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Oktober 25, 2021

Nekrophobie ist Angst vor Objekten und Situationen, die den Tod betreffen. Erfahre hier, wie es zu dieser Phobie kommen kann und was man dagegen tun kann.

Nekrophobie (auch Necrophobie) ist eine spezifische Phobie, bei der man Angst vor dem Tod und vor Dingen hat, die mit dem Tod in Verbindung gebracht werden. Eine Person mit dieser Art von Phobie kann Angst vor Leichen und Dingen wie Särgen, Grabsteinen und Friedhöfen haben.

Das Wort Nekrophobie kommt aus dem Griechischen von nekros (Leichnam) und phobos (Angst). Nicht verwechseln sollte man die Nekrophobie übrigens mit der Nekrophilie, die lauf Wörterbuch im Gegensatz ein auf Leichen ausgerichteten Sexualtrieb bedeutet. So viel zur Abgrenzung und Definition der Nekrophobie.

Nekrophobie ist zwar keine eigenständige Störung, die im Diagnostischen und Statistischen Handbuch Psychischer Störungen (DSM-5) anerkannt ist, aber eine Person, die diese Angst hat, kann mit einer spezifischen Phobie diagnostiziert werden. Eine spezifische Phobie ist definiert als eine irrationale und übermäßige Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer bestimmten Situation.

Es gibt keine Statistiken über die Häufigkeit von Nekrophobie, aber spezifische Phobien sind recht häufig. Nach Angaben des National Institute of Mental Health litten schätzungsweise 9,1 % der Erwachsenen in den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr an einer spezifischen Phobie.1

In diesem Artikel erfährst du,

  • welche Kriterien das Entstehen einer Nekrophobie begünstigen,
  • unter welchen Beschwerden Betroffene leiden,
  • wie sie diagnostiziert wird,
  • welche Komplikationen auftreten können,
  • wie sie behandelt wird,
  • und wie man mit der Nekrophobie leben kann.

Ursachen, Auslöser und Risikofaktoren

Die Forscher sind sich über die genauen Ursachen bezüglich der Herkunft von spezifischen Phobien wie die Nekrophobie nicht ganz sicher; es gibt somit nicht die eine Ursache. Sie glauben jedoch, dass Genetik, Lebensereignisse und sogar die Kultur eine Rolle bei der Entwicklung dieser Ängste spielen können.

Kultur

Einige Kulturen glauben zum Beispiel, dass ein Toter als Geist zurückkehren und die Lebenden heimsuchen kann. Solche Überzeugungen können eine Rolle bei der Entstehung von Nekrophobie spielen.

Traumatische Erlebnisse

In anderen Fällen kann ein traumatisches Ereignis (aus der Kindheit, aber auch aus dem Erwachsenenalter) oder ähnlichen Erlebnissen

  • wie der Tod eines geliebten Menschen
  • oder dem Anblick einer Leiche

bei den betroffenen Personen zu einer Besessenheit von oder Angst vor toten Dingen und dem Tod beitragen.

Zu den Situationen, die mit Nekrophobie in Verbindung gebracht werden können, gehören

  • das Miterleben eines Todesfalls,
  • die Teilnahme an einer Beerdigung und alles was damit zusammenhängt (z.B. Friedhöfe),
  • der Kontakt mit einem toten Tier oder einer menschlichen Leiche
  • oder sogar die Darstellung von Leichen in den Medien.

Neben Situationen gibt es auch angstbesetzte Objekte bzw. Gegenstände, die als Auslöser in Frage kommen können, weil sie mit dem Tod in Zusammenhang stehen.

Risikofaktoren

Die Anxiety Disorders Association of America geht davon aus, dass spezifische Phobien wahrscheinlich das Ergebnis einer Kombination aus genetischen, biologischen, psychologischen und umweltbedingten Faktoren sind.

Forscherinnen und Forscher haben auch herausgefunden, dass Insekten und Wassertiere nekrophobische Verhaltensweisen zeigen, z. B. dass sie tote Mitglieder ihrer eigenen Art meiden, möglicherweise um sich vor Krankheiten zu schützen.

Eng verwandt ist die Nekrophobie auch mit der sogenannten Thanatophobie , laut Lexikon der (übersteigerten) Angst vor dem Tod. Viele Tanatophobiker leiden somit auch an einer Nekrophobie und umgekehrt.

Anzeichen und Symptome der Nekrophobie

Die Symptome der Nekrophobie ähneln den Symptomen anderer spezifischer Phobien. Obwohl Menschen mit Nekrophobie erkennen können, dass die Quelle ihrer Angst keine wirkliche Bedrohung darstellt, haben sie dennoch extreme Angst, wenn sie Leichen oder andere Dinge, die mit dem Tod in Verbindung gebracht werden, sehen oder manchmal sogar daran denken.

Menschen mit Nekrophobie können folgende Symptome aufweisen:

  • Schwindelgefühle
  • Kurzatmigkeit
  • Schnelles Herzklopfen
  • Schnelles Atmen
  • Trockener Mund
  • Zittern am ganzen Körper
  • Übelkeit
  • Unbehagen
  • Ein Gefühl des Grauens
  • Schweißausbrüche
  • Zittern
  • Gefühle der Unwirklichkeit
  • Beschäftigung mit dem Tod oder toten Dingen
  • Angst vor dem Sterben

Panikattacken

In manchen Fällen kann diese Angstreaktion so stark werden, dass die Betroffenen eine Panikattacke erleben. Eine Panikattacke ist eine plötzliche Angstreaktion, die sich durch Symptome wie Herzklopfen, Kurzatmigkeit, Zittern, Erstickungsgefühle, Kribbeln, das Gefühl der Unwirklichkeit oder Abgehobenheit, Schüttelfrost und die Angst, die Kontrolle zu verlieren oder zu sterben, auszeichnet.

Panikattacken sind oft extrem unangenehm, so dass die Betroffenen anfangen, jede Situation zu vermeiden, in der sie der Angstquelle begegnen könnten, die eine Attacke auslöst. In der Psychologie spricht man dann von der Angst vor der Angst (Panik). Eine Person mit Nekrophobie könnte zum Beispiel eine bestimmte Strecke meiden, um nicht an einem Friedhof, einem Beerdigungsinstitut oder einem Ort mit ähnlicher Bedeutung vorbeizukommen.

Die Diagnose

Es ist wichtig zu wissen, dass eine spezifische Phobie wie die Nekrophobie nicht dasselbe ist wie eine normale Angst. Viele Menschen haben ein ganz normales Maß an Angst vor dem Tod, dem Sterben und toten Dingen. Eine normale Angst vor toten Dingen kann darin bestehen, dass du dich etwas unwohl fühlst, wenn du in der Nähe von etwas bist, das mit dem Tod zu tun hat. Aber wenn du eine ernsthafte Angstreaktion hast, wenn du ein totes Tier am Straßenrand siehst, dann hast du vielleicht Nekrophobie.

Wenn du den Verdacht hast, dass du unter Nekrophobie leidest, solltest du mit einem Arzt oder einer Psychotherapeutin sprechen. Viele psychosoziale Fachkräfte und Ärzte nutzen die Kriterien des DSM-5, um psychische Störungen zu diagnostizieren. Um die Diagnose einer spezifischen Phobie zu erhalten, musst du folgende Symptome aufweisen.

  • Erhebliche Furcht oder Angst in Bezug auf das Angstobjekt
  • Das Objekt löst unmittelbar und dauerhaft die Angstreaktion aus
  • Die Furcht und die Angst stehen in keinem Verhältnis zu der tatsächlichen Gefahr, die das Angstobjekt darstellt.
  • Du scheust keine Mühen, um das Angstobjekt zu meiden; wenn du gezwungen bist, die Angst zu ertragen, verursacht dies extreme Ängste
  • Deine Ängste haben einen erheblichen Einfluss auf dein Leben
  • Deine Symptome müssen seit sechs Monaten oder länger bestehen.
  • Deine Symptome dürfen nicht besser durch eine andere Störung, wie z. B. eine Angststörung, erklärt werden können.

Ein Arzt oder eine psychosoziale Fachkraft wird dir zunächst Fragen zu der Art deiner Symptome stellen, wie lange du sie schon hast und wie stark sie sind. Dein Arzt oder deine Ärztin kann dir auch Fragen zu anderen Dingen in deinem Leben stellen, z. B. zu jüngsten Ereignissen, die eine Rolle bei der Auslösung deiner Symptome gespielt haben könnten. Du solltest deinen Arzt auch über alle Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel informieren, die du einnimmst.

Mögliche Behandlungen

Es gibt keine spezielle Behandlung für Nekrophobie, aber die Behandlungen, die bei anderen Arten von Phobien eingesetzt werden, sind sehr wahrscheinlich wirksam und können eine große Hilfe darstellen. Zu den häufigsten Behandlungsmöglichkeiten für diese Art von Phobie gehören die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), die Expositionstherapie, Medikamente und Entspannungstechniken.

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Die kognitive Verhaltenstherapie befasst sich mit den irrationalen Gedanken und Verhaltensweisen, die die Angstreaktion aufrechterhalten. Durch CBT kann eine Person lernen, die automatischen negativen Gedanken zu erkennen, die zu einer phobischen Reaktion führen. Indem du die Art und Weise änderst, wie du über die Situation denkst, kannst du ängstliche Gefühle und Verhaltensweisen durch anpassungsfähigere, ruhigere und realistischere Reaktionen ersetzen.

Die In-vivo-Expositionstherapie, die eine schrittweise Exposition oder ein Flooding (Aussetzen der größten Angst) beinhalten kann, hat sich bei der Behandlung bestimmter Phobien als wirksam erwiesen.

Antidepressiva und andere Psychopharmaka

In manchen Fällen verschreiben Ärzte und Psychiater Antidepressiva oder Medikamente gegen Angstzustände, um einige der Symptome zu behandeln, die mit den körperlichen und emotionalen Reaktionen der Betroffenen zusammenhängen. In vielen Fällen wird auch eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten eingesetzt.

Sonstige Techniken

Andere Techniken, die zur Behandlung von Phobien eingesetzt werden können, sind kognitive Umstrukturierung, systematische Exposition, Achtsamkeitstraining und virtuelle Therapie (bei der das Angstobjekt über einen Computerbildschirm oder ein Virtual-Reality-Gerät gezeigt wird).

Folgen und Komplikationen

Spezifische Phobien wie die Nekrophobie können schwerwiegende Auswirkungen auf die Fähigkeit einer Person haben, im Alltag zu funktionieren und zurechtzukommen. Die Angstreaktion kann es der Person erschweren, in Bereichen wie Schule und Arbeit ihre Leistung zu bringen.

Mögliche Komplikationen bei Nekrophobie:

  • Isolation: Da die Nekrophobie oft dazu führt, dass der Betroffene alle Situationen vermeidet, in denen er mit seiner Angst in Kontakt kommen könnte, kann sie zu sozialer Isolation führen. In manchen Fällen isolieren sich die Betroffenen ganz bewusst von anderen Menschen.
  • Andere psychische Störungen: Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen mit spezifischen Phobien auch an anderen psychischen Erkrankungen leiden, z. B. an Depressionen oder Angstzuständen.
  • Drogenkonsum: Manchmal versuchen Menschen, sich selbst mit Alkohol oder anderen Substanzen zu behandeln, um ihre Angstgefühle unter Kontrolle zu bringen.

Prognose und Prävention

Die Prognose für Menschen mit spezifischen Phobien wie der Nekrophobie ist gut, wenn sie mit geeigneten Verhaltenstherapien, Unterstützung und Medikamenten behandelt werden.

Es gibt zwar keine Möglichkeit, alle Risikofaktoren für Nekrophobie zu beseitigen, aber eine frühzeitige Behandlung ist wichtig, um zu verhindern, dass die Krankheit das Leben und die Funktionsfähigkeit einer Person ernsthaft beeinträchtigt.

Bewältigungsmechanismen

Es gibt auch Dinge, die du tun kannst, um mit deiner Angst vor toten Dingen besser umgehen zu können. Einige Schritte, die du unternehmen kannst, sind:

  • Praktiziere Entspannungstechniken. Wenn du lernst, deine Angstreaktion zu kontrollieren, kann dir das helfen, ruhig zu bleiben, wenn du mit der Quelle deiner Angst konfrontiert wirst. Strategien wie Achtsamkeitsmeditation, progressive Muskelentspannung und Tiefenatmung können hilfreich sein, um die Reaktionen deines Körpers zu beruhigen.
  • Vermeide Vermeidungsstrategien. Es mag zwar verlockend sein, die Quelle deiner Angst zu meiden, aber das kann zu Komplikationen wie Isolation und Unterbrechungen im Leben führen. Arbeite stattdessen daran, mit deinen Ängsten umzugehen, auch wenn das bedeutet, dass du mit einer gewissen Belastung fertig werden musst.
  • Lenk dich ab. Wenn du dich mit deiner Angst konfrontiert siehst, suche nach Möglichkeiten, dich von dem Objekt und der Angstreaktion deines Körpers abzulenken. Dich auf etwas zu konzentrieren, ein Spiel auf deinem Handy zu spielen oder einen kurzen Spaziergang um den Block zu machen, kann dir helfen, dich von deiner Angst abzulenken.

Nekrophobie kann zu ernsthaften Symptomen führen, die viele Aspekte deines täglichen Lebens beeinträchtigen können. Mit einer angemessenen Behandlung kannst du mit deinen Angstgefühlen umgehen oder sie sogar überwinden.

Quellen

Selbstmordgedanken?

Falls du akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar.

Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/

Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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