mirtazapin während der Schwangerschaft, die keine negativen Auswirkungen auf ungeborene Babys feststellen (41) (42). Allerdings sind die Teilnehmerzahlen zu klein, um wirklich aussagekräftige Schlüsse zuzulassen. Stillende Mütter reichen das Medikament über die Muttermilch an ihre Kinder weiter (43).

Mirtazapin kann zwar Übelkeit und depressive Perioden während und nach der Schwangerschaft lindern. Dennoch empfiehlt es sich, die Einnahme gut abzuwägen. Auf jeden Fall sollte ein Arzt schwangere und stillende Frauen gut überwachen, wenn sie Mirtazapin nehmen. Eine Alternative wäre Aromatherapie, zum Beispiel mit Lavendelöl (44). Allerdings wirken ätherische Öle weit subtiler als eine starke Droge wie Mirtazapin.

Wann wirkt Mirtazapin?

Wie lange dauert es, bis Mirtazapin wirkt? Und: Wie lange wirkt Mirtazapin im Körper? Diese Fragen beschäftigen viele Patienten, denen Mirtazapin verschrieben wurde.

Im Gegensatz zu den sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmern wirkt Mirtazapin wie eine Concorde. Im direkten Vergleich mit Fluoxetin (45) und Citalopram (46) schneidet Mirtazapin hervorragend ab. Die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer brauchen nicht selten wochenlang, bis sie ihre volle Wirkung entfalten. Mirtazapin dagegen wird vom Körper schnell aufgenommen. Innerhalb von zwei Stunden erreicht es die höchste Plasmakonzentration (47).

Wirkungseintritt möglich nach wenigen Minuten

Viele Patienten haben mit Mirtazapin die Erfahrung gemacht, dass es bereits nach wenigen Minuten wirkt. Ein voller Magen bewirkt, dass sich der Wirkungseintritt verzögert. Er beeinflusst aber nicht, wie viel Mirtazapin der Körper verwertet.

Lange Halbwertszeit

Da die Leber Mirtazapin verarbeitet und es anschließend die Darmwand durchdringen muss, beträgt die Bioverfügbarkeit rund 50 Prozent. Die Halbwertszeit bei der Ausscheidung reicht von 20 bis 40 Stunden. Das bedeutet, nach dieser Zeit hat der Körper die Hälfte des Wirkstoffs ausgeschieden. Das Kumulationsgleichgewicht stellt sich nach vier bis sechs Tagen ein (48). Dieses Gleichgewicht bezeichnet den Zustand, wenn sich Einnahme und Ausscheidung die Waage halten.

Bei Frauen und älteren Menschen erreicht Mirtazapin höhere Konzentrationen im Plasma. Außerdem ist bei diesen Personengruppen die Halbwertszeit in der Regel wesentlich länger als bei Männern. Nierenschwäche und Probleme mit der Leber oder schlechte Leberwerte verlängern meist ebenfalls die Halbwertszeit. 85 Prozent des Wirkstoffs werden mit dem Urin ausgeschieden, der Rest mit dem Stuhl.

Die richtige Einnahme von Mirtazapin

Weil das Medikament eine relativ lange Halbwertszeit hat, empfiehlt der Arzt in der Regel die Einnahme abends vor dem Schlafengehen. Bei besonders schweren Fällen von Depressionen oder Angstzuständen kann es aber auch vorkommen, dass er die Tabletten morgens und abends verordnet. Mirtazapin gibt es als Schmelztabletten und als Filmtabletten. Schmelztabletten lässt Du trocken im Mund zergehen. Filmtabletten schluckst Du mit ausreichend Wasser.

Dosierung von Mirtazapin

Die mittlere Dosis von Mirtazapin beträgt zwischen 15 mg und 45 mg am Tag. Als Höchstdosis wird 80 mg täglich betrachtet. Zum Einschlafen werden meist 15 mg vor dem Schlafengehen verschrieben. Allerdings kann diese Menge bereits zu viel sein und lang andauernde Somnolenz verursachen.

Manche Patienten berichten deshalb, dass sie die Dosierung auf 7,5 mg halbieren und damit gut zurechtkommen. Mirtazapin mit 7,5 mg gibt es jedoch nicht im Handel. Manche Hersteller bieten jedoch Tabletten mit 15 mg Mirtazapin an, die zum Teilen eine Kerbe haben. Für die Behandlung von Depressionen gilt 30 mg Mirtazapin als die gängige Dosis.

Neben Tabletten und Schmelztabletten wird Mirtazapin auch als Lösung in der Form von Tropfen angeboten. Die oral eingenommenen Tropfen unter den Handelsnamen Remergil und Remeron sind jedoch in erster Linie für den klinischen Bedarf gedacht.

Hier ist eine Übersicht über die Medikamente führender Hersteller mit Mirtazapin, die im deutschsprachigen Raum erhältlich sind.

Name

Filmtabletten mit mg-Angabe

Schmelztabletten mit mg-Angabe

Mirtazapin Aurobindo

15 mg, 30 mg und 45 mg

15 mg, 30 mg und 45 mg

Mirtazapin Hormosan

15 mg, 30 mg und 45 mg

Mirtazapin Heumann

15 mg, 30 mg und 45 mg

Mirtazapin Ratiopharm

15 mg, 30 mg und 45 mg

15 mg, 30 mg und 45 mg


Neben diesen Herstellern ist Mirtazapin auch unter folgenden Namen in Apotheken erhältlich:

  • Mirta TAD
  • Mirtagamma
  • MirtaLich
  • Mirtazapin 1A Pharma
  • Mirtazapin AAA Pharma
  • Mirtazapin AL
  • Mirtazapin Beta
  • Mirtazapin-biomo
  • Mirtazapin Bluefish
  • Mirtazapin-CT
  • Mirtazapin Hexal
  • Mirtazapin Stada
  • Mirtazapin neuraxpharm
  • Mirtazelon

Mirtazapin tödlich?

Bisher sind keine Todesfälle durch eine Überdosierung von Mirtazapin bekannt (49). Allerdings kann das Medikament in seltenen Fällen eine Knochenmarkdepression verursachen (2). Das bedeutet, die Blutbildung im Knochenmark funktioniert nicht mehr richtig. Bisher sind einige wenige Todesfälle durch Mirtazapin bekannt.

Hauptsächlich Patienten im Alter über 65 Jahre reagierten auf das Medikament mit einer Agranulozytose. Das führt dazu, dass der Körper keine Granulozyten mehr herstellen kann. Diese weißen Blutkörperchen wehren Infektionen ab. Stellen sich nach der Einnahme von Mirtazapin Halsschmerzen und Fieber oder andere Anzeichen einer Infektion ein, solltest Du sofort zum Arzt gehen. Ein Differenzialblutbild kann zeigen, ob Mirtazapin bei Dir eine Knochenmarkdepression auslöst.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Bestimmte Antidepressiva können sich in ihrer Wirkung unterstützen. Allerdings hängt die Wirksamkeit stark vom Individuum und seinem Stoffwechsel ab. Was bei einem Patienten funktioniert, kann bei einem anderen überhaupt nicht wirken. So ist es beispielsweise möglich, dass sich Mirtazapin und Citalopram gegenseitig verstärken (50). Auch die Kombination mit Venlafaxin kann helfen, schwierige Fälle von Depressionen zu bekämpfen (51).

Das trizyklische Antidepressivum Opipramol ist generell ebenfalls dazu geeignet, sich mit ähnlichen Medikamenten kombinieren zu lassen. Allerdings gibt es noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Wirksamkeit dieser Kombination. Manchmal verschreiben Ärzte auch den Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Sertralin gemeinsam mit Mirtazapin.

Vorsicht mit Tavor und Johanniskraut

Tavor dagegen gehört zu den Medikamenten, die kombiniert mit Mirtazapin vermutlich für die meisten Patienten zu stark sind. Das Benzodiazepin Tavor führt zu einer Verstärkung der Somnolenz. Vor allem bei älteren Menschen kann das Urteilsvermögen enorm beeinträchtigt sein. Verwirrung und Bewegungsstörungen sind weitere Nebenwirkungen (52).

Die gemeinsame Einnahme von Mirtazapin und Johanniskraut kann in seltenen Fällen das sogenannte Serotonin-Syndrom auslösen (53). Dieses Syndrom wird nur durch die Einnahme von Medikamenten verursacht. Dabei sammelt sich zu viel Serotonin in den Synapsen an. Die Symptome sind vielfältig und reichen von Schwierigkeiten beim Gehen bis zu krankhaften Gehirnveränderungen, die mit Fieber einhergehen. Zittern und Schwindel sind die häufigsten Symptome.

Gegenanzeigen von Mirtazapin

Auf keinen Fall solltest Du Mirtazapin gemeinsam mit sogenannten MAO-Hemmern einnehmen. Zu den MAO-Hemmern zählen Antidepressiva wie Moclobemid und Tranylcypromin, die gelegentlich bei Depressionen verschrieben werden. Auch das Parkinson Medikament Selegilin zählt zu den MAO-Hemmern. Nach der Einnahme von Mirtazapin sollten mindestens zwei Wochen verstreichen, bevor Du einen MAO-Hemmer nimmst.

Besondere Vorsicht ist bei der Einnahme von Mirtazapin geboten, wenn Du an Epilepsie, Schizophrenie oder Leber-, Nieren- und Herzerkrankungen leidest. Wenn sich Anfälle und Wahnvorstellungen häufen, solltest Du sofort zum Arzt gehen. Bei manisch-depressiver Erkrankung kann sich übermäßige Euphorie oder Nervosität entwickeln. Sollte dies der Fall sein, ist ein Besuch beim Arzt ebenfalls dringend notwendig.

Mirtazapin absetzen

Die Suchtgefahr bei Mirtazapin ist wesentlich geringer als bei Benzodiazepinen wie Tavor. Dennoch kann es beim Absetzen von Mirtazapin zu Entzugserscheinungen kommen. Wie stark die Absetzsymptome sind, hängt in erster Linie von der Dosierung des Medikaments  und der Dauer der Einnahme ab. Je länger und je höher die Dosis war, desto stärker sind die Entzugserscheinungen.

Mögliche Entzugserscheinungen sind

  • Schlafstörungen
  • Angstzustände
  • Unruhe
  • Übelkeit und Erbrechen

Wissenschaftler führen das auf ein gestörtes Gleichgewicht der Botenstoffe zurück (54). Deshalb empfiehlt es sich das sogenannte Ausschleichen von Mirtazapin, eine langsame Verringerung der Dosierung nach Plan bis zum endgültigen Absetzen. Wende Dich dafür an Deinen Arzt. Er kann Dir einen Absetzplan für den Entzug entwerfen und Dich dabei überwachen.

Erfahrungen mit Mirtazapin

Ich habe einen Erfahrungsbericht über meine persönlichen Erfahrungen mit Mirtazapin geschrieben, den Du hier nachlesen kannst. 

Ein persönlicher Tipp

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit CBD-Öl gemacht. Es entspannt und beruhigt mich und hat mir sogar dabei geholfen, von meinen Antidepressiva loszukommen. Ich habe hierzu auch einen eigenen Erfahrungsbericht geschrieben, den Du hier nachlesen kannst.

Fazit: Medikamente helfen im Ernstfall

Mirtazapin gehört zu den Antidepressiva, die deutsche Ärzte häufig bei Depressionen verschreiben. Doch die Anwendungsgebiete dieses tetrazyklischen Antidepressivums sind vielfältig und reichen von Fibromyalgie über Magersucht bis zu Schlafstörungen.

Wenn Du Dich in einer depressiven Episode befindest und dringend Hilfe brauchst, kann Dir Mirtazapin gut helfen. Alles ist besser, als sich aus Verzweiflung umzubringen. Doch die Nebenwirkungen von Mirtazapin können gravierend sein. Somnolenz und Gewichtszunahme sind häufig, ebenso Kopfschmerzen und Mundtrockenheit.

Beim plötzlichen Absetzen kann Mirtazapin Entzugserscheinungen verursachen, deshalb solltest Du es nach Plan ausschleichen. Das Medikament wird in der Regel mit 15 mg pro Tag verschrieben. Doch viele Patienten kommen gut mit einer geringeren Dosis zurecht. Ich empfehle Dir, Erfahrungsberichte im Internet nachzulesen. Das gibt Dir einen Eindruck, was bei der Einnahme von Mirtazapin auf Dich zukommt.

Quellen


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