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Januar 31, 2022

Hilft eine Wachtherapie durch Schlafentzug bei Depressionen? Hier erfährst du, was du von dieser alternativen Behandlungsformen erwarten kannst und was nicht.

Viele Fachärzte der Psychiatrie empfehlen, dass depressive Menschen ihre Bettzeit v.a. morgens beschränken. Denn zu lange im Bett herum-zu-lümmeln kann nachweislich depressive Symptome verstärken.

Eine Stufe weiter geht man mit dem sogenannten Schlafentzug, bei der man quasi eine ganze Nacht überspringt, in der man wach bleiben muss, und erst wieder am nächsten Tag ins Bett geht.

Schlafentzug, auch Wachtherapie genannt, ist eine schnelle und effiziente Methode zur Behandlung von Patienten mit Depressionen. Diese Form der Therapie, bei der man eine Nacht nicht ins Bett zum Schlafen geht, ist eine möglich Alternative zu standardmäßigen Behandlungen wie beispielsweise Psychotherapie oder Psychopharmaka.

Die Wachtherapie durch Schlafentzug wirkt in 60 bis 70 Prozent aller Fälle. Das ist weit besser als Therapien mit Medikamenten, doch leider hält der Effekt bei den Menschen in der Regel nur so lange an, bis der Patient wieder einschläft.

Als dauerhafte Behandlung ist der Schlafentzug daher nicht praktikabel, wohl eher, um einen gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus wieder in die richtige Spur zu bekommen.

Aber Forscher haben das Phänomen untersucht, den zellulären Mechanismen hinter der Depression und der Remission auf den Grund zu gehen. In diesem Artikel erfährst du genaueres über diese Forschungen und wie diese dabei helfen kann, möglicherweise neue Medikamente gegen Depressionen zu entwickeln.

Die Rolle von Astrozyten

Neulich hat ein Team der Tufts University die Glia als Hauptakteure identifiziert. Die Forscher fanden heraus, dass Astrozyten, eine sternförmige Art von Gliazellen unseres Gehirns, bestimmte Neurotransmitter regulieren, die an der Schläfrigkeit beteiligt sind. Während unserer wachen Stunden setzen Astrozyten kontinuierlich den Neurotransmitter Adenosin frei, der sich im Gehirn ansammelt und den "Schlafdruck" verursacht, also das Gefühl der Schläfrigkeit und die damit verbundenen Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen.

Der Neurotransmitter verursacht diesen Druck, indem er sich an die Adenosinrezeptoren an der Außenseite der Neuronen bindet, wie ein Schlüssel in ein Schloss passt. Je mehr Adenosin sich ansammelt, desto mehr Rezeptoren werden ausgelöst, und der Drang zu schlafen wird stärker.

Eine Studie an Mäusen

In der neuen Studie, die am 15. Januar online in der Zeitschrift Translational Psychiatry veröffentlicht wurde, untersuchten die Wissenschaftler, ob dieser Prozess für die antidepressive Wirkung von Schlafentzug verantwortlich ist.

Mäusen mit depressionsähnlichen Symptomen wurden drei Dosen einer Substanz verabreicht, welche die Adenosinrezeptoren stimuliert und so den Schlafentzug imitiert. Obwohl die Mäuse weiterhin normal schliefen, zeigten sie nach 12 Stunden eine rasche Verbesserung ihrer Stimmung und ihres Verhaltens, die 48 Stunden lang anhielt.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hofft, dass diese Ergebnisse auch auf Patienten mit Depression übertragbar sind.

Neue Medikamente, die an Adenosin ansetzen?

Die Ergebnisse bestätigen, dass der steigende Adenosin-Spiegel für die antidepressive Wirkung von Schlafmangel verantwortlich ist. Diese Erkenntnis deutet auf ein vielversprechendes Ziel für die Entwicklung neuer Medikamente hin, denn sie legt nahe, dass die chemische Nachahmung von Schlafentzug die antidepressiven Vorteile bieten könnte, ohne die unerwünschten Nebenwirkungen des tatsächlichen Schlafentzugs.

Ein solcher Eingriff könnte eine sofortige Linderung von Depressionen bringen, ganz im Gegensatz zu herkömmlichen Antidepressiva, bei denen es sechs bis acht Wochen dauert, bis sie wirken.

Laut Dustin Hines, Hauptautor der Studie und Postdoktorand an der Tufts University, könnte die Studie auch über Depressionen und die Schlafregulierung hinaus Auswirkungen haben.

"Viele Jahre lang konzentrierten sich Neurowissenschaftler fast ausschließlich auf Neuronen, während die Rolle der Glia vernachlässigt wurde", sagt Hines. "Jetzt wissen wir [dank der Studienteilnehmer], dass Glia eine wichtige Rolle bei der Steuerung der Gehirnfunktionen spielt und das Potenzial hat, bei der Entwicklung neuer Behandlungsmethoden für viele Krankheiten wie Depressionen und Schlafstörungen zu helfen."

Fazit

So wie zu lange Schlafzeiten zu einer Verschlechterung der Beschwerden im Rahmen einer depressiven Erkrankung führen, so scheint ein absichtlich herbeigeführter Schlafmangel eine positive Wirkung auf unsere Stimmungslage zu haben. Dieser Zusammenhang zwischen Schlafzeit und depressiver Symptomatik ist in der Medizin durch mehrere Studien belegt.

Eine genauere Analyse zeigt jedoch, dass Betroffene nur eine gewisse Zeit lang von dem positiven Effekt profitieren. Somit ist die Wachtherapie durch Schlafentzug keine langfristige Lösung, kommt aber als Kurzzeittherapie für starke Fälle in Betracht.

Fast noch interessanter ist es jedoch, dass man herausgefunden hat, wodurch sich der kurzfristige Nutzen auf die Stimmung von Betroffenen begründet. Dadurch hat man jetzt die Hoffnung auf eine neue Medikamentenklasse, die quasi den Schlafentzug und seine physiologischen Auswirkungen simuliert, ohne dass der Patient den Schlafentzug tatsächlich durchmachen muss. 

Quellen

  1. https://www.scientificamerican.com/article/why-sleep-deprivation-eases-depression/
Selbstmordgedanken?

Falls du akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar.

Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/

Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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