Somatic Experiencing SE bezeichnet eine Methode der Traumatherapie, die der US-amerikanische Wissenschaftler Dr. Peter Levine entwickelt hat.

Trauma aller Art hinterlässt tiefe Spuren in Körper und Seele. (Weiter unten im Artikel erfährst Du, was es mit dem Tiger auf sich hat.)

Sie zielt auf die Überwindung von Trauma mit Arbeit am Körper ab.

Dabei geht es nicht darum, den Schock traumatischer Ereignisse erneut zu durchleben. Stattdessen soll das Nervensystem des Körpers die Heilung durch ein Gefühl von Sicherheit bewirken.

Informiere dich hier umfassend über Somatic Experiencing und seine Anwendungen.

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Über mich

Hallo,

mein Name ist Andreas und ich bin 44 Jahre alt. Ich litt jahrelang unter einer Angststörung mit Panikattacken, Depressionen und Zwangsverhalten.

Falls Du mehr über mich erfahren möchtest und was mir persönlich am meisten geholfen hat, kannst Du das hier nachlesen.

Was ist Somatic Experiencing?

Somatic Experiencing Bodies

Die Bedeutung von Somatic Experiencing SE ergibt sich bereits aus dem Namen. Das englische Adjektiv somatic bezeichnet alles, was den Körper betrifft. Es verdeutlicht, dass es sich dabei nicht um rationale Angelegenheiten handelt. Experiencing lässt sich mit erleben oder erfahren übersetzen.

SE ist das Lebenswerk von Dr. Peter Levine. Es ist unmöglich, diese Methode ohne ihren Schöpfer vorzustellen, der sie über vier Jahrzehnte lang entwickelt hat (1).

Dr. Peter Levine: Neuer Ansatz für die Heilung von Trauma

dr peter levine

Der 1942 geborene Peter A. Levine promovierte in Berkeley in medizinischer Biophysik und in Psychologie. Die Kombination dieser Wissensbereiche half ihm dabei, die Grundlagen traumatischer Situationen und die Reaktionen im Nervensystem zu verstehen. Während der Entwicklung der Space Schuttle arbeitete er als Berater für die NASA. Außerdem lebte er längere Zeit beim Indianer-Stamm der Hopi.

Mit Heilung von Körper und Seele beschäftigte er sich auch als Lehrer an zahlreichen Kliniken in den USA. Zudem gründete er die Non-Profit-Organisation Foundation for Human Enrichment in Boulder, Colorado. Mit dieser Organisation will Dr. Peter Levine unnötige Entwicklungstrauma verhindern.

Darüber hinaus ist er Autor von mehreren Bestsellern, unter anderem Traumaheilung (1997)Vom Trauma befreien (2007) sowie Trauma und Gedächtnis (2015). Für Somatic Experiencing erhielt Peter A. Levine bereits zwei Auszeichnungen, 2010 für Psychotherapie des Körpers und 2020 für sein Lebenswerk.

Ziel: Gefühl der Sicherheit im Leben

Was zeichnet Somatic Experiencing für die Bewältigung von Stress und Trauma aus? Dieser Ansatz der Traumatherapie legt die Betonung auf neue Erfahrungen im Körper. Laut Dr. Levine ist der Schlüssel zur Heilung nicht das erneute Durchleben einer traumatischen Situation.

Stattdessen sollen mit der Therapie neue Erfahrungen geschaffen werden, die eine Integration des Traumas ermöglichen und ein Gefühl der Sicherheit erzeugen.

Was ist Trauma?

Somatic Experiencing (SE) geht davon aus, dass Trauma aller Art und chronischer Stress im Körper ihre Spuren hinterlassen.

Eine Situation wird erst dann zum Trauma, wenn sie eine bestimmte Linie übertritt. Kennzeichnend dafür ist ein Gefühl der Hilflosigkeit, weil das Ereignis die Schutzhülle des Menschen verletzt hat (2).

Ein Trauma kann vielerlei Gestalt annehmen.

Verkehrsunfälle, Operationen und schwere Krankheiten können ebenso ein traumatisches Ereignis darstellen wie Vernachlässigung, sexueller Missbrauch und Gewalt aller Art, Naturkatastrophen oder sogar eine Bedrohung vor der Geburt im Mutterleib.

Schocktrauma oder Entwicklungstrauma?

Als Schocktrauma gilt eine einmalige Situation, die alle Mechanismen der Selbstregulation außer Kraft setzt und eine erfolgreiche Integration verhindert. Entwicklungstrauma dagegen ist ein traumatisches Erlebnis in frühen Lebensphasen, das sich im späteren Leben häufig als Bindungs-Probleme bemerkbar macht. Dr. Levine bezeichnet Trauma als die „am häufigsten ignorierte Ursache menschlichen Leidens“.

Im alltäglichen Leben reagiert der Körper auf gefährliche Ereignisse mit drei verschiedenen Strategien:

  • Flucht
  • Kampf
  • Erstarrung

Das autonome Nervensystem ist für die Reaktion in gefährlichen Situationen verantwortlich. Die Bereitschaft zu Flucht und Kampf löst die typischen Reaktionen im Gehirn aus, die bei Stress ablaufen. Die Amygdala (Mandelkerne) schlagen Alarm und verursachen eine Kaskade von biochemischen Reaktionen.

Nerven und Botenstoffe im Körper bereiten ihn in Sekundenschnelle auf Höchstleistung vor (3). Ist das Ereignis vorüber, findet eine Lösung im Körper statt. Das Stresshormon Cortisol wird mit der Zeit abgebaut, der Stoffwechsel beruhigt sich (4).

Das Nervensystem erinnert sich

Anders sieht die Lage aus, wenn der Körper bei einem Schocktrauma in Erstarrung verfällt oder wenn Stress chronisch wird. In diesem Fall können sich Erlebnisse auf der Ebene der Zellen eingraben (5). Das kann zu tiefgreifenden Folgen führen, die automatisch Symptome im alltäglichen Leben erzeugen – lange nachdem das Nervensystem auf das eigentliche Ereignis reagiert hat (6).

Therapeuten von Somatic Experiencing wie die Berlinerin Anne Janzen beschreiben deshalb Trauma in erster Linie als im Nervensystem gebundene Überlebensenergie. Diese versteckte Energie braucht eine Lösung, damit eine Überwältigung des Patienten durch schwer verstehbare Symptome ausgeschlossen ist.

Mittlerweile gilt Somatic Experiencing SE als eine erfolgreiche Methode bei der Traumatherapie. Besonders bei der schwer zu behandelnden Posttraumatischen Belastungsstörung hat sich Somatic Experiencing SE als hilfreich erwiesen (7). Sogar beim Pflegepersonal von Traumapatienten hat sich Somatic Experiencing bewährt, um die Stressresilienz zu erhöhen (8).

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Tiger: Symbol für Somatic Experiencing SE

Wie wichtig dieses Modell der gebundenen Energie für das Verständnis von Trauma ist, zeigt die Geschichte von Somatic Experiencing SE. Bereits 1969 entdeckte Dr. Levine, dass die gebundene Lebensenergie auf Umwegen erreicht werden kann. Er fand das heraus, als er mit einer Patientin mit schweren Angststörungen Gedankenübungen betrieb. Er bat sie, im Geist vor einem Tiger davonzulaufen (9).

Das führte zu einer starken, körperlichen Reaktion mit heftigem Zucken. Gleichzeitig konnte sich die Frau an ein Ereignis in ihrer Kindheit erinnern. Für eine Mandeloperation war sie mit Äther betäubt worden und fühlte sich dabei dem Ersticken nahe. Das löste später im Leben Symptome wie Angstzustände und Phobien aus.

Die Erinnerung an das Ereignis führte zu einer Lösung der Symptome. Diese Erfahrung mit dem Tiger war ein Meilenstein für Dr. Levine und seine Patientin. Seitdem gilt der Tiger bei Somatic Experiencing als das Symbol für den instinktiv reagierenden Teil der Persönlichkeit.

Arbeit mit SE: Übungen für Körperwahrnehmung

SE Koerpergedaechtnis

Bei der Traumatherapie mit Somatic Experiencing SE steht das behutsame Aufspüren von Körperwahrnehmung mit Hilfe des Therapeuten im Vordergrund. Mit verschiedenen Methoden soll die im Nervensystem eingefrorene Energie langsam aufgetaut werden.

Die verstärkte Wachsamkeit im Körper beeinflusst Gedanken und Gefühle positiv und erlaubt so die allmähliche Integration des Traumas.

Der Ablauf einer Behandlung lässt sich nicht genau beschreiben, weil er individuell gestaltet wird. Auf keinen Fall wird der Therapeut den Patienten wie bei einer Konfrontationstherapie direkt auf die Ursachen des Traumas stoßen.

Stattdessen wird mit Zentrierung und Erdung die Körperwahrnehmung so geschult, dass ein Gefühl von Sicherheit entsteht. Heilung tritt bei Somatic Experiencing dann ein, wenn Denken oder Sprechen nicht mehr zu Stressreaktionen im Nervensystem führen.

Kritik an Somatic Experiencing SE?

Erstaunlicherweise erfreut sich die Methode von Somatic Experiencing allgemeiner Wertschätzung. Kritiker halten sich mit ablehnenden Kommentaren stark zurück. Sogar das eher zurückhaltende deutsche Ärzteblatt bezeichnet Dr. Levines Buch über Somatic Experiencing SE Sprache ohne Worte (2010) als Bereicherung für Psychotherapeuten und andere Professionen (10).

Wer zahlt für die Behandlung?

Obwohl Somatic Experiencing SE mittlerweile allgemein anerkannt ist, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland bisher noch nicht die Kosten für diese Traumatherapie. Es ist allerdings möglich, dass ein Anwender von SE die Kosten im Rahmen einer Psychotherapie mit der Krankenversicherung abrechnen kann. Das solltest du jedoch im Einzelfall mit deiner Krankenkasse und mit dem Therapeuten klären. Der deutsche Verein Somatic Experiencing SE bietet eine Liste mit möglichen SE Anwendern an (11).

Ausbildung zum SE Therapeut

Nur Therapeuten mit Heilerlaubnis dürfen Behandlungen mit SE anbieten. Das sind in der Regel Angehörige der Heilberufe wie Ärztinnen, Psychotherapeutinnen und Heilpraktikerinnen. Dr. Levine hat für die Ausbildung ein 3-jähriges Training entworfen.

Der deutsche Verein Somatic Experiencing zertifiziert die Therapeuten gemeinsam mit der European Association for Somatic Experiencing. Zertifizierte SE Anwender ohne Heilerlaubnis können die Methode beratend oder begleitend einsetzen.

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Fazit: Somatic Experiencing statt Herumstochern im Gedächtnis?

SE Treppe

Der Ansatz von Somatic Experiencing scheint vielversprechend, um die Heilung von Trauma herbeizuführen. Das häufige Versagen der traditionellen Psychoanalyse zeigt, dass ein rationales Herangehen an emotionale Wunden nicht der einzige Weg sein kann.

Tatsächlich vergleichen manche Wissenschaftler die auf innere Achtsamkeit fokussierte Methode von SE mit verschiedenen Meditationstechniken und sanften Arten der Körperarbeit wie Yoga, Qui Gong oder Feldenkrais. Diese Behandlungsansätze können in vielen Fällen Symptome lindern, wenn herkömmliche Methoden wie Psychotherapie oder Psychopharmaka versagen.

Somatic Experiencing ist sicher kein Allheilmittel, weil es keine Patentlösung für Probleme der menschlichen Psyche gibt. Aber die Erfolge bei der Behandlung von Posttraumatischer Belastungsstörung überzeugen und lassen hoffen. Wenn du an schwer zu behandelnden Symptomen leidest, ist Somatic Experiencing auf jeden Fall einen Versuch wert.

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