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Mai 16, 2022

Quetiapin (Seroquel) ist ein Neuroleptikum, welches auch bei Depressionen verschrieben wird. Doch wirkt es überhaupt stimmungsaufhellend?

Antidepressiva können ein Rettungsanker für die Millionen Menschen in Deutschland sein, die sich jedes Jahr von Traurigkeit und Verzweiflung überwältigt fühlen. Doch mehr als die Hälfte der Patienten, die diese Medikamente nehmen, leiden weiterhin unter hartnäckigen depressiven Symptomen.

In solchen Fällen können Ärzte die Dosis erhöhen, auf ein anderes Antidepressivum umsteigen oder eine Psychotherapie empfehlen. Heutzutage erhalten jedoch immer mehr Patienten stattdessen ein zweites Medikament, um die partielle Wirkung des ersten zu verstärken.

Zu diesem Zweck verschreiben Ärzte immer häufiger starke Medikamente, deren Hauptaufgabe die Behandlung von Psychosen ist. Einige dieser antipsychotischen Medikamente, darunter Quetiapin (Seroquel), sind besonders beliebt bei der Behandlung von Depressionen, Schizophrenien oder ähnlichen psychotischen Episoden. Quetiapin ist in Deutschland in Form von Filmtabletten bzw. sogenannten Retardtabletten von 50 mg oder 25 mg erhältlich. Viele Betroffene fragen sich daher zu Recht, ob Quetiapin auch stimmungsaufhellend wirkt?

Diese Frage und noch viel mehr beantworte ich in diesem Artikel.

Was ist Quetiapin?

Quetiapin - ein atypisches Neuroleptikum - und eine Gruppe anderer Antipsychotika der zweiten Generation sind von der Food and Drug Administration (FDA) zur Behandlung von Schizophrenie und in den meisten Fällen auch von bipolarer Störung zugelassen.

Der Wirkstoff und sein aktiver Metabolit N-Desalkylquetiapin interagieren mit einem breiten Spektrum von Neurotransmitterrezeptoren, ein Wirkmechanismus, der Patienten mit Halluzinationen zugute kommt. Im Vergleich zu ähnlichen Arzneimitteln allerdings erst in einer höheren Dosis.

Ihr Off-Label-Use bei Depressionen, Angstzuständen und anderen nicht-psychotischen Krankheiten ist jedoch so weit verbreitet, dass Antipsychotika aufgrund der unterschiedlichen Anwendungsgebiete inzwischen die umsatzstärkste Medikamentenklasse weltweit sind.

Drei von ihnen - Aripiprazol (Abilify), Olanzapin (in Kombination mit einem Antidepressivum und unter dem Namen Symbyax verkauft) und jetzt die Version mit verlängerter Wirkstofffreisetzung von Quetiapin (Seroquel XR) - wurden kürzlich von der FDA für die Behandlung von Patienten mit Depressionen zugelassen, die nicht auf ein Antidepressivum allein ansprechen.

Ist es eine gute Idee, Quetiapin in dein Antidepressivum-Behandlungsschema - möglicherweise als Erhaltungstherapie - aufzunehmen?

Welche Beweise gibt es dafür, dass das Neuroleptikum Quetiapin stimmungsaufhellend wirkt?

Die meisten Beweise für die Verwendung von Quetiapin zur Behandlung von Depressionen stammen aus Kurzzeitstudien im Bereich der Medizin. Deshalb hat ein Beratungsausschuss der FDA im Jahr 2009 beschlossen, den Wirkstoff Quetiapin nicht als alleinige Behandlung von Depressionen zu empfehlen, weil er Bedenken bei der Anwendung wegen möglicher langfristiger Risiken in einer großen Bevölkerungsgruppe hatte, vor allem, wenn es sicherere Medikamente und Therapien gibt.

In zwei sechswöchigen Studien fand der Ausschuss jedoch genügend Beweise, um eine Medikation von Quetiapin in begrenztem Umfang als Zusatzmedikament zur Stimmungsaufhellung für das Anwendungsgebiet "resistente Depressionen" zu empfehlen.

Diese Studien ergaben unter anderem, dass depressive Patienten, die Quetiapin (oder Seroquel prolong) plus ein Antidepressivum einnahmen, deutlich weniger für diese Krankheit typische Symptome hatten als diejenigen, die ein Placebo plus ein Antidepressivum erhielten.

"Die Mehrheit der Experten im Ausschuss sind der Meinung, dass Quetiapin wirksam ist",

sagt Wayne K. Goodman, Dr. med., Vorsitzender des Ausschusses und Professor und Vorsitzender der Abteilung für Psychiatrie an der Mount Sinai School of Medicine in New York.

"Aber das übergeordnete Thema bei dem Einsatz von einem Arzneimittel dieser Medikamentenklasse ist die Sicherheit und Verträglichkeit. Ärztinnen und Ärzte sollten sich der Nebenwirkungen solcher Arzneistoffe bewusst sein und zuerst andere Möglichkeiten ausprobieren."

Was sind die Risiken von Seroquel bzw. Quetiapin?

Der Wirkstoff Quetiapin bringt aufgrund seiner Wirksamkeit bezüglich der Dopamin-Rezeptoren für Patienten einige Störungen. Zu seinem Nebenwirkungsprofil gehören:

  • Metabolische Wirkungen. Chronische Einnahme kann zu Gewichtszunahme und erhöhten Cholesterin-, Triglycerid- und Blutzuckerwerten führen, die Teil des metabolischen Syndroms sind - einer Störung, die das Risiko für Diabetes, Herzerkrankungen und Schlaganfälle erhöht.

  • Bewegungsstörungen. Der langfristiger Konsum von Neuroleptika kann zu sich wiederholenden, unkontrollierbaren Bewegungen des Gesichts, der Zunge und anderer Körperteile führen, und diese Symptome (tardive Dyskinesie) können irreversibel sein.

  • Plötzlicher Herztod. Eine große Studie aus dem Jahr 2009, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, deutet darauf hin, dass das Risiko für einen Herzstillstand bei Anwendern einiger atypischer Antipsychotika, darunter Quetiapin, höher ist als bei Nichtanwendern.

  • Black-Box-Warnung (die schwerwiegendste von der FDA herausgegebene Warnung). Bei Kindern und Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen, die Quetiapin zur Behandlung von Depressionen einnehmen, kann ein erhöhtes Risiko für Selbstmordgedanken bestehen. Und bei älteren Erwachsenen, die wegen Demenz behandelt werden, ist ein erhöhtes Sterberisiko möglich.

  • Andere Sicherheitsbedenken. Quetiapin kann das Risiko von Katarakten, Fortpflanzungs- und Sexualproblemen, Sprachstörungen und Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) erhöhen. Quetiapin kann die Anzahl der weißen Blutkörperchen vorübergehend senken und so das Risiko für Infektionen erhöhen.

  • Häufige Nebenwirkungen. Dazu gehören ein vermehrtes Bedürfnis an Schlaf und damit verbunden Schläfrigkeit sowie Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Verstopfung und Bauchschmerzen.

Welche Vorsichtsmaßnahmen kannst du treffen?

  1. Bevor du mit der Behandlung beginnst, solltest du ein Nüchtern-Blutzucker- und Lipidprofil erstellen und von deinem Arzt dein Gewicht aufzeichnen lassen.

    "Die Erstellung eines Basiswertes ist der Standard bei der Einnahme von Substanzen wie atypischen Antipsychotika",

    sagt Dr. Michael E. Thase, Professor für Psychiatrie an der University of Pennsylvania School of Medicine. Während der Behandlung solltest du regelmäßig auf Veränderungen kontrolliert werden. Die medizinischen Berater der CU empfehlen außerdem, vor Beginn der Behandlung ein Blutbild und einen Schilddrüsenfunktionstest durchführen zu lassen.

  2. Ruf deinen Arzt sofort an, wenn du diabetische Symptome wie extremen Durst oder Hunger, häufiges Wasserlassen, verschwommenes Sehen oder Schwäche entwickelst.

  3. Setze das Medikament ab und suche einen Arzt auf, wenn du hohes Fieber, Schweißausbrüche, instabilen Blutdruck oder Muskelsteifheit bemerkst, was auf eine seltene, aber potenziell tödliche Reaktion hinweisen kann.

  4. Lass deine Augen vor und regelmäßig während der Behandlung auf Katarakte untersuchen.

  5. Verwende das Medikament mit Vorsicht, wenn du Herz-Kreislauf-Erkrankungen hast oder in der Vergangenheit einen Herzinfarkt oder Krampfanfälle erlitten hast.

  6. Fahre nicht Auto und bediene keine Maschinen, bis du weißt, wie das Medikament auf dich wirkt.

  7. Männer, bei denen eine verlängerte, schmerzhafte oder unerwünschte Erektion auftritt, sollten das Medikament absetzen und ihren Arzt kontaktieren.

  8. Antipsychotika können die Fähigkeit deines Körpers, die Temperatur zu regulieren, beeinträchtigen. Also sei vorsichtig, wenn du Sport treibst oder extremer Hitze ausgesetzt bist.

  9. Informiere deinen Arzt, wenn du schwanger bist oder eine Schwangerschaft planst. Stille nicht, während du Quetiapin einnimmst.

  10. Informiere deinen Arzt/deine Ärztin, welche verschreibungspflichtigen und nicht verschreibungspflichtigen Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel du einnimmst. Eventuell sind auch Informationen zu deiner Ernährung von Bedeutung.

  11. Vermeide die langfristige Einnahme von Antipsychotika als Zusatztherapie bei Depressionen.

    "Ich würde versuchen, die Patienten in sechs bis 12 Monaten abzusetzen", sagt Goodman.

Welche anderen Möglichkeiten kannst du ausprobieren?

Die meisten Menschen, die ein Antidepressivum brauchen, sollten mit einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder einem anderen Antidepressivum der "zweiten Generation" beginnen.

Wenn dies nach vier bis acht Wochen nicht ausreicht, wird dein Arzt wahrscheinlich die Dosis erhöhen oder dich auf einen anderen SSRI oder eine andere Art von Antidepressivum umstellen.

Oft wirkt nicht das erste Antidepressivum

Studien deuten darauf hin, dass etwa 30 bis 40 Prozent der Menschen nicht vollständig auf die Behandlung mit einem ersten Antidepressivum ansprechen, so dass es nicht ungewöhnlich ist, drei oder sogar vier verschiedene Medikamente auszuprobieren, bevor man eines findet, das wirkt.

Außerdem haben einige Studien ergeben - und viele Experten glauben - dass Antidepressiva oft am besten in Kombination mit einer mindestens mehrmonatigen Gesprächstherapie wirken.

Wenn diese Maßnahmen keine Erleichterung bringen, ist die Einnahme eines weiteren Medikaments, z. B. eines zweiten Antidepressivums, oft der nächste Schritt.

Das atypische Neuroleptikum als Zusatztherapie ist nicht die erste Option

Bleibt die Depression auch nach diesen Behandlungen bestehen, kann ein atypisches Antipsychotikum in Betracht gezogen werden, das wir aber aufgrund seiner potenziell schweren Nebenwirkungen nur als letztes Mittel empfehlen.

Wenn du jedoch schwere Symptome hast, kann dein Arzt es schon früher vorschlagen. Zu beachten ist, dass viele Menschen, die mit der Einnahme dieser Medikamente beginnen, sie wegen der unangenehmen oder lästigen Nebenwirkungen wieder absetzen.

Wenn du Seroquel XR oder ein anderes atypisches Antipsychotikum zur Behandlung deiner Depression in Erwägung ziehst, empfehlen die medizinischen Berater von Consumer Reports, dass du einen Psychiater konsultierst, der dich bei der Einnahme dieser Medikamente unterstützt.

Fazit zum Wirkstoff Quetiapin

Quetiapin und andere atypische Antipsychotika können die Wirkung von Antidepressiva ergänzen und die Stimmung des Patienten nochmals verbessern. Sie sind aber teuer und können erhebliche Nebenwirkungen verursachen, so dass die Patienten sorgfältig überwacht werden müssen.

Mein Rat: Sprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin über alle verfügbaren Behandlungen für deine Depression. Wenn die Medikamente der ersten Wahl nicht wirken oder du sie nicht verträgst, solltest du Quetiapin nur dann in Betracht ziehen, wenn dir die Risiken und Vorteile genau erklärt wurden.

Schnelle Hilfe?
  1. Falls du Selbstmordgedanken hast und akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar. Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/
  2. Falls du ein persönliches Beratungsgespräch mit mir ausmachen möchtest, dann klicke bitte hier.


Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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