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Mai 23, 2022

Cannabidiol (CBD) soll angeblich gegen Psychose helfen, doch was sagt die aktuelle Studienlage hierzu?

Obwohl Cannabis in Großbritannien seit 1928 verboten ist, wird es seit mehr als 5.000 Jahren zu medizinischen Zwecken verwendet.

Cannabis ist eine vielfältige Pflanze, die über 100 Cannabinoide enthält. Das bekannteste ist Tetrahydrocannabinol (THC), die am häufigsten vorkommende psychoaktive Verbindung in Cannabis.

In jüngster Zeit ist jedoch das Bewusstsein für ein zweites, nicht psychoaktives Cannabinoid - nämlich Cannabidiol (CBD) - und seinen potenziellen medizinischen Nutzen gewachsen.

In diesem Artikel erfährst du, ob CBD gegen Psychosen wirksam sind und ob der Wirkstoff CBD aus der Cannabispflanze möglicherweise Schizophrenie-Patienten helfen könnte.

Was ist CBD?

Cannabidiol, besser bekannt als CBD, ist ein Phytocannabinoid und eines der am häufigsten vorkommenden Cannabinoide in Cannabispflanzen.

Es wird aus der Hanfpflanze gewonnen und macht etwa 40% des Extrakts der Pflanze aus. Die Substanzen THC und CBD wirken beide über das Endocannabinoid-System auf den Körper ein, um die Freisetzung von Neurotransmittern im Gehirn zu verändern und so die Stimmung, den Appetit und das Schmerzempfinden beim Menschen zu beeinflussen. 

Die positiven Erfahrungen von CBD bei Angst und Depression ist schon länger bekannt. THC aktiviert die CB1-Rezeptoren im Gehirn und löst so ein Gefühl der Euphorie aus. CBD hingegen ist ein Antagonist an den CB1-Rezeptoren, was bedeutet, dass es nicht das mit Cannabiskonsum verbundene "High" hervorruft und der CB1-Aktivierung nach THC-Konsum entgegenwirken kann.

Mit dem wachsenden Interesse an den potenziellen medizinischen Vorteilen von Cannabis steigt auch das Interesse an der Möglichkeit, dass die Substanz CBD in der Psychiatrie als möglicher Alternative oder Ergänzung zu Psychopharmaka nützlich sein könnte. Nach einer Studie von Professor Markus Leweke, einem Wissenschaftler am Zentralinstitut Mannheim, hat die pflanzliche Substanz CBD weniger Nebenwirkungen und ist damit besser verträglich als zugelassene Antipsychotika.

Während THC mit einem erhöhten Risiko für Psychosen in Verbindung gebracht wird, kann CBD die Symptome von Psychosen lindern.

Was sind Psychosen?

Psychose ist eine Gruppe von Symptomen und keine eigenständige Krankheit. Sie ist ein medizinischer Überbegriff für Überzeugungen, die nicht in der Realität begründet sind, oder für Sinneserfahrungen von Dingen, die nicht existieren. Eine Psychose kann verschiedene Ursachen haben, z. B. Drogenkonsum, Hirnverletzungen, extremer Stress, Schlafmangel oder psychische Erkrankungen (wie Schizophrenie oder bipolare Störungen).

Auch bei der Parkinson-Erkrankung kann eine Psychose auftreten. Hier gibt es weitere Infos über CBD und Parkinson.

Während einer Psychose kann der Betroffene Halluzinationen (Dinge sehen, hören oder riechen, die nicht existieren) oder Wahnvorstellungen (stark ausgeprägte falsche Überzeugungen, die meist auf Angst oder Misstrauen beruhen) haben. Diese Symptome treten oft zusammen mit kognitiven Störungen auf, wie z. B. Gedankenverwirrung oder Konzentrationsschwierigkeiten.

Wirkt sich Cannabidiol (CBD) auf die Symptome einer Psychose aus?

Während man früher glaubte, dass CBD-Produkte (z.B. von CBD-Vital) keine pharmakologischen Wirkungen haben, konnten spätere Studien sowohl an Tieren als auch an menschlichen Freiwilligen zeigen, dass CBD - zumindest bei entsprechender Dosis/Dosierung - drogeninduzierte psychotische Symptome und kognitive Beeinträchtigungen nach einer hohen THC-Belastung verringern kann. Die Daten aus Studien legen nahe, dass die Linderung der Symptome möglicherweise auf das Endocannabinoid-System mit seinen CB1-und CB2-Rezeptoren zurückzuführen ist.

Außerdem deuten die Ergebnisse von Studien darauf hin, dass CBD das Psychose-Risiko bei Cannabiskonsumenten senken kann.

Bei den Studien, die auf den potenziellen Nutzen von CBD bei Psychosen hinweisen, handelt es sich jedoch in der Regel um Fallbeobachtungen und Kohortenstudien, was eindeutige Schlussfolgerungen hinsichtlich der Wirksamkeit von CBD einschränkt.

Studienlage zur Wirkung von CBD gegen Psychose

Die erste randomisierte, placebokontrollierte Studie (RCT) aus dem Jahr 2017 untersuchte den Einfluss von CBD auf 88 Psychosepatienten, die auf Rat der Wissenschaftler über einen Zeitraum von sechs Wochen entweder CBD oder ein Placebo als Zusatzbehandlung zu Antipsychotika erhielten. Symptomatik, Kognition und allgemeine Funktionsfähigkeit wurden vor und nach der Behandlung bewertet.

Das Ergebnis: Bei den mit CBD behandelten Patienten gingen die psychotischen Symptome zurück und die Funktionsfähigkeit und die kognitiven Fähigkeiten verbesserten sich im Vergleich zu den Patienten, die lediglich ein Placebo erhielten. Außerdem wurden die Patienten, die mit CBD behandelt wurden, von ihrem behandelnden Psychiater eher als verbessert eingestuft.

CBD kann übrigens auch bei einer Reihe weitere psychischer Beschwerden, für die es keine guten Medikamente gibt, hilfreich sein: z.B. CBD gegen ADHS.

Wie kann CBD aus der Cannabis-Pflanze die psychotischen Symptome verbessern?

Es wird angenommen, dass herkömmliche Antipsychotika auf die Freisetzung bestimmter Neurotransmitter im Gehirn wirken, nämlich Noradrenalin, Acetylcholin, Serotonin und vor allem Dopamin. Die Dopaminhypothese, die bisher die Behandlung von Psychosen dominiert hat, geht davon aus, dass die Überschuss-Angebote an Dopamin im Gehirn psychotische Symptome verursachen.

Antipsychotische Medikamente binden sich an die Dopaminrezeptoren und verringern so die Dopaminproduktion. Es wird jedoch angenommen, dass die Dopaminproduktion bei einigen Psychosepatienten relativ normal ist. Die Erforschung der Auswirkungen anderer Neurotransmittersysteme könnte daher zu neuen Behandlungsmöglichkeiten mit anderen chemischen Verbindungen führen.

CBD als Prävention?

Eine aktuelle Studie untersuchte die Wirkung von CBD und Placebo bei behandlungsfreien Personen mit hohem Psychoserisiko und verglich ihre Gehirnaktivierung mittels fMRT während einer verbalen Lernaufgabe mit der von gesunden Kontrollpersonen ohne Medikamente.

Insgesamt wiesen die Risikopersonen im Vergleich zu den gesunden Kontrollpersonen niedrigere Aktivierungswerte auf, aber diejenigen, die CBD erhielten, wiesen eine deutlich höhere Gehirnaktivierung auf als diejenigen, die ein Placebo erhielten.

Die Forscherinnen und Forscher kommen zu dem Schluss, dass CBD die Veränderungen in den Hirnregionen, die an der Entwicklung einer Psychose beteiligt sind, teilweise normalisieren könnte.

CBD: Eine neue Klasse von Behandlungsmöglichkeiten für Psychosen?

Bei der Untersuchung der Wirkungen von CBD als Ergänzung zu herkömmlichen antipsychotischen Medikamenten wurden bescheidene Verbesserungen der kognitiven Fähigkeiten und der Auswirkungen der Krankheit auf die Lebensqualität und das Allgemeinbefinden der Patienten festgestellt.

Der Nutzen beschränkt sich jedoch auf die positiven Symptome der Psychose wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Negative Symptome wie affektive Verflachung und Stimmungsstörungen werden durch CBD nicht beeinflusst.

Außerdem wurde CBD in den meisten Studien nur als Zusatztherapie verabreicht, und alle Teilnehmer erhielten weiterhin ihre herkömmliche antipsychotische Behandlung. Um den potenziellen Nutzen von CBD als eigenständige Behandlung von Psychosen zu verstehen, sind daher in der Medizin weitere Untersuchungen und Erfahrungen erforderlich.

Quellen

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  3. Fakhoury M. Could cannabidiol be used as an alternative to antipsychotics? J Psychiatr Res. 2016 Sep;80:14-21. doi: 10.1016/j.jpsychires.2016.05.013. Epub 2016 May 28, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27267317
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  5. Iseger TA and Bossong MG. A systematic review of the antipsychotic properties of cannabidiol in humans. Schizophr Res. 2015 Mar;162(1-3):153-61. doi: 10.1016/j.schres.2015.01.033. Epub 2015 Feb 7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25667194
  6. McGuire, P et al (2017) Cannabidiol (CBD) as an adjunctive therapy in schizophrenia: a multicenter randomized controlled trial, American Journal of Psychiatry doi: 10.1176/appi.ajp.2017.17030325, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29241357
  7. Zuardi AW, Crippa JA, Hallak JE, Bhattacharyya S, Atakan Z, Martin-Santos R, McGuire PK, Guimarães FS. A critical review of the antipsychotic effects of cannabidiol: 30 years of a translational investigation. Curr Pharm Des. 2012;18(32):5131-40. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22716160
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Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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