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September 5, 2022

Wie äußert sich eine Allgemeine Anpassungsstörung - und vor allem: was kann man dagegen unternehmen?

Stress ist in unserem Leben unausweichlich. Er ist eine natürliche Reaktion unseres Körpers, um sich an neue Herausforderungen und Ereignisse anpassen zu können.

Typischerweise stehen Lebensereignisse bzw. Lebensveränderungen als Stressauslöser im Vordergrund. Ein typisches Ereignis ist zum Beispiel ein Umzug in eine andere Stadt, was für die meisten Menschen eine entsprechende psychische und körperliche Belastung darstellt.

Zu viel Stress kann aber bei den Betroffenen zu gesundheitlichen Problemen führen. Diese Erkrankung bzw. viel mehr Störung nennt man dann Allgemeine Anpassungsstörung.

Man geht davon aus, dass die Allgemeine Anpassungsstörung normalerweise nicht länger als sechs Monate anhält, weil die meisten Belastungen des Lebens eher vorübergehender Natur sind. Es kann aber durchaus sein, dass die Anpassungsstörung in eine andere psychische Krankheit übergeht, z.B. in eine Depression.

In diesem Artikel erfährst du,

  • wie die Allgemeine Anpassungsstörung definiert ist,

  • aus welchen Phasen sie besteht und welche Symptome der Anpassungsstörung in welcher Phase typisch ist

  • und welche Therapien zur Verfügung stehen.

Was ist eine Allgemeine Anpassungsstörungen in der Psychiatrie?

Allgemeine Anpassungsstörung

Die Allgemeine Anpassungsstörung beschreibt den Prozess, wie eine Person bzw. deren Körper auf Stress reagiert. Das Phänomen wurde erstmals 1946 von einem Wissenschaftler namens Hans Selye beschrieben (1). Das Störungsbild wird in der Klassifikation nach ICD-10 mit F43.2 abgekürzt.

Der einfachste Weg, die allgemeine Anpassungsstörung zu verstehen, ist, es als die verschiedenen Phasen von Stress zu betrachten und wie unser Körper in jeder Phase reagiert. Das betrifft im Übrigen Erwachsene genauso wie Kinder und Jugendliche.

Die Anpassungsstörung tritt in drei Phasen auf, und jede Phase ist durch eine einzigartige Reihe von physiologischen Veränderungen gekennzeichnet, die dein Körper durchläuft.

Stadien der Allgemeinen Anpassungsstörung

Die Allgemeine Anpassungsstörung tritt in drei Stadien auf. In jedem dieser Stadien reagiert dein Körper auf unterschiedliche Weise. Deswegen unterscheiden sich auch die Symptome der Anpassungsstörung je nach Phase, in der du dich befindest. Die physiologischen Veränderungen, die dein Körper während dieses Prozesses durchläuft, können langfristige negative Auswirkungen haben.

Im Folgenden werden die drei Phasen des GAS erklärt (2).

Alarmreaktionsphase

Dies ist die erste Phase der Allgemeinen Anpassungsstörung. In dieser Phase sendet dein Körper ein Alarmsignal an dein Gehirn. Dein Gehirn reagiert, indem es eine Nachricht an den Körper sendet, die Hormone namens Glukokortikoide und Adrenalin freisetzt; diese werden auch als "Kampf- oder Fluchthormone" bezeichnet. In der Alarmreaktionsphase sind auch dein Blutdruck und deine Herzfrequenz erhöht.

Widerstandsstadium

Die Widerstandsphase folgt auf die Reaktionsphase. In dieser Phase versucht dein Körper, die Veränderungen, die während der Reaktionsphase aufgetreten sind, mit Hilfe des parasympathischen Nervensystems zu verhindern. Sie tritt in der Regel ein, wenn der Auslöser des Stresses nicht mehr vorhanden ist.

Wenn du weiterhin gestresst bist, bleibt das Reaktionsstadium bestehen. In der Widerstandsphase beginnt dein Körper, deinen Blutdruck und deine Herzfrequenz zu senken. Außerdem verringert er die Produktion von Adrenalin und Cortisol.

Dein Körper bleibt jedoch auch in dieser Phase in Alarmbereitschaft und kann leicht wieder in die Reaktionsphase wechseln, wenn der Stressor anhält. In dieser Phase versucht dein Körper einfach, sich von dem Schock der Alarmreaktionsphase zu erholen.

Erschöpfungsphase

Stress verlangt deinem Körper einiges ab, und die Erschöpfungsphase tritt nach längerem Stress ein. Du erlebst diese Phase, nachdem dein Körper eine längere Zeit unter Stress gestanden hat. Selbst wenn der Stressor anhält, ist dein Körper zu erschöpft, um ihn weiter zu bekämpfen. Dies ist die riskanteste Phase der allgemeinen Anpassungsstörung, da du hier am ehesten gesundheitliche Probleme entwickeln kannst. In der Psychosomatik befasst man sich mit solchen stressbedingten Gesundheitsbeschwerden, für die es sonst keine (organische) Erklärung gibt.

Anzeichen der Allgemeinen Anpassungsstörung

Während jeder der drei Phasen der allgemeinen Anpassungsstörung zeigt dein Körper unterschiedliche Anzeichen.

Alarmreaktionsphase

In der Reaktionsphase reagiert dein Körper auf folgende Weise:

  • Erhöhter Blutdruck
  • Die Herzfrequenz beschleunigt sich
  • Die Pupillen weiten sich
  • Die Sinne werden geschärft
  • Die Haut errötet

Widerstandsstadium

Bei anhaltendem Stress kann dein Körper in der Widerstandsphase folgende Anzeichen zeigen:

  • Gereiztheit
  • Störung des Sozialverhaltens
  • Schlechte Konzentration
  • Frustration

Erschöpfungsphase

In der Erschöpfungsphase fühlt sich dein Körper nicht mehr in der Lage, Stress abzuwehren. In dieser Phase bist du anfällig für stressbedingte Krankheiten. Dein Körper kann die folgenden Symptome zeigen:

  • Ängstlichkeit
  • Kognitive Schwierigkeiten
  • Depressionen
  • Müdigkeit
  • Schlaflosigkeit

Das allgemeine Anpassungsstörung erkennen

Hans Selye, ein Forscher und Wissenschaftler, hat das Konzept der allgemeinen Anpassungsstörung entwickelt. Er benutzte den Begriff, um die körperlichen Veränderungen zu beschreiben, die der Körper durchläuft, wenn er gestresst ist. Er entdeckte dies bei Experimenten mit Laborratten.

In seiner Studie stellte er fest, dass die Ratten während des Experiments bestimmte psychische Veränderungen durchliefen, wenn sie physischen Stressfaktoren wie extremen Temperaturen ausgesetzt waren (3).

Aber auch viele andere Dinge können Stress auslösen, z. B:

  • Der Verlust eines geliebten Menschen
  • Entlassung aus einem Job
  • Eine Trennung durchmachen
  • Ein anspruchsvoller Job

Stress ist dafür verantwortlich, dass die allgemeine Anpassungsstörung auftritt. Obwohl Hans Selye in seinem ersten Experiment nur körperliche Stressoren identifiziert hat, kann jede Art von Stress die allgemeine Anpassungsstörung auslösen.

In der ersten Phase der allgemeinen Anpassungsstörung geht dein Körper in den "Kampf- oder Flucht"-Modus über. Dieser Modus ist wichtig, um dich in einer stressigen oder gefährlichen Situation zu schützen. Du bekommst einen Energieschub, der dir hilft, kritischer zu denken und die stressige Situation effektiv zu bewältigen.

Komplikationen im Zusammenhang mit dem allgemeinen Anpassungssyndrom

Die allgemeine Anpassungsstörung ist zwar kein Zustand, der diagnostiziert oder behandelt werden muss, aber es beschreibt in erster Linie, was mit deinem Körper unter Stress passiert. Wenn du dich über einen längeren Zeitraum in einem stressigen Zustand befindest, kann dies zu medizinischen Komplikationen führen. Du könntest eine Reihe von körperlichen und medizinischen Beschwerden entwickeln. Zu den häufigsten Erkrankungen, die mit lang anhaltendem körperlichen oder psychischen Stress in Verbindung gebracht werden, gehören (4):

  • Bluthochdruck
  • Stimmungsschwankungen und Angstzustände
  • Herzkrankheiten
  • Unterdrückung des Immunsystems

Bewältigung der allgemeinen Anpassungsstörung

Wenn du Wege findest, mit anhaltendem Stress umzugehen, kannst du verhindern, dass dein Körper in die Erschöpfungsphase gerät. Die Erschöpfungsphase ist die gefährlichste Phase der allgemeinen Anpassungsstörung. In dieser Phase ist dein Immunsystem geschwächt und du hast ein erhöhtes Risiko, gesundheitliche Probleme wie Bluthochdruck, Schlaganfälle und Herzkrankheiten zu bekommen (4).

Es gibt kein Patentrezept zur Stressbewältigung. Du musst deine Stressoren identifizieren und versuchen, sie loszuwerden oder zu minimieren. Einige bewährte Techniken, die Menschen seit Jahrhunderten zur Stressbewältigung einsetzen, sind

  • Ernähre dich ausgewogen: Was du isst, spielt eine wichtige Rolle dabei, wie du dich fühlst. Wenn du deinen Körper mit ungesunden Lebensmitteln fütterst, ist er schlecht gerüstet, um mit stressigen Situationen umzugehen.
  • Treibe regelmäßig Sport: Untersuchungen haben gezeigt, dass regelmäßiger Sport dazu beitragen kann, dein Stressniveau zu senken.5 Wenn du dich zum ersten Mal sportlich betätigst oder nicht gerne ins Fitnessstudio gehst, ist ein täglicher Spaziergang in deiner Nachbarschaft eine gute Möglichkeit, mit der Bewegung zu beginnen.
  • Mache Atemübungen: Wenn du in einer stressigen Situation tief und kontrolliert atmest, kann dir das helfen, dich zu entspannen und besser damit umzugehen.
  • Identifiziere deine Auslöser: Der erste Schritt zur Bewältigung deines Stresses besteht darin, herauszufinden, was ihn überhaupt auslöst. Das kann ein anstrengender Job sein, die Kommunikation mit einem entfremdeten Verwandten oder der Besuch eines bestimmten Ortes. Wenn du herausfindest, was deinen Stress auslöst, kannst du ihn loswerden.
  • Schreibe deine Gefühle auf: Ein Tagebuch zu führen ist eine oft übersehene Möglichkeit, mit Stress umzugehen. Wenn du deine Gefühle aufschreibst und dich mit ihnen auseinandersetzt, kannst du besser damit umgehen.

Psychotherapie

Falls du das Gefühl hast, du brauchst mehr Unterstützung, solltest du nicht zögern, eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen. Dein Therapeut kann dir dabei helfen, deine Stressmuster zu erkennen und mit dir gemeinsam Lösungen und Strategien erarbeiten, angemessen auf den Stress zu reagieren. Also begebe dich am besten noch heute auf die Suche.

Mein Fazit

Stress ist in unserem Leben allgegenwärtig und es gibt nichts, womit man Stress um jeden Preis vermeiden könnte. In der Psychologie spricht man von sogenannten Ressourcen, die ein Mensch zur Verfügung hat, um auf eine Bedrängnis adäquat zu reagieren. Anders ausgedrückt: Manche Betroffene können Stress besser wegstecken als andere.

Ist der Stress zu groß, kann die Entwicklung einer Anpassungsstörung die Folge sein. Die Reaktionen des Körpers unterscheiden sich je nach Phase. Deshalb ist es wichtig, bereits in einem frühzeitigen Stadium eine entsprechende Behandlung, z.B. eine Psychotherapie, zu beginnen. Auch Medikamente können zum Einsatz kommen, bis der größte Stress vorbei ist.

Genauso wichtig ist es aber auch, sie bei Freunden, Angehörigen oder anderen Menschen Unterstützung zu suchen. Dann sind die Chancen gut, dass die Anpassungsstörung bald überwunden ist und die alte Lebensqualität wieder zurückkehrt.

Quellen

  1.  Selye H. The general adaptation syndrome and the diseases of adaptation.The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism. 1946;6(2):117-230.
  2. McCarty R. The alarm phase and the general adaptation syndrome. In: Stress: Concepts, Cognition, Emotion, and Behavior. Elsevier; 2016:13-19.
  3. Selye H. Stress and the general adaptation syndrome. British Medical Journal. 1950;1(4667):1383-1392.
  4. Salleh MR. Life event, stress and illnessMalays J Med Sci. 2008;15(4):9-18.
  5. Jackson EM. Stress relief: the role of exercise in stress management. ACSM’S Health & Fitness Journal. 2013;17(3):14-19.
  6. https://www.verywellmind.com/general-adaptation-syndrome-gad-definition-signs-causes-management-5213817

Würdest du gerne persönlich mit mir sprechen? Dann kannst du hier einen telefonischen Beratungstermin mit mir ausmachen.

Schnelle Hilfe?

Falls du Selbstmordgedanken hast und akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar. Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/



Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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