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Von Andreas 

Januar 19, 2021

Leidest Du unter ständiger Übelkeit und die Ärzte können nichts finden?

Oder hast Du selbst die Vermutung, dass Deine ständige Übelkeit eine psychische Ursache haben könnte?

Die kurze Antwort auf die Frage im Titel: Das kann durchaus sein, muss aber nicht.

Denn es gibt viele Menschen, die fälschlicherweise als „psychosomatisch“ abgestempelt werden, weil man keine körperliche Ursache für ihre Beschwerden findet. Andererseits liegt die Ursache tatsächlich oft an unserer Psyche und am Stress.

Dass die reine Unterteilung in körperlich vs. psychosomatisch oft hakt, zeigt uns das Beispiel der Magenschleimhautentzündung. Diese ist zwar oft durch Stress bedingt, hat aber schließlich zu einer eigenständigen körperlichen Erkrankung geführt, die man diagnostisch nachweisen kann.  Deswegen mag ich den Begriff psychosomatisch nicht und versuche ihn, im folgenden Artikel nicht mehr zu gebrauchen.

In diesem Artikel möchte ich Dir helfen herauszufinden, ob deine ständige Übelkeit (zum Teil) psychisch bedingt sein könnte. Und falls ja, möchte ich Dir Wege aufzeigen, was Du dagegen unternehmen kannst.

Die Übelkeit als Symptom

Zunächst einmal ist Übelkeit keine eigenständige Krankheit. Es ist ein Symptom, welches bei den unterschiedlichsten Erkrankungen auftreten kann – bei körperlichen Erkrankungen sowie als Begleiterscheinung bei psychiatrischen Erkrankungen.

Wir kennen das Gefühl der Übelkeit ja alle von einer Magen-Darm-Grippe oder wenn wir mal was falsches gegessen hatten. Im Falle einer Lebensmittelvergiftung kann Übelkeit mit anschließendem Erbrechen sogar lebensrettend sein.

Es macht für unseren Körper also durchaus Sinn, dass es sowas wie „Übelkeit“ überhaupt gibt. Doch wenn die Übelkeit ein ständiger Begleiter ist, lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen, woran das liegen könnte.

Die häufigsten Ursachen von Übelkeit

Ich vermute mal, dass Du wegen Deiner ständigen Übelkeit bereis beim Arzt gewesen bist. Falls nicht, solltest Du dies auf jeden Fall nachholen. Der Internist oder Gastroenterologe ist in diesem Falle der richtige Ansprechpartner. Am besten lässt Du Dir vom Hausarzt eine Überweisung ausstellen.

Es ist jedoch auch immer gut, selbst Bescheid zu wissen, wodurch Übelkeit verursacht werden kann. Deswegen…. hier die häufigsten Ursachen für akute oder chronische Übelkeit (1):

  • Seekrankheit: durch das Schaukeln des Schiffes kommt unser Gleichgewichtsorgan „durcheinander“, was zu Übelkeit mit evtl. nachfolgendem Erbrechen führt.
  • Schwangerschaft, v.a. zu Beginn im ersten Drittel
  • sonstige Hormonstörungen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, z.B. Antidepressiva
  • Kopfschmerzen
  • Sonstige starke Schmerzen
  • Stress- und Angstzustände: im Englischen existiert der Begriff der Anxiety Nausea (2)
  • Gallensteine
  • Lebensmittelvergiftung
  • Infektionen, z.B. Magen-Darm-Grippe
  • „Überfressen“, also wenn man einfach zu viel gegessen hat.
  • Reaktion auf üble Gerüche/Gestank
  • Magen- oder Darmgeschwüre
  • Herzinfarkt
  • Hirnerschütterung oder sonstige Verletzungen/Erkrankungen des Gehirns (z.B. Tumore)
  • Manche Krebsarten
  • Alkoholmissbrauch
  • Appendizitis (Blinddarmentzündung)

Es ist wie gesagt wichtig, diese Ursachen auszuschließen, bevor man voreilig die Psyche als vermeintliche Ursache ausmacht.

Übelkeit, Stress und Psyche

Um zu verstehen, wie psychische Ursachen ständige Übelkeit verursachen können, müssen wir uns einmal genauer anschauen, was sich bei einer Stressreaktion in unserem Körper abspielt.

Denn Stress ist das, was die meisten psychischen Ursachen letztendlich auslösen. Angstzustände, Panikattacken, Nervosität und innere Unruhe – sie führen alle dazu, dass wir uns gestresst fühlen.

Je nachdem ob der Stress lange anhält und eigentlich nie richtig weg ist oder ob der Stress immer nur für kurze Phasen ist, sprechen wir von akutem Stress bzw. chronischem Stress.

Akuter Stress

Die akute Stressreaktion hat den Sinn, unseren Körper auf Gefahren vorzubereiten. Unser Körper schaltet dann in den Kampfmodus, um von der vermeintlichen Gefahr davonzurennen oder dagegen anzukämpfen. Im Englischen spricht man deswegen auch vom fight-or-flight-mode, auf Deutsch: Flucht oder Kampf-Modus.

Dabei spielt sich in unserem Körper etwas ganz ähnliches ab wie während einer Panikattacke.

  • Der Puls beschleunigt sich und das Herz fängt an zu rasen.
  • Der Atem wird schneller, das kann bis hin zur Hyperventilation gehen.
  • Die Muskeln verspannen sich.
  • Schweißausbrüche.

Außerdem wird die komplette Verdauung eingestellt. Denn während des Kämpfens oder auf der Flucht hat der Mensch keine Zeit zu essen. Das Essen und die Verdauung muss also warten. Die für die Verdauung erforderliche Energie kann besser zum Kämpfen oder Fliehen verwendet werden.

Bei einer Panikattacke ist der Spuk nach 20 Minuten wieder vorbei und die Symptome klingen ab.

Chronischer Stress

Anders sieht es aus, wenn wir unter chronischem Stress leiden. Wenn die Angstzustände oder die Unruhe oder sonstiger Stress chronisch wird, dann ist auch die Verdauung dauerhaft gestört, was logischerweise zu Problemen im Magen- und Darmbereich führt. Auch andere vom Stress hervorgerufene Symptome können chronisch werden.

Folgende Symptome können sich dann einstellen:

  • Ständige Übelkeit mit oder ohne Erbrechen
  • Magenschmerzen
  • Blähungen (Luft im Bauch)
  • Sodbrennen, ständiges Aufstoßen oder Rülpsen
  • Durchfall, Verstopfung oder Bauchkrämpfe

Man spricht hier auch von nervösem Magen und nervösem Darm (Reizmagen bzw. Reizdarmsyndrom) – je nachdem, ob Beschwerden im Magenbereich oder im Darmbereich überwiegen.

Psychische Ursachen

Wenn Du in der Spirale des chronisches Stresses gefangen bist, kann das auch daran liegen, dass bei Dir eine psychiatrische Erkrankung vorliegt, z.B.:

Ein Facharzt für Psychiatrie (Psychiater) kann eine entsprechende Diagnose stellen bzw. ausschließen.

Aber vielleicht liegt es auch einfach „nur“ daran, dass der Druck und Stress von außen zu groß ist. Sei es Prüfungsstress oder Stress im Beruf. Auch Mobbing am Arbeitsplatz kann bei den Opfern große Spuren hinterlassen. Selbst die Familie und das direkte Umfeld kommen als Stressoren in Frage.

Den eigenen Stress kann man sogar messen. Die sogenannte Herzratenvariabilität ist der beste Indikator für Stress, den Du sogar von zu Hause aus messen kannst.

Hier gilt die Regel: je größer der Stress, desto geringer die Herzratenvariabilität – und umgekehrt.

Unterschiedliche Geräte wie der Vitalmonitor oder der Oura Ring können die Herzratenvariabilität messen und anzeigen, wenn dein Stresslevel steigt oder sinkt.

Was Du tun kannst

Wie bereits erwähnt besteht der erste Schritt darin, körperliche Ursachen auszuschließen.

Werden hier keine Ursachen gefunden, solltest Du Dir die Frage stellen, wie gestresst Du bist. Meistens haben wir selbst ein ganz gutes Gefühl dafür. Doch manchmal geht uns dieses gute Gefühl für uns und unseren Körper verloren. Und manchmal gewöhnen wir uns auch an den ständigen Stress.

Falls Du diese Frage für Dich ehrlich beantwortest und falls Deine Antwort „Ja“ (ich fühle mich chronisch gestresst) lautet, dann bist Du schon mal einen Schritt weiter.

Dann geht es darum, einerseits gegen den Stress etwas zu unternehmen, andererseits aber auch die Ursachen des Stresses aktiv anzugehen.

Stressabbau

Um den vorhandenen Stress abzubauen und Schritt für Schritt wieder in die Phase der Entspannung und Erholung zu kommen, kann ich Dir die folgenden Empfehlungen geben:

Viele Betroffene profitieren auch von einer einfach zu erlernenden Methode, der EFT-Klopftechnik (Tapping).

Finde deine Stressauslöser

Parallel dazu solltest Du auch schauen, wo Dein  Stress herkommt.

Vieles wird einem klarer, wenn man mit Freunden oder Bekannt über seine Probleme spricht. Deswegen ist es eine gute Idee, wenn Du mit Dir nahestehenden Personen darüber sprichst.

Falls das nicht ausreicht oder falls Dir keine Personen einfallen, denen Du dich anvertrauen möchtest, ist es auch eine Option, dass Du einen Psychotherapeuten suchst  und eine Therapie machst.

Falls bei Dir eine Depression vorliegt, dann schau Dir mal meine 21 Tipps gegen Depressionen an.

Bist Du allgemein stressanfällig und möchtest lernen, widerstandsfähiger gegen Stress zu werden? Dann könnten meine 11 Übungen, um die Resilienz zu stärken, für Dich lesenswert sein.

Tipps gegen die Übelkeit


Falls Du schon länger unter ständiger Übelkeit leidest, wird es höchstwahrscheinlich auch eine Weile dauern, bis die Übelkeit auch wieder verschwindet. Wie bereits erwähnt, hat hierbei die Reduzierung Deines Stresslevels oberste Priorität.

Bis die Übelkeit nachlässt, solltest Du die folgenden Tipps berücksichtigen. Sie können Dir helfen, Deine Übelkeit erträglicher zu machen.

  • Achte auf Deine Ernährung. Esse kleine Portionen und vermeide Essen, welches Du nicht gut verträgst.
  • Vermeide frittiertes, fettiges Essen und Süßigkeiten.
  • Esse und trinke langsam.
  • Vermeide zu kalte und zu heiße Getränke.
  • Vermeide Alkohol und Koffein.
  • Trage lockere Kleidung, welche Deinen Bauch nicht „eingrenzt“.
  • Vermeide intensive körperliche Arbeit.

Außerdem können pflanzliche Mittel wie beispielsweise Iberogast die Übelkeit lindern. Auch CBD-Öl ist ein Mittel, welches die Übelkeit lindern kann.

Fazit

Die Unterteilung körperlich – psychosomatisch sehe ich kritisch, da man oft keine klare Grenze ziehen kann.

Dennoch wäre es fahrlässig, wenn Du nicht erst die körperliche Seite von einem Internisten untersuchen lassen würdest. Sind schwere körperliche Erkrankungen ausgeschlossen, kann Dir das auch die Angst vor diesen Krankheiten nehmen.

Kannst Du für Dich selbst bestätigen, dass Du unter chronischem Stress leidest? Dann möchte ich Dich ermuntern, auch hier auf die Spurensuche zu gehen. Um aus der Spirale des chronischen Stresses wieder herauszukommen, gehst Du am besten zweigleisig vor. Das bedeutet, einerseits den Stress abzubauen, andererseits die Stressauslöser zu finden und lernen, den Stress zu vermeiden oder stressresistenter zu werden.

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Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas Humbert, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit meiner Frau, meiner Tochter und unserem Havaneser in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst Du hier nachlesen.

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