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Oktober 24, 2021

Anatidaephobie ist der "Fachbegriff" für eine hypothetische Angst vor Enten. Doch gibt es diese Phobie wirklich oder ist sie nur ein Hirngespinst?

Kann es wirklich sein, dass jemand panische Angst vor Enten hat?

Eine Phobie ist eine Form der Angststörung bzw. Angsterkrankung, die durch eine extreme und irrationale Angst vor einer Situation oder einem Objekt gekennzeichnet ist. Phobien sind eine der häufigsten psychischen Störungen. Nach Angaben des National Institute of Mental Health leiden 12,5 % aller Erwachsenen in den USA irgendwann in ihrem Leben an einer Phobie (1).

Eine Phobie, die auf vielen Websites und Blogs diskutiert wird, ist die sogenannte Anatidaephobie. Obwohl sie oft als echte Phobie dargestellt wird, ist die Anatidaephobie eigentlich eine erfundene Phobie und keine medizinisch anerkannte Diagnose.

Was ist Anatidaephobie?

Die Anatidaephobie (engl. anatidaephobia) ist ein Spaß von Gary Larson und stammt aus seinem The-Far-Side-Comic , in dem er sie wie folgt definiert:

"Die Angst, dass du irgendwo (hinter einem Gebüsch in deiner Nähe?), irgendwie, von Enten beobachtet wirst".

Die Definition wurde von einer Comic-Illustration begleitet, die einen Mensch, also einen Anatidaephobiker, zeigt, der allein in seinem Büro sitzt, während eine Ente ihn von der anderen Straßenseite aus beobachtet. Tatsächlich sollen es weniger die Tiere selbst sein, die Betroffenen Angst machen, sondern vielmehr die Idee, dass man von diesen Tieren beobachtet wird.

Der Sinn dieser Phobie (oder in diesem Fall "Fauxpas") war es, zu verdeutlichen, dass jedes Objekt zu einer Quelle der Angst werden kann. Seit Larson das Konzept zum ersten Mal vorstellte, hat sich das Konzept der Anatidaephobie im öffentlichen Bewusstsein festgesetzt und wird nun oft als eine echte Phobie dargestellt.

Eine kurze Suche im Internet zeigt eine Fülle von Websites, auf denen die Phobie entweder so dargestellt wird, wie Larson sie ursprünglich konzipiert hat, oder die sie fälschlicherweise einfach als Angst vor Enten bezeichnen.

Der Begriff Anatidaephobie stammt von der Bezeichnung für die biologische Familie der Wasservögel, zu der Gänse, Schwäne und Enten gehören (Anatidae), und dem griechischen Wort für Angst (phóbos).

Ornithophobie: die Angst vor Vögeln

Die Entenphobie Anatidaephobie ist zwar nicht real oder offiziell anerkannt, aber das bedeutet nicht, dass eine Angst vor Enten oder Gänsen nicht möglich ist. Die Angst vor Vögeln, auch Ornithophobie genannt, ist eine sehr reale spezifische Phobie. Die tatsächliche Angst vor Enten und Gänsen würde man als eine Form der Ornithophobie bezeichnen. Spezifische Phobien werden in fünf verschiedene Untertypen eingeteilt:

  • Angst vor Tieren (z.B. Arachnophobie = Fachbegriff für die Angst vor Spinnen)
  • Angst vor natürlichen Umgebungen
  • Angst vor Blut oder Verletzungen
  • Situationsbedingte Phobien
  • Sonstige Phobien (2)

Die Ornithophobie ist eine spezifische Tierphobie. Manche Menschen mit dieser Phobie fürchten sich vor allen Arten von Vögeln, während andere nur vor einer bestimmten Vogelart wie Wasservögeln, Raubvögeln oder tropischen Vögeln Angst haben.

Wie bei anderen Tierphobien rührt diese Angst oft von einer negativen Begegnung mit dem Angstobjekt her, in diesem Fall mit Enten oder Gänsen. Wenn du zum Beispiel im Park von einer Ente oder einem Entenschwarm gebissen, gejagt oder angegriffen wirst, kann das zu einer späteren Angst vor dieser Art von Vögeln führen.

Generell kann man sagen, dass es nichts gibt, wovor man nicht Angst haben könnte. Phobien vor Füßen, Knöpfen, Geld, Namen oder Knoblauch mögen zwar selten sein, aber irgendwo auf der Welt findet sich bestimmt ein Mann oder eine Frau, die vor irgendwelchen außergewöhnlichen Dingen panische Angst hat.

Symptome von Phobien

Wenn Menschen auf die Quelle ihrer Angst treffen, erleben sie Gefühle unkontrollierbarer Angst. Häufige Symptome, die sich starken mit denen von Angststörungen decken, sind die folgenden:

  • Herzrasen und Schmerzen in der Brust
  • Schüttelfrost
  • Verwirrung
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Schnelle Atmung und schneller Herzschlag (3)
  • Zittern
  • Magenverstimmung
  • Schwitzen
Menschen tun alles dafür, um die Quelle bzw. den Auslöser ihrer Angst zu meiden, manchmal bis zu dem Punkt, an dem das Funktionieren im Alltag stark beeinträchtigt wird.

Es kann sein, dass eine Person bestimmte Orte meidet oder sogar ihr Haus nicht mehr verlässt, um jede Begegnung mit dem gefürchteten Objekt zu vermeiden. In manchen Fällen können Betroffene auch eine Panikattacke bekommen. Während einer Panikattacke werden die Angstsymptome so stark, dass die betroffenen Leute sich desorientiert und losgelöst fühlen oder sogar das Gefühl haben, dass sie sterben werden.

Hier findest du weitere Informationen zu Phobien.

Behandlung von Phobien

Auch wenn die Anatidaephobie keine echte Phobie ist, kann die Angst vor Vögeln wie Enten oder Gänsen ernsthaft und kräftezehrend sein. Zum Glück gibt es in der Psychologie wirksame Behandlungen, die den Betroffenen helfen, ihre Phobie zu überwinden und ihre Symptome zu kontrollieren. Hier ist ein Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten (4).

Expositionstherapie

Bei der Expositionstherapie werden die Betroffenen schrittweise und systematisch mit einem Angstobjekt konfrontiert, bis es keine Angstreaktion mehr auslöst. Die Expositionstherapie und die systematische Desensibilisierung gelten als der Goldstandard bei der Behandlung spezifischer Phobien.

Die Exposition in vivo (in der realen Welt) gilt in der Regel als der beste Ansatz, aber die Forschung zeigt auch, dass die virtuelle Realität hilfreich sein kann (5).

Kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlung

Bei der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) geht es darum, die problematischen Denkmuster zu identifizieren, die zu phobischen Reaktionen beitragen. Dann arbeitet die Person mit dem Therapeuten daran, diese nicht hilfreichen Gedanken durch realistischere Denkweisen zu ersetzen. Das Ziel ist es, die Angstreaktion auf der einen Seite vom Angstauslöser auf der anderen Seite zu lösen.

Medikamente

Medikamente können auch in Verbindung mit einer Psychotherapie eingesetzt werden, um die Angstsymptome in den Griff zu bekommen.

Tipps zur Bewältigung

Wenn du Angst vor Enten oder einer anderen spezifischen Phobie hast, gibt es auch eine Reihe von Bewältigungsstrategien, mit denen du deine Angst besser in den Griff bekommst (6):

  • Praktiziere Atemübungen. Zu wissen, wie du dich beruhigen kannst, wenn du merkst, dass du Angst bekommst, ist eine wichtige Bewältigungsstrategie. Langsames, tiefes Atmen, das es deinem Körper ermöglicht, in einen ruhigeren Zustand zurückzukehren, kann dir helfen.
  • Visualisiere eine beruhigende Situation. Denke an etwas, das dir hilft, dich ruhig zu fühlen, egal ob du dich an einem sonnigen Strand entspannst oder dich vor dem Fernseher einrollst.
  • Versuche, dich abzulenken. Geh spazieren, höre Musik oder konzentriere dich auf etwas anderes, das dich von deiner Angst ablenkt.
  • Noch mehr üben. Je öfter du deine Entspannungsstrategien mit deinen Ängsten verbinden kannst, desto besser wirst du in der Lage sein, in diesen entspannten Zustand zu fallen, wenn du mit der Quelle deiner Ängste konfrontiert wirst. Deine Phobie wird vielleicht nicht ganz verschwinden, aber es wird zumindest leichter sein, mit ihr zu leben.
  • Hinterfrage deine Gedanken. Wenn du feststellst, dass du in Gedankenmustern feststeckst, die zur Angst beitragen, hinterfrage diese Gedanken aktiv. Frage dich, ob diese Überzeugungen realistisch sind. Versuche, diese Gedanken durch hilfreichere zu ersetzen, oder konzentriere dich sogar auf positive Mantras, die dir helfen, Phasen der Angst zu überstehen.

Wenn deine Angst so stark ist, das sie dein tägliches Leben unterbricht, länger als sechs Monate andauert und dir erheblichen Kummer bereitet, solltest du eine Therapie in Erwägung ziehen.

Mein Fazit: jede Phobie ist theoretisch denkbar, aber auch therapierbar

Die Anatidaephobie ist vielleicht keine echte oder anerkannte Phobie, aber das bedeutet nicht, dass die Angst vor Enten oder Gänsen für jemanden kein ernstes Problem sein könnte.

Für alle Phobien gilt: Du solltest deine Symptome nicht ignorieren, wenn du feststellst, dass du unter den Symptomen einer bestimmten Phobie leidest. Sprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin, um dich zu beraten, wie du mit deiner Angst umgehen kannst, und um deine Behandlungsmöglichkeiten auszuloten. 

Quellen

  1.  National Institute of Mental Health. Statistics: specific phobia. 2017.
  2. Burstein M, Georgiades K, He JP, et al. Specific phobia among U.S. adolescents: phenomenology and typologyDepress Anxiety. 2012;29(12):1072–1082. doi:10.1002/da.22008
  3. Anxiety and Depression Association of America. Symptoms.
  4. Kaczkurkin AN, Foa EB. Cognitive-behavioral therapy for anxiety disorders: an update on the empirical evidenceDialogues Clin Neurosci. 2015;17(3):337–346.
  5. Wechsler TF, Kümpers F, Mühlberger A. Inferiority or even superiority of virtual reality exposure therapy in phobias?-a systematic review and quantitative meta-analysis on randomized controlled trials specifically comparing the efficacy of virtual reality exposure to gold standard in vivo exposure in agoraphobia, specific phobia, and social phobiaFront Psychol. 2019;10:1758. doi:10.3389/fpsyg.2019.01758
  6. NHS. Self-help phobias. Updated October 26, 2018.
Selbstmordgedanken?

Falls du akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar.

Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/

Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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