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März 15, 2021

Welche Medikamente Stimmungsaufheller sind, lässt sich recht einfach sagen. Es sind in erster Linie die rezeptpflichtigen Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen.

In zweiter Linie gibt es noch sogenannte pflanzliche Arzneimittel, die man auch als Medikamente bezeichnen könnte. Für solche pflanzlichen Arzneimittel wie beispielsweise Laif 900 (Johanniskraut) gelten etwas strengere Richtlinien als bloße pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel.

Doch nicht jedes Antidepressivum ist gleich. Es gibt unterschiedliche Gruppen (Typen oder Klassen) von Antidepressiva, die sich im Wirkmechanismus sowie in der chemischen Struktur unterscheiden. Und selbst innerhalb der gleichen Antidepressiva-Gruppe gibt es viele unterschiedliche Medikamente, die bei jedem individuell anders wirken können.

Wann solltest Du zu Stimmungsaufheller Tabletten (Antidepressiva) greifen und wann reichen vielleicht auch schon pflanzliche Stimmungsaufheller aus? In diesem Artikel erfährst Du die Antwort.

Auch lesenswert: 9 Pflanzliche Stimmungsaufheller im Test

Welche unterschiedlichen Gruppen von Antidepressiva gibt es?

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) verhindern die Aufnahme von Serotonin im synaptischen Spalt.

Strukturformel von Amitriptylin, welches zur Gruppe der trizyklischen Antidepressiva gehört.

Das erste Antidepressivum kam 1958 unter dem Namen Imipramin auf den Markt (1). Im Laufe der Jahre entdeckte und entwickelte man immer mehr synthetische Psychopharmaka mit dem Ziel, die Wirksamkeit zu verbessern und gleichzeitig die Stimmungsaufheller-Nebenwirkungen zu lindern.

Leider gibt es noch immer keine pharmazeutischen Stimmungsaufheller ohne Nebenwirkungen. Selbst die heutigen "modernen" Stimmungsaufheller-Tabletten haben zahlreiche Nebenwirkungen und auch die Wirksamkeit ist längst nicht immer gegeben.

Nachfolgend findest Du die wichtigsten Antidepressiva-Gruppen mit einigen Wirkstoff-Beispielen:

  1. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI): Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Parotexin, Sertralin (Zoloft)
  2. Selektive Serotonin-und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI): Duloxetin, Venlafaxin sowie Desvenlafaxin.
  3. Trizyklische Antidepressiva: Amitriptylin, Amoxapin, Clomipramin etc.
  4. Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer): Phenelzin, Tranylcypromin, Isocarboxazid und Selegilin 
  5. Noradrenerge und spezifisch serotonerge Antidepressiva (NASSAs): Mirtazapin und Mianserin

Bei der Gruppe der Serotonin Wiederaufnahmehemmer wird, wie der Name bereits andeutet, die Aufnahme von Serotonin in unserem Gehirn gehemmt, so dass in der Folge der Serotonin-Spiegel ansteigt.

Auf die Unterschiede in chemischen Formeln und Wirkmechanismus der unterschiedlichen Antidepressiva-Gruppen möchte ich hier jedoch nicht noch näher eingehen. Eine viel pragmatischere Einteilung ist die in nach deren prinzipieller Wirkung.

Wirkung von Antidepressiva: antriebssteigernd, beruhigend, angstlösend

  • Wer unter Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit oder fehlendem Interesse leidet, ist mit einem antriebssteigerndem Antidepressivum besser bedient.
  • Wer eher unter Grübelzwang oder innerer Unruhe leidet, wer schlecht abschalten und/oder schlecht schlafen kann, für den ist womöglich ein beruhigendes Antidepressivum die bessere Therapie.
  • Einige Antidepressiva werden aufgrund ihrer angstlösenden Eigenschaften auch bei Ängsten, Angststörungen oder Panikattacken eingesetzt.

Du solltest deinen behandelnden Arzt befragen - am besten einen Psychiater -, welches "Mittel" er für dich vorschlägt.

Doch eine Garantie gibt es leider nicht. So kommt es häufig vor, dass Betroffene mehrere Antidepressiva "probieren" müssen, bis sie eines gefunden haben, das bei ihnen anschlägt oder bei dem die Nebenwirkungen erträglich sind.

Auch wenn manche Patienten von einer Verbesserung der Stimmung bereits am ersten Tag berichten. Bis der antidepressive Effekt einsetzt, vergeht in der Praxis meist einige Zeit. Typischerweise warten Ärzte bis zu 6 Wochen ab, bevor sie eine Entscheidung über die Wirksamkeit eines Antidepressivums treffen.

Lesetipp: Welche Stimmungsaufheller rezeptpflichtig sind

Die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin

Serotonin und Noradrenalin gehören zu den sogenannten Neurotransmittern. Das sind Botenstoffe in unserem Gehirn. Ihr Name kommt daher, dass sie Informationen zwischen Nervenzellen (Neuronen) über sogenannte Synapsen (das sind die Verbindungen zwischen Nervenzellen) übertragen.

Serotonin wird im Volksmund auch als Glückshormon bezeichnet. Noradrenalin soll eine wichtige Rolle spielen, wenn es um die Steurung der Wachheitsgrades und der Aufmerksamkeit geht.

Typischerweise wird die Wirkung von Antidepressiva damit erklärt, dass durch deren Einnahme die Spiegel der Neurotransmitter, allen voran Serotonin, ansteigt. So als wäre eine Depression ein bloßer Mangel an bestimmten Neurotransmittern.

Tatsächlich ist die Sache nicht ganz so einfach. Das kann Du vielleicht nachvollziehen, wenn Du bedenkst, dass die Neurotransmitter-Spiegel durch die Antidepressiva-Einnahme sehr schnell steigen, viel schneller als die tatsächliche Wirkung der pharmazeutischen Stimmungsaufheller Antidepressiva einsetzt.

Nebenwirkungen der chemischen Stimmungsaufheller

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Antidepressiva zählen:

  • Müdigkeit, Schläfrigkeit, Erschöpfung
  • Mundtrockenheit
  • Magen-Darm-System: Übelkeit, Verstopfung, Durchfall
  • Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme
  • sexuelle Probleme (Libido, Erektionsstörungen)

Lange standen Antidepressiva, v.a. SSRI, auch unter Verdacht, für das Herz ungesund zu sein. Dieser Verdacht scheint sich jedoch noch nicht bestätigt zu haben. Eine Studie aus 2016 gibt hier Entwarnung (2).

Ich muss aber auch klar sagen, dass mögliche Langzeitschäden durch Antidepressiva (Link) nicht wirklich gut erforscht sind.

Die Intensität der Nebenwirkungen ist in den ersten Tagen und Wochen der Einnahme am schlimmsten. Auch bei einer Dosissteigerung können wieder verstärkt Nebenwirkungen auftreten.

Problematisch ist es, dass einige (v.a. antriebssteigernde) Antidepressiva die Suizidgefahr anfangs erhöhen können, insbesondere bei jungen Patienten (z.B. bei Escitalopram). Deswegen verschreiben Ärzte oft zusätzlich ein Beruhigungsmittel wie beispielsweise Tavor, welches in den ersten Wochen bei Bedarf eingenommen werden kann.

Hier sollten die Patienten jedoch aufpassen, dass sie diese Benzodiazepine, zu denen Tavor zählt, nicht regelmäßig einnehmen, da sie leicht und schnell abhängig machen können.

Lesetipp: Stimmungsaufheller aus der Natur: Kräuter, Tees und Hausmittel

Das Problem mit dem Absetzen

Auch wenn immer wieder gesagt wird, dass Antidepressiva nicht abhängig machen. In der Praxis sieht es leider so aus, dass sehr viele Menschen auch nach Besserung ihrer Depression Probleme damit haben, die Antidepressiva wieder abzusetzen.

Denn bereits eine Dosisreduktion hat als Nebenbegleitung depressive Symptome zur Folge. Reduziert man zu schnell, kann dies sogar zu einem Rückfall in die Depression führen. Und so kommt es, dass viele Patienten jahrelang Antidepressiva nehmen.

Das korrekte Absetzen von Antidepressiva ist eine Wissenschaft für sich und deswegen habe ich hier zu einen separaten Artikel geschrieben. Kurz zusammengefasst lautet die Devise jedoch: so langsam wie nötig und in so kleinen Schritten wie nötig.

Johanniskraut: der Klassiker unter den pflanzlichen Stimmungsaufhellern

Nicht immer müssen bei einer depressiven Erkrankung gleich Antidepressiva-Medikamente eingenommen werden. Möglicherweise ist ein pflanzlicher Stimmungsaufheller bereits ausreichend.

Ein Klassiker ist das sogenannte Johanniskraut, welches durch seine Wirkstoffe Hypericin und Hyperforin einen antidepressiven stimmungsaufhellenden Effekt hat und somit positiv auf unsere Stimmung wirkt. Auch bei Schlafstörungen ist ein Versuch mit Johanniskraut sinnvoll.

Auch Johanniskraut greift in den Stoffwechsel unserer Neurotransmitter (Botenstoffe) ein. Aufgrund möglicher Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ist jedoch Vorsicht geboten. Deshalb solltest Du eine Einnahme vorher mit dem Arzt absprechen , wenn Du bereits andere Medikamente einnimmst.

Wie äußert sich eine Depression?

Eine Depression lässt sich anhand bestimmer Symptome diagnostizieren. Entscheidend ist jedoch immer das Gesamtbild, da das Vorhandensein einzelner Symptome noch nicht aussagekräftig ist.

Zu den Symptomen einer Depression zählen:

  • Stimmungsschwankungen incl. Lustlosigkeit und fehlendes Interesse
  • Müdigkeit, Energielosigkeit und Antriebslosigkeit
  • Grübelzwang und Gedankenschleifen
  • Schlafstörungen und verfrühtes Erwachen
  • Appetitlosigkeit (oder gesteigerter Appetit)
  • Schmerzen (können aber auch Auslöser sein)
  • psychosomatische Beschwerden
  • Ängste und Sorgen (können ebenfalls Auslöser sein)

Nicht immer ist eine depressiven Verstimmung von depressiven Erkrankungen zu unterscheiden, denn die Grenzen sind fließend.

Doch falls Du merkst, dass dein Stimmungstief länger als zwei Wochen anhält, ohne sich zu bessern, solltest Du mit deinem behandelnden Arzt (Hausarzt) darüber sprechen. Dieser kann dich, falls notwendig, zwecks Behandlung zu einem Facharzt, einem Psychiater, überweisen.

Wann benötige ich Stimmungsaufheller-Tabletten als Medikation?

Das hängt natürlich davon ab, wie stark deine Depressionen sind und wie lange diese schon anhalten. Bei leichten Depressionen oder bei depressiven Verstimmungen macht es sicherlich Sinn, erstmal leichte Stimmungsaufheller in pflanzlicher Form und andere Therapien in Betracht zu ziehen und nicht voreilig chemische Stimmungsaufheller zu verschreiben.

Bei schweren und chronischen Depressionen ist der Einsatz von Antidepressiva sicherlicht besser zu rechtfertigen.

Sicherlich gibt es immer unterschiedliche Meinungen, was die "richtige" Behandlung anbetrifft. Und natürlich ist es auch eine persönliche Entscheidung des Betroffenen.

Niemand kann heutzutage gezwungen werden, ein bestimmtes Medikament gegen eine (psychische) Krankheit zu nehmen mit Ausnahme der Gefahr der Fremd- und Selbstverletzung. Sprich wenn akute Gefahr droht, dass man sich umbringt oder jemand anderem etwas antut. Doch auch bei solchen juristischen Regelungen liegt der Teufel im Detail.

Alternative Behandlung von Depressionen

Die klassische schulmedizinische Therapie von Depressionen besteht aus der Einnahme von Antidepressiva-Tabletten und Psychotherapie (lies hierzu auch meinen Artikel zum Suchen und Finden von Psychotherapeuten).

Doch es gibt viele Dinge, die Du noch selbst für dich tun kannst, wenn du nicht gerade von einer ganz schweren Depression betroffen und quasi "total ausgeschaltet" ist.

Ich persönliche sehe Stimmungsaufheller - ob jetzt in pflanzlicher Form oder in Form von Antidepressiva - als unterstützendes Hilfsmittel, als Booster, um die Kraft, Motivation und Energie zu schöpfen, noch weitere Maßnahmen zu ergreifen.

Meist spielt Stress eine bedeutende Rolle in der Entstehung von psychischen Erkrankungen. Der erste Schritt besteht deswegen darin, dass wir uns dem Stress, den wir uns oftmals auch selbst machen, bewusst werden.

Deine Aufgabe ist es, herauszufinden, was Dir persönlich gut tut und welche Strategien für Dich am besten wirken.

Meine persönlichen Stimmungsaufheller Erfahrungen 

Ich habe gegen meine Depressionen, Angst, innere Unruhe schon einiges an pflanzlichen Mitteln ausprobiert. L-Tryptophan habe ich nicht so gut vertragen, davon bekam ich Bauchschmerzen und ich wurde auch relativ müde davon.

Gute Erfahrungen habe ich mit 5-HTP gemacht, was ganz gut gegen meine Schlafstörungen geholfen hat. Auch die Einnahme von SAM-e hatte bei mir einigermaßen angeschlagen, doch brauchte ich hier eine relativ hohe Dosis, was auf Dauer relativ teuer wurde. 

Zuletzt bin ich bei CBD-Öl gelandet, was ich immer noch einnehme. Ich hatte es zunächst vor allem gegen meine innere Unruhe und Ängste getestet, habe jedoch schnell gemerkt, dass es auch stimmungsaufhellend ist und gegen meine Depressionen wirkt. In meinem Erfahrungsbericht schreibe ich detailliert über meine Erfahrungen mit CBD-Öl.

Fazit

Nicht immer sind Medikamente, in diesem Falle Antidepressiva, erste Wahl. Gerade bei leichten depressiven Verstimmungen oder leichten Depressionen kann es Sinn machen, erstmal abzuwarten, ob sich nicht durch andere Therapien oder pflanzliche Alternativen eine Besserung einstellt.

Falls kein Weg an den Stimmungsaufheller-Medikamenten vorbeiführt, solltest Du zusammen mit dem Arzt ein passendes Mittel (Antidepressivum) wählen. Jeder Wirkstoff wirkt ein bisschen anders, was man leider nicht vorraussagen kann.

Aufgrund der anfänglichen Nebenwirkungen und weil die Wirkung erst nach einigen Wochen einsetzen kann, ist auf jeden Fall Geduld und Durchhaltevermögen gefordert. Bei schweren Depressionen findet das "Einschleichen" von Antidepressiva oft im Rahmen eines Klinikaufenthalts statt.

Selbstmordgedanken?

Falls du akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar.

Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/

Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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