PTBS: Posttraumatische Belastungsstörung – Schrecken ohne Ende?
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PTBS: Posttraumatische Belastungsstörung – Schrecken ohne Ende?

Ob 09/11, eine Lawine oder ein Verkehrsunfall: Manche Erfahrungen sind einfach zuviel für die Psyche.

Bombenexplosionen im Krieg, Vergewaltigung oder sogar ein Herzinfarkt überlasten viele Menschen und führen zu PTBS. Diese Buchstaben stehen für posttraumatische Belastungsstörung

Informiere Dich hier umfassend über diese Krankheit, bei der Psychosomatik eine wichtige Rolle spielt!

Was ist PTBS?

Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) – auf Englisch post traumatic stress disorder – entwickelt sich meist erst einige Zeit nach einem traumatischen Ereignis (1). Erste Symptome können bereits direkt nach der Erfahrung auftreten. Doch oft scheinen Menschen eine dramatische Erfahrung zunächst gut zu überstehen (2). Bis sich das volle Ausmaß der psychosomatischen Krankheit bemerkbar macht, vergehen oft sechs Monate oder noch länger (3).

Im Prinzip kann jede Katastrophe PTBS auslösen. Ein schwerer Unfall, eine Lawine oder Gewaltverbrechen sind typische Ursachen. Sogar nach einem Seitensprung kann sich die Krankheit entwickeln. Besonders häufig sind Soldaten nach einem Kriegseinsatz von PTBS betroffen. Weil die Symptome der Krankheit erst spät eintreten, werden viele Fälle bei Angehörigen des Militärs nicht erfasst.

Laut einer internationalen Studie erkrankten bis zu 17 Prozent der US-Veteranen nach dem Krieg im Irak an PTBS (4). Die Bundeswehr geht davon aus, dass rund drei Prozent aller Soldaten im Einsatz später PTBS entwickeln. Allerdings wird schätzungsweise nur die Hälfte aller Fälle diagnostiziert (5). Wesentlich höher sind die Zahlen von PTBS bei Flüchtlingen. Experten nehmen an, dass mindestens 40 Prozent von ihnen daran leiden (6).

Ein Grund für das späte Ausbrechen der Krankheit dürfte die langsame Wirkungsweise von chronischem Stress sein. Während des Traumas erleben Betroffene extrem starke Gefühle von Angst, Hilf- und Schutzlosigkeit. Direkt nach dem Ereignis entwickeln viele Menschen Techniken, um mit der Erfahrung zurechtzukommen. Alkoholmissbrauch, Cannabis und andere Drogen dienen oft dazu, den Mantel des Vergessens über unliebsame Erinnerungen zu senken. Drogensucht und Depressionen sind häufige Begleiterscheinungen von PTBS (7).

Unterschied: Generalisierte Angststörung

Bei PTBS hat die Angst und Panik der Betroffenen einen realen Grund, ein Trauma. Im Gegensatz dazu treten bei einer generalisierten Angststörung Panikattacken scheinbar aus heiterem Himmel auf.

Doch Erinnerungen lassen sich nur bedingt unterdrücken. Typisch für Menschen mit PTBS sind Flashbacks und Tagträume, die sie überfallen. Auch Alpträume suchen sie häufig heim. Dissoziation tritt dabei oft auf. Das Gehirn teilt die Erinnerungen in einzelne Eindrücke auf, weil das Grauen sonst übermächtig wäre (8). Manche Betroffene können sich nicht mehr vollständig erinnern oder die Erinnerungen sind auf bizarre Weise verzerrt.

Experten deuten die Flashbacks und Träume als Versuch des Gehirns, Allostase zu erreichen (9). Allostase bezeichnet den Anpassungsprozess von Körper und Psyche, um mit den Folgen eines erschütternden Erlebnisses zurechtzukommen. Nach einer Zeitlang führen die Erinnerungen und ihre Begleiterscheinungen zu chronischem Stress, der die Betroffenen nach und nach überwältigt. Im Gehirn verändern sich Verbindungen zwischen Neuronen und Kreisläufe zwischen einzelnen Gehirnbereichen, unter anderem das Erkennen von Angst, Bedrohung und die Bewertung äußerer Reize (10) (11). PTBS ist das Resultat.

Geschichte einer Definition: ICD-10 und DSM 5

Posttraumatische Belastungsstörung ist ein relativ neuer Begriff, der zum ersten Mal 1980 im diagnostischen und statistischen Handbuch für psychische Störungen (DSM) der American Psychiatric Association erschien (12).

In zahlreichen Legenden und Sagen spielen jedoch Symptome von PTBS bereits eine Rolle. Die vermutlich älteste Beschreibung stammt aus dem Gilgamesch-Epos. Als Gilgamesch den Tod seines Freunds Enkidu beobachtet, trauert er zunächst. Erst nach einiger Zeit realisiert er, dass auch er sterben muss. In panischer Angst macht er sich auf die lang andauernde Suche nach dem Kraut der Unsterblichkeit.

Als einer der ersten beschrieb der amerikanische Arzt Jacob Mendez Da Costa ein vergleichbares Syndrom, das er bei Soldaten im Bürgerkrieg der USA beobachtet hatte (13).  Im Ersten Weltkrieg sprach man von Shell Shock, das die Deutschen Kriegszittern nannten.

Doch erst der Vietnamkrieg führte dazu, dass PTBS als Krankheit anerkannt und in der DSM definiert wurde. Fachleute schätzen, dass rund 700.000 Veteranen psychologische Hilfe brauchten – jeder vierte US-amerikanische Soldat, der in Vietnam war.

Heute gelten bei PTBS zwei unterschiedliche Diagnosekriterien (14):

  1. DSM-5: die fünfte Ausgabe des oben erwähnten Handbuchs für psychische Störungen (15)
  2. ICD-10: die 10. Fassung der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der Weltgesundheitsorganisation (16)

Nach Ansicht von Experten unterscheiden sich die Kriterien nicht in entscheidenden Punkten. In Deutschland ist jedoch die Diagnostik nach der Definition der ICD-10 ausschlaggebend. Fachleute raten jedoch, in schwierigen Fällen auch die Symptome und Kriterien von DSM-5 zu Rate zu ziehen.

Posttraumatische Belastungsstörung bei Kindern

Kinder entwickeln häufiger als Erwachsene PTBS nach einem traumatischen Ereignis. Dabei spielt es auch eine Rolle, ob es sich um ein zwischenmenschliches Trauma handelte oder ob sich die Erfahrung in einem größeren Zusammenhang ereignete. Unter zwischenmenschlichen Traumen versteht man Missbrauch in jeder Form durch eine andere Person. Jungen sind etwas widerstandsfähiger, besonders wenn es sich um nicht-zwischenmenschliche Erfahrungen handelte wie eine Bombenexplosion oder ein Vulkanausbruch. In diesen Fällen entwickelt nur jeder zehnte Junge PTBS. Aber ungefähr jedes dritte Mädchen erkrankt nach einem Missbrauch (17).

Bei Kindern nimmt PTBS häufig eine etwas andere Form an als bei Erwachsenen (18). Deshalb wurden für Kinder spezielle Tests, unter anderem in Form von Fragebogen, entwickelt (19). Dennoch ist die Diagnose schwierig. Vor allem Kleinkinder haben oft Probleme, Erlebnisse mit Worten auszudrücken. Auch wenn ein Interview eine Diagnose für PTBS nicht rechtfertigt: Verhaltensweisen des Kindes können zeigen, dass es diese Krankheit entwickelt hat.

Ein Merkmal von PTBS bei Kindern ist beispielsweise, dass sie erlernte Fähigkeiten wieder verlieren. Trennungsangst, oft ausgedrückt durch Anklammern, rücksichtloses Verhalten und häufige Unfälle sind ebenfalls Anzeichen für PTBS. Dazu kommen psychosomatische Beschweren wie Kopf- und Bauchschmerzen. Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen sind ebenfalls häufig zu beobachten. Das kann zu einer Fehldiagnose führen wie Aufmerksamkeitsdefizits/-Hyperaktivitätsstörung.

Bei einer Diagnose zeigen untersuchte Kinder oft auffällige Verhaltensweisen, die jedoch nur leicht ausgeprägt sind. Subklinisch heißt der Fachausdruck dafür. Das ist jedoch kein Grund, PTBS auszuschließen. Vermeidensverhalten und ein betäubtes Gefühlsleben können dazu führen, dass Kinder massive Störungen entwickeln (20).

Symptome von PTBS

Neben den bereits erwähnten Flashbacks, verzerrten oder fehlenden Erinnerungen sowie Alpträumen bringt PTBS eine Vielzahl von Symptomen mit sich. So kann sogar ein Trauma in der Kindheit im späteren Leben eine Psychose mit Halluzinationen auslösen, ohne dass sich zuvor klassische Symptome von PTBS einstellten (21) (22).

Darüber hinaus sind Psychosen mit Wahnvorstellungen häufig Folge einer PTBS (23). Allerdings können auch schwierige Erfahrungen während einer Psychose PTBS auslösen (24). Depressionen und Suchtverhalten begleiten PTBS besonders oft.

Hypervigilanz, krankhaft erhöhte Wachsamkeit, ist ebenfalls ein verbreitetes Symptom. Allerdings kann das bei Veteranen nach einem Krieg normales Verhalten sein (25). Hypervigilanz bei PTBS ist an erweiterten Pupillen zu erkennen (26).

Typisch ist auch Vermeidungsverhalten. Betroffene vermeiden alle Situationen, die mit dem Trauma in Zusammenhang stehen. Häufig haben Menschen mit PTBS einen schwierigen Zugang zu ihren Gefühlen. Positive Emotionen wie Liebe, Vertrauen können sie kaum noch spüren, während negative Emotionen wie Angst, Scham und Wut lange anhalten (27). In vielen Fällen ist auch Sexualität ein Problem (28).

PTBS-Kranke fühlen sich häufig entfremdet, als stünde eine Wand zwischen ihnen und anderen Menschen. Körperliche Aggressionen gegen Dinge oder Personen gehören zu den Verhaltensmustern, die oft zu Tage treten (29). Die beschriebenen Symptome sind oft so schwer, dass Kranke lange Zeit beziehungsunfähig sind.

Weitere Symptome von PTBS in Kürze:

  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Reizbarkeit und Wutausbrüche
  • Schreckhaftigkeit

Mögliche letzte Konsequenz: Selbstmord

PTBS erhöht das Risiko für Selbstmord enorm. Eine Studie aus dem Jahr 2013 kommt zu dem Schluss, dass jeder dritte PTBS-Kranke im Laufe seines Lebens versuchen wird, sich umzubringen (30). Besonders groß ist die Neigung zu Suizid, wenn PTBS mit Depressionen einhergeht (31). Doch auch die Erfahrung eines Traumas ohne PTBS kann die Selbstmordgefahr beträchtlich vergrößern (32).

Was ist eine komplexe PTBS?

2022 tritt die 11. Version von ICD (internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) in Kraft, ICD-11. Darin ist komplexe PTBS als eigenständige Krankheit erfasst. Im Prinzip handelt es sich um eine verschärfte Version von PTBS, die Folge von Missbrauch und zwischenmenschlicher Gewalt über einen längeren Zeitraum hinweg ist (33).

Zusätzlich zu den bekannten Symptomen zeichnet sich komplexe PTBS durch extreme Stimmungsschwankungen aus sowie ein negatives Selbstbild und zwischenmenschliche Härte – Merkmale, die auch bei einer Borderline Persönlichkeitsstörung häufig zu beobachten sind.

Therapie: Ambulant oder Klinik?

Eine Posttraumatische Belastungsstörung kann Betroffenen das Leben zur Hölle machen. Glücklicherweise haben Psychiater und Psychotherapeuten mittlerweile einige Jahrzehnte Erfahrung in der Traumatherapie (34). Beginnt die Behandlung frühzeitig, kann der Aufenthalt in Kliniken meist vermieden werden.

Häufig werden verschiedene Formen der Psychotherapie mit Medikamenten kombiniert. Kognitive Verhaltenstherapie bringt oft gute Erfolge (35). Die gezielten Augenbewegungen von EMDR haben sich ebenfalls als effektiv erwiesen (36). Darüber hinaus gibt es noch weitere Spielarten von Psychotherapie für die Behandlung von PTBS, etwa Narrative Exposure Therapie oder Brief Eclectic Psychotherapie.

Als Medikament ist in Deutschland nur Paroxetin, ein Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, für die Behandlung von PTBS zugelassen (37). Laut einer Studie aus dem Jahr 2009 wirken Serotonin-Wiederaufnahmehemmer bei rund 60 Prozent aller Patienten mit PTBS (38). Auch Venlafaxin, ein Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, zeigt bei manchen Kranken einen guten Effekt (39).

Wann in die Klinik?

Wenn PTBS gemeinsam mit einer akuten Psychose auftritt oder der Patient unter schweren Depressionen leidet, kann ein Aufenthalt in einer der deutschen Traumakliniken angezeigt sein. Auch bei akuter Selbstmordgefahr ist die Therapie in einer Klinik erfolgversprechender. Eine intensive Psychotherapie kann manchmal in kurzer Zeit viel mehr erreichen als ambulante wöchentliche Therapiestunden (40).

Behandlungen für PTBS gibt es in fast jeder deutschen psychiatrischen Klinik. Nordsee, Schwarzwald oder Alpen: Die Auswahl ist groß, auch für Kassenpatienten. Die Suchmaschine im Internet zeigt Dir, wo eine Traumaklinik in Deiner Nähe ist.

Schwierige Prognose über die Dauer

Wie lange dauert PTBS? Ist PTBS heilbar? Wie sind die Heilungschancen für PTBS? Diese Fragen beschäftigen Betroffene und deren Angehörige natürlich sehr. Doch es ist unmöglich, sie zu beantworten. Manche Menschen können dramatische Ereignisse einfach besser verkraften als andere.

Eine Heilung ist möglich, erfordert manchmal aber viel Geduld. Glückliche Naturen kommen manchmal in ein oder zwei Jahren über PTBS hinweg. Gelegentlich dauert die PTBS auch nur wenige Monate. Nach Auskunft der Website ‚Neurologen und Psychiater im Netz’ beträgt die durchschnittliche Dauer bei PTBS 36 Monate. Ohne Therapie leiden Betroffene im Durchschnitt 64 Monate an ihren Symptomen.

Bei jedem dritten Betroffenen nimmt die Krankheit einen chronischen Verlauf.  Im Zusammenhang mit komplexer PTBS spricht man von chronifizierter komplexer PTBS.

Ein persönlicher Tipp

Ich litt zwar nicht unter einer PTBS, aber bez. meiner Angststörung und meiner Depressionen habe ich sehr gute Erfahrungen mit CBD-Öl gemacht. Es entspannt und beruhigt mich und hat mir sogar dabei geholfen, von meinen Antidepressiva loszukommen. Ich habe hierzu auch einen eigenen Erfahrungsbericht geschrieben, den Du hier nachlesen kannst.

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Bei Gelegenheit muss ich unbedingt auch mal recherchieren, ob es neue Studien zu CBD und dem Vagusnerv gibt, bei meiner letzten Recherche bin ich leider (noch) nicht fündig geworden.

Leben mit PTBS

Für Angehörige und Freunde ist es nicht einfach, mit PTBS zu leben. Depressionen sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch sind unter Kranken mit PTBS weit verbreitet. Das erschwert den Umgang ebenso wie der schwierige Zugang der Kranken zu ihrem Gefühlsleben. Wutausbrüche ohne erkennbaren Grund und Gereiztheit im täglichen Umgang miteinander erschweren das Zusammenleben enorm (41).

Für die Familie ist es zunächst wichtig, sich so gut wie möglich über PTBS und die Symptome zu informieren. Für den Kranken ist von entscheidender Bedeutung, dass ihm die Angehörigen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Geregelte Essenszeiten, gemeinsame Übungen zur Entspannung und ein festgesetzter Tagesablauf mit gleichen Bettzeiten geben dem Alltag einen vorhersehbaren Rahmen.

Zeige dem Kranken zudem, dass Du ihm zuhörst. Ein gutes Gefühl für Balance ist wichtig, dass der Betroffene nicht in die Rolle des hilflosen Kinds abrutscht. Grenzen einzuhalten, musst Du ebenfalls üben. Gewalttätigkeit darfst Du nicht akzeptieren. Ärger und Wut solltest Du am besten nicht persönlich nehmen.

PTBS belastet enorm. Deshalb brauchen auch Angehörige professionelle Hilfe. Sprich Deinen Arzt auf Psychotherapie an. Ein erfahrener Therapeut kann Dir Rückendeckung geben und nützliche Hinweise, wie Du den Alltag daheim gestalten kannst und wie Du mit Problemen umgehst.

Kann man mit PTBS arbeiten?

Die Antwort auf diese Frage hängt von der Schwere der Symptome ab. Verläuft die Krankheit nicht sehr schwer, kann man unter Umständen arbeiten. Meist ist diese Störung jedoch mit langen Perioden von Arbeitsunfähigkeit verbunden.

Schwerbehinderung und Rente

Im Prinzip kann eine psychische Störung als Folge von Traumen als Schwerbehinderung anerkannt werden. Das würde einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente begründen. Der Grad der Behinderung (GdB) muss jedoch mindestens 50 betragen. Allerdings muss es sich dabei um eine schwere Störung handeln, die laut GdB-Tabelle mit mittelgradigen sozialen Anpassungsschwierigkeiten verbunden ist.

Um Rente zu bekommen, musst Du ein Feststellungsverfahren nach dem Schwerbehindertenrecht an Deinem Wohnort beantragen und erfolgreich bestehen. In Bayern kannst Du diesen Antrag bereits online stellen (41). Das Antragsformular (link zu https://www.uni-wuerzburg.de/fileadmin/32500250/antrag_auf_feststellung_einer_behinderung.pdf) kannst Du im Internet herunterladen.

Mein Tipp: Es ist schwierig, Rente aufgrund einer psychischen Störung zu bekommen. Ich rate Dir deshalb, Dich zuerst einmal an einen spezialisierten Rechtsanwalt zu wenden.

Meine Erfahrung mit  Trauma

Dieser Artikel ist von Kornelia geschrieben. Es handelt sich somit um ihre Erfahrungen.

Nicht jedes Trauma führt zu PTBS. Im Jahr 1994 reiste ich mit einer Royal Enfield durch Indien. Gemeinsam mit einem Bekannten wollte ich von Manali über den Himalaya nach Ladakh fahren. Als Frau war das unheimlich anstrengend für mich. Wir mussten einige eisige Gebirgsbäche durchqueren – ich glaube, ich bin in jeden einzelnen Fluss gefallen. Am dritten Tag brach meine Kette, glücklicherweise in der Nähe eines Zeltlagers.

Dummerweise hatte ich kein Kettenschloss dabei. Wir sicherten uns zunächst eine Unterkunft in einem Zelt. Dann ging ich in ein nahes Camp der Indischen Armee, um nach dem Ersatzteil zu fragen. Der Commander nahm mich ungemein freundlich auf und zeigte mir sein Reich. Währenddessen wurde es dunkel.

Zu diesem Zeitpunkt war ich so erschöpft, dass ich Warnsignale nicht weiter beachtete. Der Commander wollte mir ständig Alkohol einflößen und mich zum Abendessen überreden. Als er Übernachten erwähnte, hatte ich jedoch genug. Ich verlangte, dass er mich zu meinem Zelt bringt.

Er setzte mich in einen Jeep mit zwei Soldaten. Ungefähr auf der Hälfte des Wegs hielten sie an, zogen mich aus dem Auto und wollten mich vergewaltigen. Einer biss mich in die Wange, während der andere an meinen Hosen zerrte. Ich schrie wie am Spieß.

Nach einigen Minuten wurde mir klar, dass ich keine Chance habe. Ich ergab mich in mein Schicksal, wurde ruhig und sah mich umgeben von goldenem Licht. Das änderte die Situation. Die Männer ließen von mir ab und setzten mich wieder in den Jeep. Nach ein paar weiteren Metern versuchten sie es erneut. Ich fing wieder zum Schreien an. Diesmal hatten sie endgültig genug. Offenbar waren sie fügsame Mädchen gewohnt, kein wehrhaftes Weib. Sie ließen mich zurück.

Die kommenden Wochen hatte ich den Abdruck von Zähnen im Gesicht. Glücklicherweise hinterließ die Erfahrung keine bleibenden Schäden. In Leh besuchte ich eine tibetische Heilerin. Ob ihre Prozedur irgendetwas bewirkte, kann ich nicht sagen.

Jedenfalls entwickelte ich keine posttraumatische Belastungsstörung, obwohl meine Psyche nicht besonders stabil ist. Ich habe reichlich Erfahrung mit Ess-Störungen und anderem Suchtverhalten. Ein paar Wochen lang war ich jedoch übervorsichtig und erlebte das Geschehen ständig wieder.

Doch dann begannen die Erinnerungen zu verblassen. Statt mich zu schwächen, hat mich die Erfahrung gestärkt. Früher hatte ich immer gefürchtet, im Ernstfalls zu versteinern und zu verstummen. Jetzt weiß ich: Ich kann schreien.

Fazit: Posttraumatische Belastungsstörung – das Leben geht weiter

Eine posttraumatische Belastungsstörung ist mit zahlreichen Symptomen verbunden, die das Leben zur Hölle machen können. Depressionen, Drogenmissbrauch und plötzliche Wutanfälle sind typische Begleiterscheinungen.

Je früher eine Therapie beginnt, desto besser sind generell die Chancen einer Behandlung. Für Familie und Freunde ist PTBS ebenfalls eine Belastungsprobe. Sie brauchen ebenso Hilfe wie Betroffene. Mit professionellem Beistand ist es möglich, die Krankheit zu bewältigen – manche Menschen überstehen diese Krise sogar ohne Behandlung. Auf jeden Fall gilt: Das Leben geht weiter. Nur Du selbst kannst den Silberstreifen am Horizont erkennen.

Quellenverzeichnis:


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