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Juli 7, 2021

Wer Antidepressiva gegen Depressionen einnimmt, fragt sich womöglich: "Wie merkt man dass Antidepressiva wirken-und wie wirken sie?" Hier erfährst Du es.

Antidepressiva kommen zur Therapie bei Menschen mit mittleren bis schweren Depressionen zum Einsatz. Der Trend geht diesbezüglich leider eindeutig nach oben: Immer mehr Patienten bekommen Jahr für Jahr Antidepressiva v.a. zur Stimmungsaufhellung und zur Linderung von Ängsten verschrieben.

Hast Du von deinem Psychiater oder von deinem Hausarzt ein Rezept für Antidepressiva bekommen?

Oder hast Du die Hoffnung, dass Antidepressiva eine Hilfe im Kampf gegen Deine Depression oder eine sonstige psychische Erkrankung sein kann?

Womöglich hast Du auch bereits mit der Einnahme von Antidepressiva begonnen und Du fragst dich jetzt, wie man merkt, dass Antidepressiva wirken?

Genau hierfür habe ich diesen Artikel geschrieben.

In diesem Artikel erfährst Du,

  • wie Antidepressiva wirken,
  • wann und wie schnell Antidepressiva wirken,
  • woran Du merkst, dass sie wirken - und woran, wenn sie wirkungslos sind,
  • mit welchen Nebenwirkungen du rechnen kannst
  • und wie Du Rückfällen vorbeugen kannst.

Vielleicht frägst Du Dich auch Welches Antidepressivum ist das beste? Diese Frage habe ich in einem separaten Artikel erläutert.

Depressionen

Nicht zuletzt bedingt durch den immer weiter zunehmenden Stress in unserem Alltag - sei es Beruf oder Privatleben - sind immer mehr Menschen von einer Depression betroffen. Doch wo verläuft die Grenze zwischen "einfach mal nicht gut drauf zu sein" und einer ernstzunehmenden Depression.

In der Medizin, genauer gesagt in der Psychiatrie, spricht man von einer Depression, wenn über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen - oder länger - mindestens zwei Hauptsymptome und mindestens zwei Nebensymptome vorliegen (1).

Symptome einer Depression

Je nach Schweregrad der Depressionen kommt es bei den Betroffenen zu einer Vielzahl an Beschwerden.

Zu den Hauptsymptomen einer Depression zählen:

  1. Schlechte Stimmung: Niedergeschlagenheit, Gefühl der inneren Leere
  2. Unfähigkeit, ein Gefühl der Freude zu empfinden
  3. Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung

Zu den Neben-Symptomen zählen

  1. mangelnde Konzentration
  2. mangelndes Selbstwertgefühl
  3. Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
  4. Gefühl der Hoffnungslosigkeit
  5. Suizidgedanken (Gedanken an Selbsttötung)
  6. Schlafstörungen

Das Auftreten von solchen Symptomen ist sehr individuell, man sagt deswegen auch: eine Depression hat tausend Gesichter. Deswegen ist es für den Laien manchmal schwierig, eine Depression zu erkennen. Ein erfahrener Arzt, insbesondere ein Psychiater, sollte aber in der Lage sein, nach einem ausführlichen Gespräch eine korrekte Diagnose zu stellen.

Ursachen

So vielfältig wie die Symptome einer Depression ausfallen können, so schwierig gestaltet sich manchmal die Suche nach der Ursache - oder den Ursachen - einer Depression.

Tatsächlich herrscht in der Forschung kein allgemeiner Konsens, was die wahren Ursachen einer Depression anbetrifft. Am häufigsten werden jedoch folgende Faktoren genannt (2):

  • genetische Veranlagung: ist meiner Meinung nach eher ein Risikofaktor
  • Stoffwechsel- und Funktionsstörungen im Gehirn: hier stellt sich meiner Meinung nach die Frage, ob das die wahre Ursache oder bereits die Folge der Depression ist
  • Traumata: in der Kindheit (Kindheitstrauma) oder im Erwachsenenalter (z.B. Posttraumatische Belastungsstörung)
  • Stress: Probleme auf der Arbeit, kein Sinn im Leben finden, Probleme in der Partnerschaft (mit Freund oder Freundin), hektischer Alltag

Für weitere Informationen kann ich hierzu wärmstens das Buch "Der Welt nicht mehr verbunden: Die wahren Ursachen von Depressionen" von Johann Hari empfehlen.

Medikamente bei psychischen Erkrankungen

In der Medizin bzw. in der Psychiatrie kommt zur Behandlung psychischer Erkrankungen - oft relativ schnell - eine Medikation mit Psychopharmaka zum Einsatz. Zu diesen Psychopharmaka zählen neben den bekannten Antidepressiva auch Benzodiazepine und Neuroleptika (Antipsychotika).

Leider ist es in der Psychiatrie so, dass man nie genau weiß, wie ein Medikament beim jeweiligen Patienten anspricht. Ausprobieren von Medikamenten, und abwarten, ob die gewünschte Wirkung eintritt, ist deswegen ein wichtiger Teil dieser medizinischen Fachrichtung.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Wirkung manchmal bis zu 6 Wochen auf sich warten lässt. In dieser Zeit wird vom Patienten sehr viel Geduld abverlangt. Bei Patienten mit schweren Depressionen ist es manchmal so, dass diese wochenlang in der Klinik liegen, mit den Nebenwirkungen kämpfen und warten, bis eine Besserung ihrer Symptome eintritt.

Bei einigen Pechvögeln, bei denen das Antidepressivum keine Wirkung zeigt, muss nach diesen 6 Wochen noch ein weiteres Antidepressivum bzw. ein anderes Psychopharmaka getestet werden.

Welche Antidepressiva bei COPD und anderen nicht-psychischen Erkrankungen

Antidepressiva kommen auch bei anderen Erkrankungen zum Einsatz, welche in erster Linie nicht zur Psychiatrie gehören.

Ein solches Beispiel sind Antidepressiva, die bei der Gewichtsabnahme helfen sollen.

Ein anderes Beispiel ist die Schmerztherapie, da Antidepressiva gegen chronische Schmerzen helfen sollen, indem sie die Schmerzwahrnehmung positiv beeinflussen können.

Ein anderes Beispiel ist COPD, eine schwere chronische Lungenerkrankung, deren Betroffene auch sehr häufig unter Depressionen leiden. Hier, so zeigt eine neue Studie, führt die Einnahme von SSRI (Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern) zu einer um 20% erhöhten Sterblichkeit und zu einer um 15% erhöhten Wahrscheinlichkeit, in den ersten 90 Tagen der Einnahme in die Notaufnahme zu müssen (4).

Wie wirken Antidepressiva?

Es gibt viele unterschiedliche Arten bzw. Klassen von Antidepressiva. Diese unterscheiden sich in ihren Wirkstoffen und im Wirkmechanismus. Dennoch haben alle Antidepressiva die Gemeinsamkeit, dass sie den Neurotransmitter-Stoffwechsel in unserem Gehirn beeinflussen - in welcher Art im Detail auch immer.

Wie helfen Antidepressiva?

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer(SSRI) hemmen beispielsweise die Wiederaufnahme von Serotonin im synaptischen Spalt unserer Nervenzellen. Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer tun dies gar sowohl für Serotonin als auch für Noradrenalin. Dadurch steigen die entsprechenden Neurotransmitter in unserem Gehirn an, man sagt auch: ihre Verfügbarkeit erhöht sich.

Durch die Einnahme dieser Wirkstoffe kommen dann anscheinend - auch dieser Wirkmechanismus ist nicht zu 100% bewiesen -die positiven Effekte auf unsere Stimmung zustande.

Die Aussicht auf einen Behandlungserfolg ist dabei in der Praxis nicht so hoch, wie es immer dargestellt wird. Die Studienlage zur Wirksamkeit von Antidepressiva ist jedoch auch sehr widersprüchlich (3). Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch berichten, dass sie in den Phasen meiner schweren Depression eine deutliche Wirkung gezeigt hatten.

Wie wirken Antidepressiva bei nicht Depressiven?

Gute und interessante Frage. Tatsächlich habe ich keine Studie gefunden, welche dieser Frage nachgegangen ist. Irgendwie auch nicht verwunderlich, ist diese Frage doch auch eher hypothetisch. Welcher gesunde Mensch käme schon auf die Idee, grundlos irgendwelche Medikamente mit starken Nebenwirkungen einzunehmen.

Bei zwei Punkten bin ich mir jedoch relativ sicher:

  1. Auch ein gesunder Mensch ohne Depressionen wird nicht von den Nebenwirkungen verschont bleiben.
  2. Auch ein gesunder Mensch, der vor Einnahme der Antidepressiva keine Depressionen hatte, wird beim Absetzen Entzugserscheinungen bekommen und höchstwahrscheinlich depressive Symptome entwickeln.

Wie lautet Deine Vermutung bzw. Deine These zu o.g. Frage?

Was tun, wenn Antidepressiva wirkungslos sind?

Wie bereits gesagt, kann es bis zu 6 Wochen dauern, bis Antidepressiva ihre Wirkung entfalten. Bis zur vollen Wirkung können gar mehrere Monate vergehen. Nach 6 Wochen ist man meistens auch noch nicht bei der vollen Dosierung angelangt.

Dennoch: zeigt sich nach 6 Wochen überhaupt keine Besserung, ist es Zeit, auf ein anderes Antidepressivum umzustellen oder alternativ die komplette Strategie der Behandlung zu überdenken:

  • Wurde bereits eine Psychotherapie begonnen?
  • Liegen akute Belastungen vor, sei es am Arbeitsplatz, in der Familie oder in der allgemeinen Gesundheit des Patienten?
  • Ist ein Klinikaufenthalt für den Patienten eine Option?

All das sollte in einem ausführlichen Gespräch mit dem behandelnden Psychiater oder dem einfühlsamen Hausarzt besprochen werden. Scheue Dich auch nicht, mit Freunden und Bekannten über deine Probleme zu sprechen. Deren Meinung - und Hilfe - sind mindestens genauso wichtig wie die Meinung bestimmter Fachärzte.

Ab wann wirken Antidepressiva?

Viele Betroffene fragen sich und googeln:

Wie schnell wirken Antidepressiva?

oder

Wann wirkt das Antidepressiva endlich?

oder

Antidepressiva - wann wirken sie?

Die Antwort darauf ist folgende:

Die ersten Effekte zeigen sich - je nach Beginn der Behandlung - in der Regel bereits in den ersten 2-3 Wochen nach Beginn der Therapie mit Antidepressiva. Spätestens nach 6 Wochen sollten sich eine deutliche Verbesserung der depressiven Symptomatik eingestellt haben. Bis die volle Wirksamkeit eintritt, können mehrere Monate vergehen, denn meistens ist man nach 6 Wochen noch nicht bei der möglichen Maximaldosis angelangt.

Wie merkt man dass Antidepressiva wirken?

Dass die Antidepressiva bei dir anschlagen bzw. greifen, kannst Du an der Besserung Deiner depressiven Symptome bemerken:

  1. Deine Stimmung steigt, Unruhe, Nervosität und Angstzustände nehmen ab.
  2. Du hast wieder Lust, Dinge zu unternehmen.
  3. Womöglich verbessert sich auch dein Schlaf.
  4. Andere Menschen bemerken, dass es Dir besser geht. Z.B. weil sie dich wieder lachen sehen oder weil sie dir einfach deine bessere Stimmung ansehen.

Die Erfahrungen, wie plötzlich eine Besserung eintritt, sind unterschiedlich:

  • Manchmal kommt die Verbesserung ganz schleichend,
  • manchmal kommt sie aber auch sehr deutlich spürbar innerhalb weniger Tage.

Nebenwirkungen - die ersten Tage überstehen

Mit den Nebenwirkungen verhält es sich gerade umgekehrt. Diese treten relativ schnell in den ersten Tagen nach Beginn der Einnahme auf. Denn aufgrund der langen Halbwertszeit der meisten Antidepressiva steigt der Blutspiegel des Wirkstoffs rasant und der Körper hat kaum Zeit, sich an die immer steigende Gesamtdosis (im Blut) anzupassen.

Deswegen ist es ganz wichtig, die ersten Tage, evtl. die erste Woche gut zu überstehen. Danach nehmen die Nebenwirkungen ab und die ersten positiven Effekte zeigen sich womöglich schon. Sprich: man hat das Schlimmste überstanden und von nun an kann es aufwärts gehen.

Rückfällen vorbeugen

Eine geringe Startdosis und ein langsames Steigern der Dosis können dabei helfen, Nebenwirkungen in Schach zu halten. Genauso ist es auch beim Absetzen. Hier gilt die Devise "Langsam und in kleinen Schritten" vorgehen. Das ist die beste Strategie, möglichen Rückfällen, die beim Absetzen leider gar nicht so selten sind, vorzubeugen.

Genauso wichtig ist natürlich auch, dass Du erst mit dem Absetzen beginnst, wenn die Zeit reif dafür ist. Sprich: es sollte dir eine Zeit lang richtig gut gehen. Je länger die depressiven Beschwerden zuvor anhielten, desto länger solltest Du warten, bis Du mit dem Absetzen beginnst. Auf jeden Fall auch vorher mit Deinem Arzt darüber sprechen. Doch Vorsicht: viele Ärzte neigen eher dazu, zu schnell abzusetzen- ein Drama. Deswegen tritt diesbezüglich lieber auf die Bremse. Auf ein paar Wochen oder Monate früher oder später auf Null zu kommen, ist nicht so wichtig wie einen Rückfall zu vermeiden.

Fazit

Im Rahmen der Schulmedizin kommen zur Behandlung einer Depression eine Kombination von Psychotherapie und Medikamenten - meist ein Antidepressivum - zur Anwendung.

Antidepressiva wirken, indem sie in unserem Gehirn den Neurotransmitter-Stoffwechsel beeinflussen. Das scheint bei den depressiven Patienten eine positive Wirkung auszulösen. Leider ist es so, dass die Medikamente nicht bei jedem wirken. Und andere Patienten müssen mehrere Antidepressiva testen, bis eines greift und die Symptomatik der Depression des Patienten bessert.

Auf alle Fälle ist es empfehlenswert, auch andere Behandlungen und Therapieformen in Betracht zu ziehen - und eben nicht alles auf die Karte "Antidepressiva" zu setzen. Schau Dich hierzu am besten auch auf meinem Blog um, um dir Inspiration zu holen.

Selbstmordgedanken?

Falls du akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar.

Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/

Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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