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Oktober 13, 2022

tDCS: Chemiefreie Therapie für Depressionen

Was ist tDCS-Therapie, wie funktioniert es und wie wirksam ist es bei Depressionen und Ängsten? Hier erfährst du es.

tDCS heißt eine Behandlung, die allen Patienten mit Major Depression und leichteren Formen von Depressionen Hoffnung gibt. Diese Buchstaben stehen für transcranial Direct Current Stimulation, auf Deutsch transkranielle Gleichstromstimulation. Diese medikamentenfreie Therapie kannst Du jetzt auch preiswert zu Hause durchführen. Hier erfährst Du alles, was du über diese Behandlung mit Strom wissen musst.

Gleichstromstimulation, innovatives Tool für Major Depression

Strom wird seit langer Zeit für die Behandlung von Schmerzen und zahlreichen anderen Erkrankungen verwendet. Schließlich beruht die Reizweiterleitung im menschlichen Nervensystem auf bioelektrischen Reizen. Giovanni Aldini nutzte eine frühe Form von tDCS bereits im Jahr 1801, um Depression zu behandeln (1).

Seit der Jahrtausendwende hat diese Technik rasante Fortschritte gemacht. Dabei hat sich die Methode kaum verändert. Mittels Elektroden auf der Kopfhaut wird Gleichstrom durch den Schädelknochen zu den Nervenzellen geleitet. Die Wissenschaft bezweifelt heute nicht, dass sich durch Direct Current Stimulation (tDCS) tatsächlich Effekte auf den Kortex und andere Gehirnbereiche erzielen lassen (2).

Wie funktioniert transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) genau?

Bei Depressionen ist häufig der dorsolaterale präfrontale Kortex (DLPFC) beeinträchtigt, eine Region im Frontallappen vom Gehirn (3). Bei tDCS werden an zwei Stellen der Kopfhaut Elektroden befestigt, genauer eine positiv geladene Anode und eine negativ geladene Kathode.

Aufgrund der Polarität zwischen den Elektroden fließt Gleichstrom durch den Kopf, dessen Effekt von der Stromdichte, der Ladung und der Stimulationsdauer abhängt. Unter der Anode wird durch die Wirkung des Stroms die Erregbarkeit der Nervenzellkörper erhöht, während die Erregbarkeit unter der Kathode gehemmt wird. Mit dieser Methode ist es möglich, die Aktivität des DLPFC zu modulieren. Die Dauer und die Intensität entscheiden darüber, welche Wirkung der Patient bei tDCS verspürt und wie stark Symptome der Erkrankung gelindert werden.

Anwendung: Wie oft musst Du Dich mit tDCS behandeln lassen?

Studien haben gezeigt, dass die Wirksamkeit von tDCS von der Wiederholung der Anwendung abhängt, wobei die Behandlung mit tCDS fünf Mal pro Woche als ideal angesehen wird (4-5). Von Bedeutung für die Wirkung beim Patienten ist in erster Linie die Intensität des Stroms, der bei der Behandlung aufgrund der Polarität zwischen den Elektroden durch den DLPFC fließt.

Vorteile der transcranial Direct Current Stimulation

Depressionen sind schwer zu behandeln. Antidepressiva haben zum Teil erhebliche Nebenwirkungen und verfehlen oft das Ziel, den Patienten von der mentalen Erkrankung zu befreien. Eine Psychotherapie kann in vielen Fällen helfen, die Symptome von Depressionen zu verringern. Doch oft vergehen Monate, bis Du einen Termin bei einem Psychiater oder einem Psychotherapeuten bekommst. Wer an Depressionen leidet, braucht jedoch sofort Hilfe.

tDCS dagegen hat den Vorteil, dass zahlreiche Studien die Wirkung der Anwendung auf das Gehirn belegen. Diese medikamentenfreie Therapie hat sich bei Depression bereits vielfach bewährt. Eine 2020 veröffentlichte Studie eines Teams internationaler Wissenschaftler hat die Ergebnisse von 9 Studien analysiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass die Wirksamkeit der Gleichstromstimulation außer Frage steht (6).

Tatsächlich halten sie es für erwiesen, dass die Stimulation durch Strom sogar lange nach dem Einsatz der Behandlung anhält, nicht nur bei Depressionen, sondern auch bei anderen Erkrankungen. Zudem gilt die Therapie mit tDCS als sicher (7). Zu den Nebenwirkungen zählt Jucken und leichtes Brennen der Kopfhaut unter einer Elektrode. Der Strom wird meist kaum wahrgenommen.

Erfahrungen mit tDCS bei Depressionen

Die Angst vor dem Unbekannten scheint bei der tDCS der schlimmste Feind zu sein. Das zeigt eine Studie aus dem Jahr 2021 (8). Die meisten Patienten mit Depression und anderen mentalen Störungen berichteten nur beim ersten Einsatz von unangenehmen Nebenwirkungen.

Experten schätzen, dass tDCS bei vier von fünf Patienten Depressionen lindert – damit kann diese Methode als überaus erfolgreich bezeichnet werden.

Der Flow Neuroscience: ein Gerät für tDCS zu Hause

Flow heißt ein Gerät, das die Behandlung mit tDCS jetzt ganz bequem in Deinem Zuhause ermöglicht. Eine App für Dein Smartphone ergänzt das Headset. Die Hersteller empfehlen den Einsatz ihres Flow-Headsets in der ersten Phase der Behandlung fünf Mal über einen Zeitraum von ein bis drei Wochen hinweg. Anschließend schützen Dich zwei Behandlungen pro Woche vor neuen Depressionsschüben. Auf der Website kannst Du das nötige Zubehör für die Elektroden bestellen.

Preis für Flow Neuroscience: Erschwinglich

Wenn Du das Headset nicht gleich kaufen willst, kannst Du es auch für 89 Euro im Monat mieten. Das erlaubt Dir für einen absolut erschwinglichen Preis, diese Methode zu testen. Der Preis für das Headset beträgt 344 Euro.

Quellen

  1. Parent A. Giovanni Aldini: from animal electricity to human brain stimulation. Can J Neurol Sci. 2004 Nov;31(4):576-84. doi: 10.1017/s0317167100003851. PMID: 15595271. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15595271/)
  2. Chase HW, Boudewyn MA, Carter CS, Phillips ML. Transcranial direct current stimulation: a roadmap for research, from mechanism of action to clinical implementation. Mol Psychiatry. 2020 Feb;25(2):397-407. doi: 10.1038/s41380-019-0499-9. Epub 2019 Aug 27. PMID: 31455860; PMCID: PMC6981019. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31455860/
  3. Pizzagalli, D.A., Roberts, A.C. Prefrontal cortex and depression. Neuropsychopharmacol. 47, 225–246 (2022). (https://doi.org/10.1038/s41386-021-01101-7)
  4. Alonzo A, Brassil J, Taylor JL, Martin D, Loo CK. Daily transcranial direct current stimulation leads to greater increases in cortical excitability than second daily transcranial direct current stimulation. Brain Stimul. 2012 Jul;5(3):208-213. doi: 10.1016/j.brs.2011.04.006. Epub 2011 May 20. PMID: 22037139. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22037139/)
  5. Potter-Baker KA, Janini DP, Lin YL, Sankarasubramanian V, Cunningham DA, Varnerin NM, Chabra P, Kilgore KL, Richmond MA, Frost FS, Plow EB. Transcranial direct current stimulation (tDCS) paired with massed practice training to promote adaptive plasticity and motor recovery in chronic incomplete tetraplegia: A pilot study. J Spinal Cord Med. 2018 Sep;41(5):503-517. doi: 10.1080/10790268.2017.1361562. Epub 2017 Aug 7. PMID: 28784042; PMCID: PMC6117576. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28784042/)
  6. Moffa AH, Martin D, Alonzo A, Bennabi D, Blumberger DM, Benseñor IM, Daskalakis Z, Fregni F, Haffen E, Lisanby SH, Padberg F, Palm U, Razza LB, Sampaio-Jr B, Loo C, Brunoni AR. Efficacy and acceptability of transcranial direct current stimulation (tDCS) for major depressive disorder: An individual patient data meta-analysis. Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2020 Apr 20;99:109836. doi: 10.1016/j.pnpbp.2019.109836. Epub 2019 Dec 16. PMID: 31837388. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31837388/)
  7. Chhabra H, Bose A, Shivakumar V, Agarwal SM, Sreeraj VS, Shenoy S, Hazari N, Dinakaran D, Parlikar R, Koparde V, Ramesh V, Biswal J, Murugaraja V, Gowda SM, Chand PK, Sivakumar PT, Kalmady SV, Narayanaswamy JC, Murthy P, Girimaji SC, Venkatasubramanian G. Tolerance of transcranial direct current stimulation in psychiatric disorders: An analysis of 2000+ sessions. Psychiatry Res. 2020 Feb;284:112744. doi: 10.1016/j.psychres.2020.112744. Epub 2020 Jan 2. PMID: 31955053. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31955053/)
  8. Grycuk L, Moruzzi F, Bardjesteh E, Gaughran F, Campbell IC, Schmidt U. Participant Experiences of Transcranial Direct Current Stimulation (tDCS) as a Treatment for Antipsychotic Medication Induced Weight Gain. Front Psychol. 2021 Jun 21;12:694203. doi: 10.3389/fpsyg.2021.694203. PMID: 34234727; PMCID: PMC8255922. (Grycuk L, Moruzzi F, Bardjesteh E, Gaughran F, Campbell IC, Schmidt U. Participant Experiences of Transcranial Direct Current Stimulation (tDCS) as a Treatment for Antipsychotic Medication Induced Weight Gain. Front Psychol. 2021 Jun 21;12:694203. doi: 10.3389/fpsyg.2021.694203. PMID: 34234727; PMCID: PMC8255922.)

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Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit meiner Frau, unserer Tochter und unserem Hund im Süden Deutschlands. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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