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Juli 4, 2021

Dass Antidepressiva v.a. bei schweren Depressionen gut wirksam sein können, ist bekannt. Doch wie lange dauert es bis Antidepressiva wirken? Hier erfährst Du es.

Wenn Dir ein Antidepressivum verschrieben wurde, um die Symptome Deiner Depressionen und/oder Ängste zu reduzieren, dann fragst Du Dich vielleicht, wie lange es dauert, bis das Medikament wirkt.

In diesem Artikel erfährst Du,

  • wann die ersten Effekte von Antidepressiva eintreten,
  • wie lange es dauern kann, bis die volle Wirkung eintritt,
  • wie lange die anfänglichen Nebenwirkungen anhalten,
  • wie lange Du die Antidepressiva-Tabletten einnehmen solltest,
  • und wie lange Antidepressiva im Körper verbleiben.

Antidepressiva - Medikamente gegen Depressionen

Wie der Name schon sagt, werden Antidepressiva zur Behandlung der Symptome von Depressionen eingesetzt. Es hat sich gezeigt, dass diese Medikamentenklasse auch die Symptome von Angststörungen, Zwangsstörungen, der sozialen Angst (Sozialphobie) und der Agoraphobie wirksam reduziert.

Darüber hinaus haben sich Antidepressiva zu den am häufigsten verordneten Medikamenten zur Behandlung einer Panikstörung entwickelt (1).

Wirkungsweise: was bewirken Antidepressiva?

Es gibt verschiedene Arten oder Klassen von Antidepressiva, die auf chemische Botenstoffe im Gehirn einwirken. Diese Botenstoffe, die als Neurotransmitter bezeichnet werden, sind für eine Vielzahl von Körperfunktionen und Gefühlen (Emotionen) verantwortlich, darunter die Regulierung von Schlaf und Stimmung, Angstzuständen und Motivation. Die bekanntesten Neurotransmitter im Gehirn sind Serotonin, Noradrenalin und Dopamin.

Gängige Klassen von Antidepressiva (Wirkstoffgruppe), die zur Behandlung einer depressiven oder angstbedingten Erkrankung eingesetzt werden, sind:

  • Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs)
  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs)
  • Trizyklische Antidepressiva (TCAs)
  • Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer)

Unterschiedliche Antidepressiva wirken unterschiedlich, auch wenn die Unterschiede in ihrem Wirkmechanismus gar nicht so riesig sind. Manche AD sind eher antriebssteigernd, wirken also der Antriebslosigkeit entgegen. Andere wirken eher wie ein Beruhigungsmittel oder kommen vorwiegend bei Schlafstörungen zum Einsatz, z.B. Mirtazapin. Je nach Symptomatik, die bei dir dominiert (Ängste, Depressionen oder Schlafstörungen) eignen sich manche Wirkstoffe eher als andere (z.B. Antidepressiva gegen Stress).

Die Wirkung der meisten Antidepressiva beruht darauf, dass die Wiederaufnahme bestimmter Neurotransmitter blockiert wird, so dass die Verfügbarkeit von diesen Neurotransmittern in unserem Gehirn gesteigert wird.

Schwangerschaft

Nicht immer stehen alle Arten von Antidepressiva als Medikation den Betroffenen als medikamentöse Hilfe zur Verfügung. Insbesondere das Thema "Antidepressiva in der Schwangerschaft" ist sehr heikel und bedarf einer guten Abwägung der Risiken und Benefits. Die Gesundheit des ungeborenen Babys muss genauso berücksichtigt werden wie eine mögliche Verschlechterung der depressiven Stimmungslage der werdenden Mutter.

Andere Psychopharmaka

Auch wenn Antidepressiva in den meisten Fällen das Mittel der Wahl sind, in einigen Fällen kommen auch andere Medikament zum Einsatz: z.B. Beruhigungsmittel, Antipsychotika oder Neuroleptika. Die Notwendigkeit zur Medikamenteneinnahme von solchen Arzneimitteln ergibt sich typischerweise in einem Gespräch mit dem Psychiater. Also falls Du das Gefühl hast, dein Antidepressivum greift bzw. wirkt einfach nicht, solltest Du das unbedingt im Arztgespräch ansprechen.

Wie lange dauert es bis Antidepressiva wirken?

Wie lange brauchen Antidepressiva bis sie wirken? Und wie lange muss man Antidepressiva einnehmen?

Daten aus Studien haben gezeigt, dass Antidepressiva wirksam sind, um Panikattacken zu reduzieren oder zu beseitigen und die Erwartungsangst und Symptome der Agoraphobie zu verbessern. Leider führen Antidepressiva im Allgemeinen nicht zu einer sofortigen Linderung der Symptome, auch hier ist sich die Forschung einig.

Bei vielen Menschen tritt zwar bereits erst nach mehreren Wochen ein erster Effekt, normalerweise eine erste deutliche Verbesserung, ein (2). Studien haben jedoch gezeigt, dass der volle Nutzen einer antidepressiven Therapie erst nach 8 bis 12 Wochen eintritt.

Diese Zeitspanne, die Dauer, bis Wirkung eintritt, ist jedoch von Person zu Person verschieden, also sehr individuell ist.

Viele Menschen sind anfangs sehr ungeduldig und fragen sich

"Wann wirkt Antidepressiva richtig?".

Deswegen ist eine realistische Einschätzung nach dem Motto

"Antidepressiva wirken erst nach Wochen" (insbesondere bei schweren Depressionen)

sicherlich nicht verkehrt.

Je nach Schweregrad der Depression ist es eventuell notwendig, die Einnahme eines Antidepressivums in einer Klinik zu beginnen.

Wie lange dauert eine Depression mit Antidepressiva?

Die Dauer einer Behandlung mit Antidepressiva hängt sehr stark davon ab, wie lange die Depression schon besteht und wie schwer die Depression (gewesen) ist. Hier erfährst Du, wer Antidepressiva verschreiben darf.

Um Rückfällen vorzubeugen, gilt als Faustregel: es sollte einem für einige Zeit lang wieder richtig gut gehen. Ab diesem Zeitpunkt sollte man die Medikamente noch mindestens 3 Monate weiter einnehmen, bevor man daran geht, das Antidepressivum abzusetzen.

Die Details solltest Du wie alle anderen Patienten mit deinem Arzt besprechen. Doch Achtung: viele Ärzte, auch der Facharzt für Psychiatrie, neigen dazu, Antidepressiva zu schnell abzusetzen. Das erhöht leider nachweislich das Rückfallrisiko. Das Wichtigste beim Absetzen ist, dies langsam und schrittweise zu tun. Weitere Informationen findest Du in meinem Artikel Antidepressiva richtig absetzen.

Was Du erwarten kannst?

Bei manchen Menschen kann es zu Beginn einer antidepressiven Therapie zu erhöhter Nervosität oder Angstzuständen kommen. Um diese Gefahr zu verringern, kann Dein Arzt die Behandlung mit einer sehr niedrigen Dosis beginnen, die dann schrittweise erhöht wird. Zu den häufigsten Nebenwirkungen der Einnahme von Antidepressiva gehören (3):

  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Schwindel-Gefühle mit Gangunsicherheit
  • Mundtrockenheit
  • Nervosität
  • Erhöhtes Schwitzen
  • Sexuelle Begleiterscheinungen
  • Verschwommenes Sehen
  • Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung
  • Stimmungsschwankung inclusive erhöhte Gefahr der Selbsttötung (Suizid)

Diese Liste ist nur ein Auszug der möglichen Nebenwirkungen, die bei der Einnahme eines Antidepressivums auftreten können. Es kann sein, dass Du eine oder mehrere dieser Nebenwirkung(en )bekommst, es kann aber auch sein, dass Du mit keiner dieser Nebenwirkungen zu kämpfen hast. Diese Nebenwirkungen klingen in der Regel ab und werden mit der Zeit deutlich besser erträglich.

Worauf Du auch achten solltest, sind mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Wenn Du also bereits andere Medikamente einnimmst, solltest Du dies dem verschreibenden Arzt auf jeden Fall mitteilen, damit er mögliche Wechselwirkungen bei der Wahl des Antidepressivums berücksichtigen kann.

Umgang mit Nebenwirkungen

Wenn die Nebenwirkungen anhalten und schwer zu ertragen sind, kannst Du jederzeit mit Deinem Arzt über eine mögliche Änderung der Dosierung oder der Medikation sprechen, um sie besser an Deine persönlichen Bedürfnisse anzupassen (4).

Dein Arzt kann Dir auch ein Benzodiazepin (Medikament gegen Angstzustände) zusammen mit Deinem Antidepressivum verschreiben, besonders zu Beginn der Behandlung. Benzodiazepine sorgen für eine schnelle Linderung der Symptome, die dadurch schneller eintreten kann.

Allerdings besteht bei diesen Medikamenten die Gefahr der Abhängigkeit und des Missbrauchs. Um dieses Risiko zu verringern, kann der behandelnde Arzt das Benzodiazepin absetzen, sobald das Antidepressivum seine volle Wirkung erreicht hat (5).

Wie lange dauert es bis Antidepressiva aus dem Körper sind?

Das hängt davon ab, wie schnell das Antidepressivum von deinem Körper, insbesondere deiner Leber abgebaut wird. Die sogenannte Halbwertszeit eines Antidepressivums gibt an, wie lange es dauert, bis der Blutspiegel eines Medikaments auf die Hälfte reduziert ist. Das ist vor allem eine Eigenschaft des Wirkstoffs selbst. Die Halbwertszeit variiert aber auch ein bisschen von Mensch zu Mensch, da die Entgiftungsleistung der Leber auch individuell ist.

Die typische Halbwertszeit von heutigen Antidepressiva liegt bei ca. 12 Stunden. Bei manchen Antidepressiva, die nur langsam abgebaut werden, beträgt sie aber bis zu 3 Tage.

  • Die Halbwertszeit von Escitalopram liegt bei etwa 30 Stunden.
  • Die Halbwertszeit von Escitalopram liegt bei 20-40 Stunden.
  • Die Halbwertszeit von Sertralin liegt bei ca. 26 Stunden.

Um die Halbwertszeit deines Antidepressivums herauszufinden, googelst Du am besten nach "Halbwertszeit" + [Name deines Antidepressivums].

Beispiel: Beträgt die Halbwertszeit 24h, ist nach einem Tag noch die Hälfte des Wirkstoffs in deinem Blut, nach 2 Tagen ein Viertel, nach drei Tagen ein Achtel und nach vier Tagen bereits nur noch ein Sechzehntel.

Ein paar Worte von mir selbst

Wenn Du und Dein Arzt der Meinung sind, dass Du eine ausreichende Testphase mit einem Antidepressivum hinter Dir hast, ohne dass sich die Symptome signifikant verbessert haben, kann ein Medikamentenwechsel erforderlich sein. Für die überwiegende Mehrheit der Menschen, die an einer Panikstörung leiden, wird das richtige Medikament gefunden, das die Paniksymptome verbessert oder beseitigt.

Fazit

In der Medizin steht im Rahmen einer Behandlung von depressiven Erkrankungen die medikamentöse Therapie (Pharmakotherapie) mit Psychopharmaka in Kombination mit einer Psychotherapie im Vordergrund.

Ob dabei moderne Antidepressiva der neuesten Generation wie Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) oder ältere Arzneimittel zum Einsatz kommen - bis die Wirkung eintritt, können bis zu 8-12 Wochen vergehen. Allerdings ist in den meisten Fällen bereits nach 2-3 Wochen eine erste Wirksamkeit der Wirkstoffe zu verzeichnen, z.B. gesteigerter Antrieb oder bessere Stimmung. Sprich die Beschwerden wie Angst und depressive Verstimmung können sich bereits in den ersten Wochen nach Beginn der Einnahme verbessern.

Genauso wichtig wie die richtige Substanz zu finden ist aber auch, die Ursache der psychischen Erkrankung, z.B. Stress, herauszufinden und zu behandeln.

Bei leichten Formen von Depressionen oder Angststörungen sind übrigens pflanzliche Stimmungsaufheller wie z.B. Johanniskraut oftmals ausreichend. 

Quellen

  1.  Goodwin GM. The overlap between anxiety, depression, and obsessive-compulsive disorder. Dialogues Clin Neurosci. 2015;17(3):249-260.
  2. Bighelli I, Castellazzi M, Cipriani A, et al. Antidepressants versus placebo for panic disorder in adultsCochrane Database Syst Rev. 2018;4:CD010676. doi:10.1002/14651858.CD010676.pub2
  3. Riediger C, Schuster T, Barlinn K, Maier S, Weitz J, Siepmann T. Adverse Effects of Antidepressants for Chronic Pain: A Systematic Review and Meta-analysisFront Neurol. 2017;8:307. doi:10.3389/fneur.2017.00307
  4. Santarsieri D, Schwartz TL. Antidepressant efficacy and side-effect burden: a quick guide for cliniciansDrugs Context. 2015;4:212290. doi:10.7573/dic.212290
  5. Dunlop BW, Davis PG. Combination treatment with benzodiazepines and SSRIs for comorbid anxiety and depression: a reviewPrim Care Companion J Clin Psychiatry. 2008;10(3):222-8.
  6. https://www.verywellmind.com/how-long-does-it-take-for-antidepressants-to-work-2584277
Selbstmordgedanken?

Falls du akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar.

Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/

Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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